Gestorben: Hilary Lister – eine der inspirierendsten Solo-Seglerinnen der Welt

"Es ist wie fliegen"

Die Britin Hilary Lister gilt als Vorbild in Sachen Lebensmut, positives Denken und Durchhaltewillen. Und vielleicht ist sie ein Beispiel dafür, was einem der Segelsport geben kann. Nun ist sie im Alter von 46 Jahren gestorben.

Hilary Lister freut sich über ein bestandenes Abenteuer. © Lister

Eigentlich war für Hilary Lister ein Leben vor dem Fernseher vorgesehen, wie es ihr großer Förderer Andrew Pindar ausdrückt. Schließlich entwickelte sich bei ihr im Alter von 15 Jahren eine degenerative Erkrankung, die zu Tetraplegie wurde, eine Form der Querschnittlähmung, bei der alle vier Gliedmaßen betroffen sind.

Aber die zunehmende Einschränkung hinderte sie nicht daran, nach größeren Zielen zu streben. Die Britin studierte Biochemie in Oxford als sie schon den Rollstuhl benutzen musste, fing eine Promotion an, musste aber aufhören, als sie auch ihre Arme nicht mehr bewegen konnte.

Lister mit ihrer umgebauten Soling auf den ersten Törns. © Lister

Ein wahrlich hartes Schicksal, an dem viele zerbrochen wären. Aber Lister ließ sich nicht unterkriegen, war neugierig auf das Leben. Clifford Lister, einen Musiker und Lehrer, ließ sich von der Lebensfreude anstecken. Das Paar heiratete. Vier Jahre nachdem sie im Alter von 27 Jahren die volle Härte der Krankheit zu spüren bekommen hatte, probierte sie im britischen Kent das Segeln aus.

Segeln mit der Mund-Steuerung

“Es dauerte nur 30 Sekunden auf dem Boot, und ich war darin verliebt”, sagte sie gegenüber britischen Medien. Aber sie fand es frustrierend, das Boot selbst nicht kontrollieren zu können und beschloss, einen Weg zu finden, selber zu steuern. Das führte zu einem System, mit dem sie pustend und saugend über einen Schlauch Impulse geben konnte.

Die Britin bedient ihr Boot alleine mit dem Mund. © Lister

Als sie mit der Mund-Steuerung immer sicherer wurde, begann sie von längeren Schlägen zu träumen und ließ sich von der Around Alone Seglerin Emma Richards inspirieren. “Wenn ich segele, gleite ich in eine andere Welt…. es ist wie Fliegen.” So beschrieb Hilary Lister ihren Sport, der sie über die Grenzen ihrer Behinderung hinausführte.

Schließlich stach sie mit einer modifizierten Soling in See und bezwang 2005 solo den Ärmelkanal. Die Medien feierten sie als Sensation. 2007 ging sie einen Schritt weiter, umrundete die Isle of White alleine und 2008/2009 schließlich mit der Unterstützung ihres Freundes Toby  Großbritannien.

Auf das Trampolin gebunden

“Sie strahlte eine unglaubliche Tapferkeit und Begeisterung aus”, sagt Pindar. Er war besonders beeindruckt, als sich Lister auf einem Katamaran bei der Extreme Sailing Series an das Trampolin binden ließ, um die hohe Geschwindigkeit zu spüren.

“Es ist wie fliegen.”© Lister

2014 segelte sie sogar mit einem umgebauten Dragonfly Trimaran über den Indischen Ozean evon Mumbai nach Muscat. Diesmal mit Crew, aber sie führte maßgeblich das Schiff mit der bewährten Mund-Steuerung.

Ein Höhepunkt war für Lister die Würdigung durch die SCA-Frauencrew zum Ende des Volvo Ocean Race 2014/2015. Sam Davies lud sie auf ihre Volvo 65 Yacht ein, und es wurden bewegende Stunden.

Förderer Andrew Pindar freut sich mit seinem Schützling. © Lister

Zwischen ihren Reisen gründete sie Hilary’s Dream Trust, eine Stiftung, um anderen behinderten und benachteiligten Erwachsenen zu helfen und ähnliche Ambitionen zu verwirklichen. 

Lister ist nun im Alter von 46 Jahren ihrer Krankheit erlegen. Stiefsohn Alex Lister zollte ihr Tribut, indem er der BBC sagte: “Sie begriff das Leiden, das sie erlebte, als eine Chance.”

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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