Handelsschiff mit Flügelsegeln: 30 Prozent Kraftstoffersparnis

Segelnder Raketen-Transporter von VPLP

Vier reffbare Flügelsegel sollen dabei helfen Kraftstoff und Emissionen zu sparen. © VPLP

Das französische Konstruktionsbüro VPLP hat einen Frachter entworfen, der mit eigens entwickelten Flügelsegeln ausgerüstet wird. Mit dem Schiff sollen Raketenbauteile transportiert werden.

Die ArianeGroup, der Hauptauftragnehmer der Trägerrakete Ariane, hatte eine Ausschreibung für den Transport der verschiedenen Teile der neuen Trägerrakete Ariane 6 von Europa zur Startrampe in Kourou, Französisch-Guayana, durchgeführt. Den Zuschlag für den Bau erhielt das Schifffahrtsunternehmen Alizés, ein Joint Venture zwischen dem französischen Offshore-Spezialisten Jifmar und Zéphyr & Borée, einem noch jungen Schifffahrtsunternehmen, das sich auf klimafreundlichen Seetransport spezialisiert hat.

VPLP Design wurde von Alizés beauftragt, ein Schiff – genannt „Canopée“ – gemäß den Vorgaben des Projekts zu entwerfen. Das Designbüro entwickelte daraufhin ein 121 Meter langes und 23 Meter breites RoRo-Schiff mit einer im Bug liegenden Brücke, einem offenen Ladedeck und mit hohen Seitenwänden zum Schutz der Ladung. Der Stapellauf ist für 2022 geplant.

Das 121 Meter lange RoRo-Schiff ist für den Transport von Komponenten der Ariane 6-Rakete von Europa nach Französisch-Guayana bestimmt. Ausgestattet mit vier Oceanwings, die je eine Segelfläche von 363 Quadratmetern haben, ist das Schiff so konzipiert, dass es die Umwelt möglichst wenig belastet.

Eine der Hauptinnovationen des Schiffs, der „Hybridantrieb“, besteht aus den vier 30 Meter hohen Flügelsegeln namens Oceanwings, mit einer Gesamtfläche von 1.452 Quadratmetern. Diese Tragflächensegel sollen das Hauptantriebssystem des Schiffes dabei unterstützen, den Treibstoffverbrauch und die Kohlendioxidemissionen um durchschnittlich 30 Prozent zu senken. Die Reisegeschwindigkeit der “Canopée” soll bei 16 Knoten liegen.

Entwickelt von VPLP, sind die Flügelsegel automatisierte und reffbare Soft-Wingsails, die mit einem separat entwickelten Routingsystem verbunden sind. Gerade das Wetterrouting nimmt in dem Projekt eine Schlüsselposition ein. Die Planung der Routen und die Kenntnis über die unterschiedlichen Wetterbedingungen, mit denen das Schiff während der Überfahrt konfrontiert ist, sind die Voraussetzung für die Berechnung der zusätzlich zum Propeller erbrachten Windenergie. Um die Leistung der Flügelsegel auf einer bestimmten Strecke oder in einer ausgewählten geografischen Zone bestimmen zu können, sollen von einem weiteren Partner (D-Ice Engineering) entwickelte statistische Wetterrouten zum Einsatz kommen.

VPLP wurde 1983 von Marc Van Peteghem und Vincent Lauriot-Prévost gegründet und ist heute eines der in der Welt der Hochseeregatten erfolgreichsten und bekanntesten Konstruktionsbüros. Allein fünf Mal gewannen von VPLP gezeichnete Mehrrümpfer die Jule Vernes Trophy für die schnellste Weltumrundung unter Segeln. Zahlreiche aktuelle IMOCA, wie die „Hugo Boss“ von Alex Thomson oder Jérémie Beyous „Charal“, gehen auf das Konto von VPLP.

Für VPLP Design ist dieses Projekt das Ergebnis einer langen Entwicklungsphase, die mit der Zusammenarbeit mit BMW Oracle und dem Sieg im America’s Cup 2010 mit einem Trimaran mit starrem Flügelsegel begann. Diese Erfahrung ließ VPLP-Mitgründer Marc Van Peteghem in der festen Überzeugung zurück, dass das in der Welt des Regattasports erworbene Fachwissen für Innovationen im Seeverkehr genutzt werden kann.

Alle Designaspekte von Canopée sollen dazu beitragen, weniger Kraftstoff zu verbrauchen und die Umweltbelastung zu reduzieren. So wurde der Rumpf hydro- und aerodynamisch optimiert und als Antriebsanlage kommen Dual-Fuel-Motoren (LNG und MDO) zum Einsatz. Außerdem sollen zum Beispiel Verstellpropeller die Effizienz verbessern. Solarmodule an Deck sollen zur Deckung des Energiebedarfs an Bord genutzt werden.

„Die Schifffahrt steht vor neuen Herausforderungen, denn sie allein ist für 5 Prozent der Treibhausgase verantwortlich, eine Zahl, die sich bis zum Jahr 2050 verdoppeln soll. Der Druck von Institutionen und der Öffentlichkeit auf einen sauberen Verkehr nimmt zu, und es treten strengere Vorschriften in Kraft”, sagt Van Peteghem.

Und nicht nur Frachtschiffe stehen momentan im Fokus: Bei VPLP denkt man bereits über Passagierfähren mit Hydrofoils nach: “Dank der Foils können wir den Kraftstoffverbrauch um 30 bis 35 Prozent senken”, so Marc Van Peteghem. Und wenn sich jemand mit Foils auskennt, dann die Experten von VPLP.

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