Holland: Daten, Fakten und Wissenswertes über das Land der Seefahrer

Schon gewusst?

Das Meer bestimmt schon seit Jahr­hunderten den Takt des Lebens in den Niederlanden. Daten, Fakten und Wissenswertes über das Wassersport-Eldorado:

© Kai Köckeritz

Beinahe 20 Prozent der Niederlande sind Wasserfläche. Nämlich 7.700 Quadratkilometer – so groß wie die Provinz Südtirol in Norditalien. Bevor die Niederländer mit dem Bau der Polder begannen, war es sogar noch mehr. Das IJsselmeer mit über 1.000 Quadratkilometern stellt die größte zusammenhängende Wasserfläche dar.

Mehr als 1.000 bewegliche Brücken überspannen die Kanäle in den Niederlanden und ermöglichen es, stehenden Mastes beinahe durch die gesamten Niederlande zu segeln.

Die Niederlande sind bekannt für ihre Windmühlen. Noch etwa 1.200 Exemplare sind erhalten geblieben – von ehemals über 10.000. Ein Großteil der Windmühlen diente und dient der Entwässerung der niedriggelegenen Teile des Landes. Ansonsten mahlten sie Getreide.

Zwei­ Drittel der Niederlande können überflutet werden. Knapp ein Viertel des Landes liegt unterhalb der Wasserlinie und die Hälfte weniger als einen Meter unter dem Meeresspiegel.

5.046 Kilometer Wasserwege durchziehen das Land. Das entspricht in etwa der Strecke, die die Atlantic Rally für Cruisers (ARC) von Gran Canaria quer über den Atlantik in die Karibik zurücklegt. Und das sind nur die größeren Hauptkanäle. Viele kleine Kanäle, die für die Sportschifffahrt schiffbar sind, sind in dieser Zahl nicht enthalten.

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Kaufleuten aus Hoorn schmeckte es überhaupt nicht, dass die noch junge niederländische Ostindienkompagnie (VOC) die Route um das Kap der Guten Hoffnung als Monopol beanspruchte. Kurzerhand finanzierten sie eine Expedition, um ebenfalls an die Reichtümer im Osten zu gelangen. Zwei Söhne der Stadt, Jacob le Maire und Willem Cornelisz Schouten (1580 bis 1625), sollten eine alternative Route entdecken. Sie wählten den Weg um Südamerika, entdeckten die südlichste Spitze und tauften das Kap kurzerhand Kap Hoorn – nach ihrer Heimatstadt. Ein Ort, der unter Seefahrern bis heute bekannt und gefürchtet ist.


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Auf der kleinen Insel Terschelling im noch kleineren Dorf Formerum erblickte Willem Barents (1550 bis 1597) das Licht der Welt. Um einen neuen Seeweg nach China zu entdecken, brach Barents 1595 auf und wählte den Weg durch das Eis. Kurz nach der Entdeckung der Halbinsel Nowaja Semljas (heute russisch) hinderte das Eis die Niederländer an der Weiterfahrt. In einer aus Treibholz errichteten Hütte überwinterten sie als erste Europäer in der Arktis. Barents überstand den zweiten Winter allerdings nicht.


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Mit Jan Huygen van Linschoten (1563 bis 1611) begann das Zeitalter der Industriespionage. Zumindest legte der Kaufmann aus Haarlem den Grundstein für die Handelsmacht der Niederlande. Im späten 16. Jahrhundert stand er in den Diensten des Erzbischofs von Goa im damaligen Portugiesisch-Indien. Die Portugieser kontrollierten den Handel und besaßen die besten Seekarten seiner Zeit, die van Linschoten munter kopierte und 1591 nach Enkhuizen schmuggelte. Seine Karten und Reiseberichte führten dann 1602 zur Gründung der niederländischen Ostindienkompagnie (VOC) – der mächtigsten und reichsten Handelsorganisation der Geschichte.


© Rob C. Croes / Anefo

Als das Volvo Ocean Race noch Whitbread Round the World Race hieß, gewann der Niederländer Cornelis van Rietschoten (1926–2013) mit seiner Flyer die zweite Ausgabe 1977–78. Bei der nächsten Auflage nahm er mit der Flyer II wieder teil. Es entwickelte sich ein spannendes Duell mit Peter Blake an Bord der Ceramco New Zealand. Mitten im Southern Ocean erlitt van Rietschoten einen Herzanfall, schwor seine Mannschaft aber darauf ein, über Funk keine Hilfe zu fordern – aus Sorge die Etappe zu verlieren. Auf der Ceramco New Zealand segelte ein Kardiologe mit, aber van Rietschoten fürchtete, dass die Neuseeländer ihr Boot richtig hart pushen würden, wenn sie erführen, dass van Rietschoten krank sei. Die Flyer II gewann die Etappe nach gesegelter Zeit. ‚Conny‘ sagte später, dass die Neuseeländer vor dem Ziel nur seine treibende Leiche hätten sehen dürfen. Cornelis von Rietschoten ist der einzige Skipper, der das Rennen jemals zweimal gewinnen konnte.


© Van De Stadt Design

Mit einer Tür im Wasser fing es für E.G. van de Stadt (1910–1999) an. Sein guter Freund Cees Bruynzeel (1900 bis 1980) entwickelte für den Hausbau ein wasserfestes Sperrholz und überlegte sich, wie er das neue Material am besten bekannt machen könnte. So entstand die Idee eines kleinen Kielbootes, das van de Stadt zeichnete. Heraus kam 1939 der ‚Valk‘. Schnell zu bauen und sehr leicht mischte er die Regattafelder der aus Vollholz gefertigten Jollen auf. Eine neue Bootsbauweise war geboren. Eine Bootsbauzäsur, die der Niederländer 1958 wiederholen sollte: Mit der ‚Pionier‘ entstand die erste aus GFK gefertigte Yacht. Van de Stadt konstruierte die ‚Pionier‘ eigens für das neue Material und übernahm keinen alten Holzrumpf als Vorlage.

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