Hydroptère-Auktion: 8000 Dollar für Foiler-Pionier, der ehemals schnellsten Yacht der Welt

Unter dem Hammer

Lange Zeit war der Tragflächen-Trimaran “Hydroptère” eine der spannendsten Segelyacht-Entwicklungen der Welt. Nun kann das fliegende Dreibein als Schnäppchen ersteigert werden.

Hydroptère

“Hydroptère” war einmal das schnellste Segelschiff der Welt. © Hydroptère

Mit “Hydroptère” war Alain Thébault Dauergast in den Schlagzeilen des interationalen Segelsports. Heute gilt der Franzose als einer der Pioniere, die das Segeln auf Foils maßgeblich vorangetrieben haben. Er zeigte seinen futuristischen Flieger zur Kieler Woche und war regelmäßig auf der Boot zu Gast.

Thébault schien omnipräsent auf allen Segel-Kanälen, und er machte als charismatischer, optimistischer und abenteuerlustiger Salzbuckel eine starke Figur. Seine Story war stark, und insbesondere die Bilder von seiner Flugmaschine.

Der 18,28 Meter lange und 24,0 Meter breite Multihull hob seine 4,7 Tonnen mithilfe einer Segelfläche von 400 Quadratmeter in die Luft und setzte dabei beweglichen Wasserballast von bis 800 Litern ein.

Kenterung mit 60 Knoten

2007 puschte er den absoluten Speed-Rekord unter Segeln auf einen Durchschnitt von 44,5 Knoten über die 500 Meter Strecke. 2008 kenterte der Tri als mit etwa 60 Knoten unterwegs gewesen sein soll und erlitt schwere Schäden. Aber Thébault gab nicht auf. 2009 verbesserte er den eigenen Rekord auf den 500 Metern sogar noch auf einen Schnitt von 51,36 Knoten. Erst 2012 ging der 500-Meter-Rekord an Paul Larsens Vestas Sailrocket.

Hydroptère, Thebault, neue Rekorde

Hydroptère = Tragflügelboot © Launay

Seitdem versuchte Thébault, das Geheimnis des Hochsee-Foilens zu knacken. Er baute “Hydroptère” um, brachte das Schiff nach San Francisco, versuchte dort im Rahmen des America’s ein wenig Aufmerksamkeit und mögliche Sponsorengelder abzuschöpfen und strebte schließlich an, den Trans-Pacific-Rekord von Los Angeles nach Honolulu zu brechen. Selbst Frankreichs Staatspräsident wünschte dem Speed-Pionier Glück.

Aber das Projekt scheiterte unter anderem am fehlenden Wind und am Müll im Seegebiet. In der Folge verlor der langjährige Hauptsponsor DCNS – ein französisches Werft- und Schiffsbau-Konsortium, das hauptsächlich Kriegsschiffe an die Französische Marine liefert –  die Geduld und drehte urplötzlich den Geldhahn zu

Ziel: Ozeanrekorde

Seitdem kam “Hydroptère” nicht mehr auf die Beine. Viele Jahre gingen für die überwiegend erfolglose Sponsorensuche drauf. Nur kleinere Budgets konnten vom Markt abgeschöpft werden. Bei Weitem nicht ausreichend für die großen Pläne des Alain Thébault, der am liebsten alle großen Ozeanrekorde brechen möchte. 

ist Derzeit auf Hochsee-Modus umgebaut: Hydroptère im High-Speed-Modus © Launay

Hydroptère im High-Speed-Modus © Launay

Nach dem America’s Cup 2013, der erstmals mit Tragflächen-Kats ausgetragen wurde, ging auch die technische Entwicklung des Foilens in eine andere Richtung. Die L-Profile der AC72 schienen besser zu funktionieren als die V-Foils des Trimarans. Und tatsächlich weisen aktuell auch die großen 100-Fuß-Maxi-Trimarane die L-Flügel auf.

Der Franzose schien mit seinem Projekt unterzugehen. Er war dem persönlichen Ruin nahe. 300.000 soll ihn das gescheiterte Pazifik-abenteuer gekostet haben. Er musste seine Wohnung in Paris verkaufen. Und der Tri gammelte in Honolulu vor sich hin. Er sollte schon ausgeschlachtet und werden, um die ausstehenden Hafengebühren aufzubringen. Bis ein geheimnisvoller Geldgeber die ausstehende Summe von umgerechnet rund 14.000 Euro bezahlt haben soll.

"Hydroptère

“Hydroptère” vor Los Angeles. © Hydroptère

Es hieß 2016, dass es auch einen Käufer gegeben haben soll. Aber entweder stimmte das nicht, oder der Eigner war mit seinem Erwerb nicht zufrieden. Für einen Daysailor ist das Schiff wohl auch nicht geeignet.

Jedenfalls scheint sich nun das vorläufige Ende der “Hydtoptère”-Geschichte anzubahnen. Auf Hawaii wurde der berühmte Foiler nun zur Auktion freigegeben. Das Einstiegsgebot soll 8000 Dollar betragen.

Hydroptère, Versteigerung

Hydroptère-Versteigerung

Thébault immerhin ist wieder auf die Füße gekommen. Er konnte die Foiling-Erfahrungen für das vielversprechende Sea-Bubble-Projekt nutzen, dass kleine Tragflächen-Wassertaxis in die Innenstädte bringen soll und jetzt sogar einen fliegenden Bus.

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

2 Kommentare zu „Hydroptère-Auktion: 8000 Dollar für Foiler-Pionier, der ehemals schnellsten Yacht der Welt“

  1. avatar Andreas Reiter sagt:

    Moin,
    DER Hammer dieses Boot !
    es sollte doch möglich es wieder nach Europa zurück zu holen.
    vielleicht ins Musée Maritime de La Rochelle.

    Ahoi
    Andreas

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 7 Daumen runter 0

  2. avatar Tom sagt:

    Hoffentlich kauft es jemand und macht es wieder fit, vorzugsweise in Europa…Wirklich schade dieses unglaubliche Boot so vergammeln zu sehen, damit hätten sich sicherlich noch einige Rekorde brechen lassen.

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