Illegale Einreise: Deutsche Segler sitzen in Neuseeland im Gefängnis – Notlage nicht anerkannt

"Eklatante Missachtung der Regeln"

Drei deutsche Segler, die mit ihrer Yacht die neuseeländische Bay of Islands ansteuerten, sind von der Einwanderungsbehörde wegen verbotener Einreise inhaftiert worden.

Ankerbucht in der Bay of Islands. Hier suchten die deutschen Segler Zuflucht. © NZ Tourismus

Die deutschen Segler Jacob Kraus, Sophia Ulbrich und Hans Borner sind seit fünf Tagen in Auckland inhaftiert, nachdem sie die neuseeländischen Grenzbeschränkungen verletzt haben. Die beiden Männer sitzen im Mount-Eden-Gefängnis, Ulbrich wurde in ein Frauengefängis überführt. Die Crew war ohne Erlaubnis in die Bay of Islands gesegelt.

Die zwischen Ende zwanzig und Anfang dreißig Jahre alten Segler mussten sich vor dem Bezirksgericht von Auckland erklären. Demnach segelten sie von Tahiti nach Neuseeland, wollten ihr Boot in Opua verlassen und dann nach Deutschland zurückzufliegen.

Sie hatten eine Ausnahmegenehmigung zur Einreise beantragt, nachdem sie bereits Richtung Neuseeland abgereist waren. Der Antrag wurde jedoch abgelehnt. Das Gesundheitsministerium war nicht von der “zwingenden Notwendigkeit” überzeugt, die entsprechend der aktuell geltenden Corona-Regeln bestehen muss, um in das Land einzureisen.

Notwendigkeit für Reparaturen

Die Deutschen gaben in ihrem Ersuchen die Notwendigkeit für Reparaturen an sowie humanitäre Gründe. Das Gesundheitsministerium hatte zuvor aber schon für Aufsehen gesorgt, als es öffentlich erklärte, keine Segler ins Land lassen zu wollen, die einfach vor der Sturmsaison im Pazifik fliehen. Gut 300 Yachten sollen davon betroffen sein.

Tatsächlich erklärte die deutsche Crew, dass sie die Yacht eigentlich zunächst in Französisch-Polynesien zurücklassen wollte. Vor dem Hintergrund der beginnenden Zyklonsaison habe sich aber keine Möglichkeit für einen sicheren Standort ergeben.

Deshalb sei der Aufbruch Richtung Neuseeland erfolgt in der Hoffnung, dass dem Antrag stattgegeben wird. Wenn die Einreise nicht gewährt würde, wollten sie Fidschi ansteuern. Zwei Tage vor der Ankunft im Norden Neuseelands kam schließlich die Absage vom Gesundheitsministerium.

Leck im Rumpf

Zu diesem Zeitpunkt sollen aber schon Rigg und Rumpf beschädigt gewesen sein. Durch ein Leck sei Wasser eingetreten. Und hinter ihnen sollen sich Stürme zusammengebraut haben. Deshalb beschlossen sie kurzfristig, nach Neuseeland weiterzufahren. Das Schiff sollte dort für umgerechnet knapp 30.000 Euro repariert werden. Die Crew hoffte offenbar auch, dass die Behörden mit dieser Aussicht auf Umsatz, dem Antrag eher stattgeben würden.

Aber dem war nicht so. Laut Radio NZ entschied der Richter bei der Anhörung, dass nicht nur die Abweisung, sondern auch die Inhaftierung verhältnismäßig sei. Das Trio habe bewusst das Risiko auf sich genommen, im Umfeld der Corona-Situation auch ohne offizielles Visum nach Neuseeland zu reisen. Es handele sich um eine “eklatante Missachtung” der Regeln und es bestehe Fluchtgefahr.

So hat die Entscheidung Bestand, dass die Segler in Haft bleiben bis am Donnerstagnachmittag um 15.10 Uhr ihr Flug nach Deutschland startet. Was mit dem Schiff passiert, ist bisher nicht bekannt.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

7 Kommentare zu „Illegale Einreise: Deutsche Segler sitzen in Neuseeland im Gefängnis – Notlage nicht anerkannt“

  1. avatar meerkater sagt:

    Die Annahme, gute Seemannschaft im Land der Americas Cup Gewinner etwas zählen würde, war offensichtlich falsch.

    Sollen sie die 300 Crewse halt vor Anker 2 Wochen in Quarantäne schicken und anschließend auf Corona testen. Wo ist das Problem?
    In meinen ganz persönlichen “ich mag das Land” Ranking hat dieses Land gerade mindestens 50 Plätze verloren. Und Australien auch, denn die haben die gleichen irre Regelung, hatten nur bisher nicht die Chance jemanden einzusperren.Sie würden es genauso tun, da bin ich mir sehr sicher.

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  2. avatar PL_harryliedtke1 sagt:

    In meinen Augen eine recht heftige Reaktion, wenn das Boot technische Probleme hat und nur vor Anker lag verstehe ich nicht wozu die Crew verhaftet werden muss.
    Es wiederspicht der Sache an sich , um Ansteckung zu verhindern hätte man das Boot ohne Landkontakt mit einer Geldstrafe wegschicken können.
    Abgesehen davon war diese Crew nachweislich (Tracking) über 2 Wochen ohne anderen Landkontakt und die vor Ort durchgeführten Tests waren alle negativ.
    Regeln sind Regeln allerdings sieht dieser Vorfall aus als würde auf Kosten dieser Besatzung ein Exempel statuiert um andere Segler einzuschüchtern.

    Mein Fazit :
    Minuspunkte für die neuseeländischen Behörden
    und viel Glück für
    Sofia, Jakob und Hans die gerade in einer Zelle sitzen und mit dieser unverhältnismäßig heftigen Situation klar kommen müssen.

    Kopf hoch zum Schluss wird immer alles wieder gut 👍🙏👍🙏

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  3. avatar Kai Frühauf sagt:

    Man weiß mittlerweile nicht was schlimmer ist, der Coronavirus oder die Überreaktionen mancher Regierungen und Behörden?
    Gesunde, rechtschaffende Menschen werden in Ihren Heimatländern, Wohnungen, Gefängnissen, etc. eingesperrt…wie weit sind wir gekommen???? …

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  4. avatar Volker Prause sagt:

    Endlich greift ein Richter durch und zeigt, wer Herr im Hause ist. Ich Segel seit zwei Jahren durch die Weltgeschichte und lerne immer wieder solche deutsche in den verschiedensten Marinas kennen, die der Meinung sind, sie können alle Gesetze umgehen. Und die Begründung mit dem Schaden am Boot greift nicht. So ein Problem Kommt nicht von heute auf morgen, es sei denn Ich laufe auf. Dann habe ich aber einen Seenotfall. Genau richtig, wie Neuseeland sich verhält, und die Schreihälse sollten mal darüber nachdenken, was wir veranstalten, damit keiner nach Deutschland kommt!

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    • avatar Harry sagt:

      wassereinbruch nur durch Auflaufen..?
      So ein unqualifizierten Mist von sich zu geben kann nicht von einem erfahrenen Segler kommen.
      Hier in dem Bericht wurden einige Dinge nicht klar geschildert (wir haben Kontakt mit der Mannschaft)
      Außerdem ist von dem Richter und der Staatsanwaltschaft bestätigt worden, ein “abschreckendes Beispiel” darzustellen.
      Vielleicht kommen Sie mal selbst in den Genuss einer solchen Situation…

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      • avatar Harry sagt:

        wassereinbruch nur durch Auflaufen..?
        So ein unqualifizierten Mist von sich zu geben kann nicht von einem erfahrenen Segler kommen.
        Hier in dem Bericht wurden einige Dinge nicht klar geschildert (wir haben Kontakt mit der Mannschaft)
        Außerdem ist von dem Richter und der Staatsanwaltschaft bestätigt worden, ein “abschreckendes Beispiel” darzustellen.
        Vielleicht kommen Sie mal selbst in den Genuss einer solchen Situation…dazu noch ein Update für Herr Schlaumayer” Schreihals” der Mastfuß sei auch gebrochen.. wenn das kein Notfall ist was ist es dann?
        Einfach Klappe halten und uns nicht mit “Super Richter” irgend ein dummen Text tippen.. voll daneben!!

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  5. avatar Nataniel sagt:

    Nur weil in Deutschland jeder ungestraft illegal einreisen kann oder sogar abgeholt wird, heisst das nicht, dass es anderswo genauso ist. Neuseeländische Behörden und Regierung halten sich offenbar an ihre Gesetze und das ist auch gut so.

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