IMOCA aufgelaufen: Fabrice Amedeo rammt einen Felsen – Vier Verletzte im Krankenhaus

Der schöne Unglücksrabe

Fabrice Amedeo hätte als Journalist und Model viel zu erzählen gehabt bei der Vendée Globe. Aber die war für ihn schon in Kapstadt beendet. Nun setzt sich die Pechsträhne fort. Er ist schwer aufgelaufen.

Fabrice Amedeo war das Werbegesicht der Kosmetik-Firma Clarins. © Clarins

Fabrice Amedeo (43) ist als großer Unglücksrabe die Geschichte der vergangenen Vendée Globe eingegangen. Erst musste er schon 50 Meilen nach dem Start umdrehen und einen verklemmtes Fock-Fallenschloss reparieren, dann war gut einen Monat später endgültig Schluss in Kapstadt.

Der Grund: “Ich kann keine Wetterdaten mehr herunterladen.” Sein Computer sei ausgefallen und das Backup-Gerät ebenso. Er könne nun nicht mehr die sicherste Route berechnen. “Es wäre möglich, das Rennen auf altmodische Art und Weise zu beenden und sich den Elementen im Southern Ocean ohne Wetterinformationen auszuliefern, aber meine Priorität war es immer, sowohl die Sicherheit meiner Person als auch die des Bootes unter Kontrolle zu haben.” Dieses Boot sei mit seinen Foils bei starkem Wind sehr schwierig zu handhaben. Deshalb breche er lieber ab.

Amedeo beim Shooting für den neuen Sponsor Nexans. © Jean-Marie Liot

Wahrlich kein glorreicher Abgang. Fabrice Amedeo dankte seinen Sponsoren und kündigte an: “Ich werde mich wieder aufrappeln.” Er brachte irgendwann sein Schiff zurück in den Heimathafen von La Trinité-sur-Mer und musste schmerzhaft miterleben, was für ein großer Erfolg die Vendée Globe wurde – auch ohne ihn.

Apparaturen wie bei Boris Herrmann

Dabei wollte er nach seinem ersten Abenteuer 2017, als er die Vendée Globe nach 104 Tagen gut 30 Tage nach dem Sieger auf Rang elf beendete, mit einem Foiler den nächsten sportlichen Schritt gehen. Er erwarb den erst 2015 ursprünglich für den Italiener Andrea Mura gebauten IMOCA, der schließlich vom holländischen Drachensegler Pieter Hereema um die Welt gesegelte wurde, aber nie sein Potenzial zeigen konnte. Auch Damien Seguin soll sehr an dem Schiff interessiert gewesen sein. Amedeo aber konnte es auch vor der Vendée Globe nie richtig in Schwung bringen.

Amedeo in Action. © Jean-Marie Liot

Aber der Franzose hat mehr als Regattasegeln im Sinn. Er entkoppelte sein Segel-Projekt von sportlichen Erfolgen und setzt nun ganz auf die Umwelt-Karte. Amedeo hat nach der Vendée-Globe-Enttäuschung sein Umwelt-Engagement intensiviert. Dafür war er im Begriff, mit seinem IMOCA die französische Küste entlangzusegeln und die Konzentration von Mikroplastik messen. Schon bei der VG hatte er wie Boris Herrmann Apparaturen an Bord, um CO2-Rate, Salzgehalt und Temperatur des Wassers zu messen. Nun kann er auch kleinste Plastik-Partikel aufspüren.

Ziel sei es, so viele Menschen wie möglich für diese Problematik zu sensibilisieren. Dabei geht es ihm um Aufklärung und Diskussion insbesondere dem jungen Publikum als Zielgruppe. Und welcher Segler wäre besser dafür geeignet als einer, der als Politik-Journalist für die führende französische Tageszeitung Figaro arbeitet und sich für das Segeln beurlauben ließ.

Amadeo hat Philosophie und Politikwissenschaften studiert und schließlich selber mit dem Segeln auf einer 22-Fuß-Beneteau-Cruiser seiner Familie begonnen. Er schrieb viel über die großen Hochsee-Rennen und schließlich auch selber sehr persönlich über seine eigene Route du Rhum Teilnahme 2014 als er in der Class 40 Rang neun von 43 Booten erreichte.

Model für Kosmetik-Firma

Dass er seinen Sponsoren mehr zu bieten hat als der Standard-Segel-Profi, zeigte er unter anderem als Model für die Kosmetik-Firma Clarins. Auch nach seinem Scheitern bei der Vendée Globe gelang es ihm, über das Umwelt-Thema neue Partner zu finden. Mit ihnen an der Seite will er auch sportlich endlich erfolgreich sein und 2021 im Oktober die Transat Jaques Vabre und 2022 die Route du Rhum bestreiten.

Fabrice Amedeo war das Werbegesicht der Kosmetik-Firma Clarins. © Clarins

Aber diese Ambitionen haben gerade erst einmal wieder einen Dämpfer bekommen. Sein Image als Unglücksrabe beginnt sich zu verfestigen. Denn am Anfang der Woche ist er mit seinem IMOCA schwer aufgelaufen.

Bei einem kurzen Törn mit Journalisten in der Bucht von Quiberon am Ausgang des Kanals in La Trinité-sur-Mer lief das Schiff auf einen Felsen. Insgesamt acht Personen waren an Bord. Dabei stürzte ein Kameramann und vier weitere Menschen so schwer, dass vier von ihnen in ein Krankenhaus eingeliefert werden mussten. Ihr Zustand soll nun allerdings keinen Anlass zu großer Sorge geben. Bei dem Unfall gab es einen Wassereinbruch, der aber schnell gestoppt werden konnte.

Amadeo sagt: “Dieser Unfall hat mich schwer getroffen, weil ich als Skipper verantwortlich war. Ich wünsche allen gute Besserung.” Das Schiff konnte seinen Liegeplatz ohne Probleme wieder erreichen und wird nun aus dem Wasser geholt. Das Boot ist wieder am Bahnsteig und wird ab morgen zur Schadensuntersuchung und Schätzung aus dem Wasser geholt, um den Schaden begutachten zu können.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

Ein Kommentar „IMOCA aufgelaufen: Fabrice Amedeo rammt einen Felsen – Vier Verletzte im Krankenhaus“

  1. avatar Fuchs sagt:

    Ich denke auch, dass Boot wird wieder am Bahnsteig (quai) sein. Korrekturlesen der Texte aus Übersetzungsprogrammen und im allgemeinen hilft

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