Internet auf dem Wasser: Was Elon Musks Überallinternet Starlink 2021 kosten soll

Schnelles Internet mitten auf dem Atlantik

Bereits im November 2019 berichtete SegelReporter über das Überallinternet, das durch das Satellitennetzwerk Starlink realisiert werden soll. Damals setzte eine Falcon9-Rakete von SpaceX das zweite Paket mit Starlink-Satelliten aus. Seitdem folgten zahlreiche weitere Starts, sodass bis heute knapp 900 Satelliten in einer niedrigen Erdumlaufbahn den Planeten umkreisen.

Raketenstart einer Starlink-Mission Bild: SpaceX

Jetzt rückte SpaceX mit einer ersten Preiskalkulation heraus. Das Überallinternet solle zum Start des Dienstes gegen Ende des Jahres 99 Dollar im Monat kosten. Ein Starterkit mit Nutzerterminal, Montagestativ und Router soll 499 Dollar kosten.

SpaceX und Musk sind eigentlich dafür bekannt, angepeilte Termine nach hinten zu verschieben. Aber im Fall von Starlink scheint es tatsächlich möglich, dass Musk sein Ziel, den Service noch im Jahr 2020 für Nordamerika zu starten, erreicht. SpaceX spricht hier zwar von einer Beta-Phase, aber es ist erstaunlich, dass das Netzwerk so schnell funktionsfähig aufgebaut werden konnte.

Seit den ersten Testsatelliten sind keine zwei Jahre vergangen. Mit weiteren Starts soll das Netzwerk möglichst schnell weiter ausgebaut werden. SpaceX stellt in Aussicht, dass bereits 2021 eine weltweite Abdeckung möglich sein könnte. Die Anzahl der Satelliten soll dazu bis 2027 auf knapp 12.000 Stück ausgebaut werden.

Eine Falcon9 bringt 60 Starlink-Satelliten ins All. Mit der Falcon Heavy sollen demnächst bis zu 400 Satelliten mit einer Mission in eine Umlaufbahn gebracht werden. Bild: SpaceX

Kritik: Weltraumschrott

Bis zu 30.000 Satelliten möchte SpaceX aber für Starlink in das Orbit schießen. Allerdings bedeutet es nicht, dass diese Anzahl gleichzeitig die Erde umkreisen soll. Das Netzwerk soll viel mehr auf einem aktuellen Stand der Technik gehalten werden, indem neue Satelliten die veralteten Exemplare ersetzen. Die erste Generation soll eine Lebensdauer von fünf Jahren besitzen und werden kontrolliert zum Absturz gebracht, bei dem 95 bis 100 Prozent in der Atmosphäre verglühen sollen.

Zwei Satelliten wurden zu Testzwecken in diesem Jahr bereits wieder kontrolliert zum Absturz gebracht. Da die Satelliten in einer erdnahen Umlaufbahn die Erde umkreisen, sollen Reste der Erdatmosphäre die Satelliten innerhalb von fünf Jahren soweit abbremsen, dass sie verglühen, falls der Antrieb ausfällt.

starlink ISS

Eine Reihe von Starlink-Satelliten aus der ISS fotografiert Bild: NASA

Weniger Geschwindigkeit als erhofft

An einer Stelle musste SpaceX die Erwartungen aber bereits ausbremsen. Denn statt den anvisierten 1 Gbit/s erreicht Starlink in der ersten Generation „nur“ einen Download von 50 bis 150 Megabit pro Sekunde. Ein Wert, der aber noch immer zu jedem „erdnahen“ Produkt konkurrenzfähig ist.

Iridium mit 128 kbit/s lässt Starlink zumindest weit hinter sich. Und gerade dieser Punkt macht Starlink für Segler – gerade auf Langfahrt – so interessant. Musks Überallinternet würde nicht nur bedeuten, dass selbst mitten auf dem Atlantik oder in der einsamen Ankerbucht in der Südsee ein Breitbandinternetanschluss zur Verfügung stehen würde, sondern auch, dass es jedes Hafen-WLAN überflüssig macht.

Allein ein flächendeckendes 5G-Netz könnte mit 500 Megabit pro Sekunde mehr Geschwindigkeit bieten. Doch das Netz können sie nur dort nutzen, wo es auch zur Verfügung steht, während die Satelliten (bis auf die Polregionen – vorerst) die ganze Welt abdecken. Das macht das mobile Arbeiten von Bord aus zu einer echten Alternative.

Empfang an Bord

Der Empfang gestaltet sich übrigens simpel. Da sich die Satelliten nicht in einem geostationären Orbit befinden, muss keine Parabolantenne ausgerichtet oder gar aufwendig nachgeführt werden. Zum Lieferumfang gehört eine Phased-Array-Antenne, die sich elektronisch ausrichtet – aber nicht motorisch nachgeführt wird, denn dazu bewegen sich die Satelliten zu schnell. Der Einsatz auf einem sich stets bewegenden Schiff wird dadurch sehr vereinfacht. Die einzige Voraussetzung: freie Sicht auf den Himmel. Befindet sich etwas im Weg, kann der Empfang gestört werden. Auf See ein eher geringes Problem.
Elon Musk hat die Installation des Terminals übrigens so erklärt: “Point to the sky. Plug in.” (“Auf den Himmel richten. Einschalten”)

In der ersten Phase beträgt der Höhenwinkel knapp 25 Grad, sodass Bereiche oberhalb vom 61. Breitengrad nicht erreicht werden können. Angepeilt sind in Zukunft 40 Grad

GPS-Alternative

Neben dem Internet könnte Starlink aber auch – zumindest in der Theorie – Navigationsdaten zur Positionsbestimmung liefern. Die Universität von Texas hat eine Studie veröffentlicht, demnach das flächendeckende Netzwerk eine Alternative zum in die Jahre gekommenen GPS darstellen könnte.

Die Starlink-Satelliten stellen stärkere Signale für die Positionsermittlung zur Verfügung, als GPS es jemals könnte. Außerdem sei Starlink sicherer und weniger störanfällig, so die Forscher. Das ist wiederum für das amerikanische Militär von Interesse – das die Studie übrigens in Auftrag gab. Von SpaceX gab es bisher noch keine Reaktion auf die Studie.

 

 

 

 

2 Kommentare zu „Internet auf dem Wasser: Was Elon Musks Überallinternet Starlink 2021 kosten soll“

  1. avatar Jan Brinkmann sagt:

    Hm. Leider für mich ein ziemlich undifferenzierter Artikel.
    Eine der größten Veränderungen der Gegenwart. Auf eine gewisse Art und Weise, heimlich still und leise – im Verhältnis zu dem, was da am Himmel passiert.
    Einfach entschieden, über aller Menschen Köpfe hinweg, greift ein Unternehmer unumkehrbar ein in unsere Welt, in unser Universum – selbst bei Fridays for Future lässt sich schwerlich eine Stellungnahme finden.
    Für mich ein Elend dieser Zeit: Die Reduktion der eigenen Haltung auf das leidige Festlegen auf ein Pro oder Contra. Vielleicht steht es uns gut an, Dinge erstmal ausreichend zu erörtern und zu diskutieren, bevor man Unveränderlichkeiten dieser Art ins Universum schießt.
    Es wird keine Stille mehr geben auf den Meeren dieser Welt. Ein Abschalten ist nicht mehr erreicht durch den Wechsel des Ortes – ein Abschalten wird in Zukunft immer ein aktives Abschalten von Geräten bedeuten. Ist Alleinsein eigentlich noch Alleinsein wenn man ständig gekoppelt ist an das große Netzwerk? Ich bin froh darüber noch eine Generation Segler kennengelernt zu haben, die die Segelei noch als Entschleunigung wahrnehmen, die lieber auf ihre Karte gucken als auf ihren Plotter (einfach weil sie es können) und die ihren Coolness-Faktor durch ihre Boatlife leben und nicht permant darstellen müssen.,
    Ja, auch technologischer Fortschritt darf kritisch gesehen werden.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 8 Daumen runter 5

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