Jedermann Foiler: Mothquito wird flügge – Einhand-Flieger auf vier Beinen

Spanische Fliege

Mothquito war angetreten, die Foilingwelt zu revolutionieren. Die Designer wurden schon zu Preisverleihungen eingeladen bevor das Gerät erstmals flog. Nun zeigt sich das Insekt erstmals in Bewegung.

Das Teil sieht wahrlich nicht mehr wie ein Segelboot aus. Der Mothquito-Rumpf ist nur  angedeutet – eher sind es zwei Surfbretter mit Flügeln. Mit 3,05 Metern kaum länger als ein Opti, dafür aber mit 15 Quadratmeter Segelfläche ausgestattet. Wie soll das funktionieren?

Ungewöhnliche Draufsicht auf ein Segelboot. © Mothquito

Die Foiling-Szene sieht Mothquito als durchaus spannenden, neuen Ansatz bei der rasanten Entwicklung segelnder Fluggeräte. Schon Anfang 2018 war die Entwicklung des Spaniers Toni Blanc auf einer Liste für die Preisvergabe der interessantesten Foiler des Jahres erschienen.

Seitdem ist aber wenig passiert. Das skurrile Design gilt zwar nach wie vor als echter Hingucker, aber ein Beweis der Funktionsfähigkeit blieb das Team, dem auch der österreichische Ingenieur Wolfgang Habe angehört, noch schuldig. Bis heute.

Stolz präsentieren die Macher das erste Video ihrer “spanischen Fliege”. Das Prinzip scheint zu funktionieren. Besonders Foiling-Anfänger soll Mothquito das absolute Fluggefühl unter Segeln bescheren.

Breiter als lang. © Mothquito

Möglich sei das durch ihr patentiertes “Increased Foiling System” (IFS). Damit soll der Segel-Flug automatisch erreicht werden, ohne dass die Winkel der Tragflächen permanent verstellt werden müssen, etwa durch einen Fühler wie bei der Moth, durch Körpergewichtsverlagerung (Nacra17) oder einen extra abgestellten Flight-Controller (F50, AC75).

Mothquito wird flügge. © Mothquito

Die Mothquito mag zwar bei einem ersten Blick auf die Maße von 3,05 m Länge und 1,8 m Breite wenig her machen, aber mit den seitlich abstehenden Foils erreicht das Schiffchen eine Breite von 4,8 Metern. Und auch die Länge über Alles erhöht sich auf 5,5 Meter durch einen Bugspriet und ausziehbare Ruder-Aufhängungen.

Vergleich aktueller Foil-Saysteme. © Mothquito

Der Clou sind vor allem die V-förmigen Tragflächen, weil mit ihnen ein selbregulierender Prozess genutzt wird.  Mit zunehmender Geschwindigkeit nimmt der Auftrieb über den gesamten Querschnitt des Foils zu, und es hebt das Boot nach oben. Wenn es zu weit aufsteigt, gerät der untergetauchte Teil des V aus dem Wasser und erzeugt weniger Auftrieb. Dadurch sinkt das Boot wieder ab und hält sich so in einem Gleichgewicht.

Großartig schnell sieht Mothquito auf dem Video noch nicht aus. Der Widerstand im Wasser durch vier statt nur zwei Tragflächen wie bei der Moth ist deutlich größer. Aber dennoch scheint das Schiffchen ziemlich stabil über der Oberfläche zu schweben. Immerhin dürfte das geringe Gewicht der Kohlefaser-Konstruktion, das von Toni Blanc mit 25 bis 35 Kilogramm angegeben wird, und die große Segelfläche für jede Menge Beschleunigungspotenzial sorgen.

Ob, wann und für welchen Preis Mothquito jemals auf den Markt kommen wird, ist noch nicht bekannt. Aber das Projekt hat in Spanien namhafte Unterstützer und scheint mehr als die Spinnerei eines durchgeknallten Bastlers zu sein.

Mothquito Website

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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