Juel Verne Trophy: Sodebo bricht Rekordversuch ab – Ruderschaden im Southern Ocean

Nicht schnell genug

Längst hat Thomas Coville bewiesen, dass Sodebo das schnellere Boot im Vergleich zu IDEC Sport ist, mit der Francis Joyon im Januar 2017 den Jules Verne Rekord aufgestellt hat. Aber erst spielte das Wetter nicht mit und nun das Ruder.

Charles Caudrelier, Skipper des Jules-Verne-Rekordjägers Gitana, schien den Abbruch des Konkurrenten Sodebo vorauszusehen. In einem aktuellen Interview erklärt er, dass die Zeit von Sodebo beim Eintritt in den Indischen Ozean mit einem Vorsprung von rund 650 Meilenzwar gut aussehe, aber eigentlich nicht viel bedeute. Denn IDEC habe 2017 den Atlantik mit etwa 13 Tagen nicht besonders schnell überwunden. Erst im Indischen Ozean und dem Pazifik hatte Joyon unglaublich gute Windbedingungen.

Deshalb würden die maximal 650 Meilen Vorsprung, die Sodebo am ersten Kap hatte, noch nicht viel aussagen. Er selber strebe zwei Tage Vorsprung an, wenn es etwas mit dem Rekord werden solle. Und da auch Sodebo schon 870 Seemeilen in 24 Stunden geschafft hat – der Rekord von Banque PopulaireV ist 11 Jahre alt (908,2 Meilen) – muss man wohl mit 1600 Meilen Vorsprung auf Höhe von Kapstadt ankommen, um eine Chance zu haben.

Schlechte Vorhersage

Davon war Coville weit entfernt. Deshalb mag sein Team den Schaden am Steuerbord-Ruder nicht so hart empfinden, als wenn der Rekord in Reichweite gelegen hätte. Es berichtet, die Reparatur hätte es dem Boot nicht mehr erlaubt, mit 100 Prozent seiner Kapazität zu segeln.

Die Entwicklung des Rekordversuchs im Vergleichzu IDEC Sport.

Zu den genauen Umständen der Kollision lässt sich das Team nicht aus. Es segelte deutlich weiter südlich etwa als die Vendée Globe-Flotte, die es gerade schon überholt hatte. An eine Eiszone muss sich Sodebo bei einem Rekordversuch nicht halten. Es kann den kürzesten Weg wählen. Dafür beobachtet der Wetterrouter an Land explizit die Entwicklung der Gefahren durch treibende Eisschollen anhand von Satellitenberichten.

Die Speedkurve von Sodebo.

Die Rekord-Aussichten standen also ohnehin auf tönernen Füßen. Denn auch die weitere Vorhersage für den Indischen Ozean ist ungünstig. Sodebo verlor jeden Tag Meilen, weil der Trimaran im Unterschied zu IDEC vor dem Wind kreuzen musste, schon drei Halsen eingebaut hatte und im schweren Seegang seinen Speed nicht ausspielen konnte.

Die Sodebo-Crew bei seltenen Vordeck-Arbeiten. © Curuchet /Sodebo voile

Nun hat der 32-Meter-Trimaran und seine siebenköpfige Crew Kurs auf die Insel La Réunion 2300 Meilen nordwestlich von Madagaskar genommen, um dort die notwendigen Reparaturen für die sichere Rückkehr nach Lorient vorzunehmen. Auf der Insel wurde gerade erst Kevin Escoffier nach seiner Vendée Globe-Rettung von der französischen Fregatte abgesetzt. Vielleicht wartet er noch auf die Kollegen.

Sodebo segelt jetzt nach Reunion, wo schon Kevin Escoffier gestrandet ist.

Für Caudrelier und Cammas, die mit ihrem Rothschild Trimaran nach dem gestarteten Rekordversuch schon relativ früh wieder umgedreht haben, verbessert sich die Situation durch den Sodebo-Abbruch. Sie sind nach der fälligen Reparatur am Wochenende wieder im Standby-Modus und peilen einen Start Mitte der Woche an.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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