Jules Verne Trophy: Gitana bricht ab nach Kollision – Sodebo verliert 250-Meilen-Vorsprung

Hochsee-Match-Race beendet

Aus dem Match Race um die schnellste Jules Verne Weltumsegelung ist ein einsamer Kampf gegen die Uhr geworden. Das Gitana-Team hat aufgegeben – und auch bei Sodebo läuft es nicht optimal.

Nach dem überhasteten Start vom Rothschild-Rennstall kaum eine halbe Stunde nach Sodebo haben Charles Caudrelier und Franck Cammas nach drei Tagen schon wieder umgedreht. Sie vermelden einen Ruderschaden. Zu diesem Zeitpunkt lag der 100-Fuß Trimaran mit seiner sechsköpfigen Besatzung mehr als 200 Meilen vor dem vier Jahre alten Rekord von Francis Joyon. Auch im Vergleich zu Sodebo segelte das Dreamteam-Duo des internationalen Hochsee-Rennsports bei dem Starkwind der ersten Stunden etwas schneller, musste im direkten Duell aber später zurückstecken.

So positiv entwickelte sich der Rekordversuch für Gitana im Vergleich zu Joyons Vorgabe vor vier Jahren.

Ob das schon an dem Schaden lag, ist nicht klar. Teamchef Cyril Dardashti erklärt, der Entscheidung für den Abbruch lägen insbesondere zwei Faktoren zugrunde. Zum einen sei der Schaden durch einen Zusammenstoß mit einem Objekt im Wasser ein Problem. Das Backbord T-Foil am Ruder habe etwas abbekommen und es sei nicht mehr möglich, mit  vollem Potenzial zu segeln.

Der Gitana Durchschnitt-Speed

Außerdem sei das Wetterfenster nun doch nicht so gut für den Rekord geeignet, wie man zuvor gedacht hatte – Cammas erklärt im Video, dass der Start auch erfolgte, weil Sodebo losgefahren ist -. Das St. Helena-Hoch liege weit südlich und zwinge zu einem großen Umweg. Die Wetterlage mache zwar immer noch eine Rekordzeit, aber nur wenn das volle Potenzial des Bootes ausgeschöpft werden könne – und erst recht nicht, wenn ein vielleicht schnellerer Gegner noch parallel dazu segelt, könnte man anfügen. Aber die Leistungsfähigkeit im Vergleich zu Sodebo wird im Gitana-Statement nicht angesprochen.

Hoffen auf besseres Wetterfenster

Dabei schien der konkurrierende Neubau von Thomas Coville im Vergleich durchaus etwas schneller zu sein. Auch das wäre jedenfalls ein gutes Argument zum Umdrehen auch wenn es sich in der Außendarstellung nicht gut macht. Aber das ist die Crux bei Round-the-world-Rekordversuchen in der Anfangsphase. Man kann auch aus strategischen Gründen abbrechen.

Die beiden aktuell schnellsten Hochsee-Rennmaschinen der Welt Sodebo (l.) und Gitana. © Sodebo/Gitana

Die Wahrheit ist schwer zu überprüfen. Ein Foto vom kaputten Ruder wurde jedenfalls bisher nicht veröffentlicht. So heißt es auch vom Team, optisch sei kein Schaden am Ruderblatt zu er kennen, aber die Tragfläche sei schwer zu bewegen. Das deute darauf hin, dass es Schäden im System gebe.

Also lautet nun die Gitana-Strategie: Einfach ein wenig auf ein besseres Wetterfenster warten, und dann Sodebo den möglichen Rekord wieder abnehmen. Bis jetzt kann man noch nicht wirklich wissen, welcher Trimaran der schnellere ist.

Auch Idec ist damals erst umgedreht

Dass die Strategie schlau sein kann in Bezug auf das Wetter, zeigt der Jules-Verne-Trophy-Versuch von Joyon vor vier Jahren. Exakt zum selben Datum drehte Idec Sport um, weil sich das Wetterfenster geschossen hatte. Neunzehn Tage später öffnete es sich wieder und Joyon startete erneut, um mit seinem im Vergleich zur damaligen Konkurrenz eher langsamen zehn Jahre alten ex Grupama3-Trimaran den Rekord um fast acht Tage zu unterbieten.

Sodebos 250 Meilen Vorsprung verflüchtigte sich in den Doldrums, steigt aber wieder an.

Die Entwicklung des Sodebo-Speeds

Der aktuelle Stand der Rekordfahrt mag der negativen Wetterinterpretation des Gitana-Teams Recht geben. Denn Thomas Covilles 250 Meilen-Vorsprung verwandelte sich bei der Doldrum-Passage in einen Rückstand von 100 Meilen. Aber nun liegt er fast wieder gleichauf. Es ist aber längst nicht gesagt, dass Sodebo weitermacht. Im Atlantik muss Sodebo einen großen Vorsprung herausholen, um danach eine Chance zu haben. Denn die Southern-Ocean-Passage hat Idec Sport unglaublich schnell mit einer perfekten Wetterlage bewältigt. Die große Spannung ist durch den Rückzieher von Gitana aber erst einmal raus.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

Ein Kommentar „Jules Verne Trophy: Gitana bricht ab nach Kollision – Sodebo verliert 250-Meilen-Vorsprung“

  1. avatar ds sagt:

    Es müsste fast 5 nicht 8 Tage heißen.

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