Jules Verne Trophy: In 40 Tagen um die Welt – Wie Gitana um den Globus foilen will

"Fliegen bringt Sicherheit"

Im November will der Maxi Edmond de Rothschild die Leinen loswerfen und in weniger als 40 Tagen um die Welt rasen. Das jüngste Video zeigt, wie stabil er inzwischen fliegt.

Die Zeit ist reif, dass die jüngste Generation der foilenden Ultim-Rennmaschinen ihr Potenzial auf der großen Runde um die Welt zeigt. Das glauben jedenfalls die Verantwortlichen des Gitana-Rennstalls. Ab dem ersten November beginnt die Standby-Phase für ihren Maxi Edmond de Rothschild und die Suche nach einem geeigneten Wetterfenster. Ziel ist es, die Zeit von 40 Tagen, 23 Stunden und 30 Minuten zu unterbieten, die Francis Joyon 2017 bei seinem Jules-Verne-Trophy-Rekord erreichte.

Es war ein Fabelrekord. Auf der tatsächlich zurückgelegten Strecke von 26.412 Meilen segelte einen Schnitt von 26.85 Knoten – im Lowtech-Modus ohne Foils. Denn bei der “IDEC Sport” handelte es sich um den damals schon elf Jahre alten 31,5 Meter langen Trimaran, der als “Groupama 3” und “Banque Populaire VII” im Rekordmodus segelte. Möglich wurde er insbesondere durch extremes Wetterglück.

Aber normalerweise sollte die Zeit für den Rothschild-Trimaran kein Problem sein. Im direkten Vergleich hätte “IDEC Sport” keine Chance. Und die Bestzeit erscheint auch nicht mehr ganz so unerreichbar, wenn man bedenkt, dass Francois Gabart elf Monate später nur etwa zwei Tage länger um die Welt brauchte – aber eben im Einhand-Modus. Seine “Macif” war schon in der Lage, sich zeitweise aus dem Wasser zu heben.

Pioniere bei Offshore-Foiling

Das aber ist kein Vergleich mit dem heutigen Stand der Technik. Die aktuellen Ultim-Trimarane haben das Geheimnis des stabilen Fluges auch auf offener See geknackt. Und das Gitana-Team gehört zu den Pionieren. Vor drei Jahren erblickte “Gitana 17” das Licht der Welt und ebnete den Weg für die neue Generation der fliegenden Maxi-Trimarane. Nun soll die frühe Investition in die Offshore-Foiling-Entwicklung endlich Früchte tragen.

So will der Maxi Edmond de Rothschild um die Welt rasen. © Team Gitana

Dabei kommt der Verlässlichkeit eine besondere Bedeutung. Denn das Vertrauen in die fliegenden Ultim-100-Fußer hat schwer gelitten nach dem Desaster bei der Einhand-Transatlantik-Regatta „Route du Rhum 2018“. Die Schadensliste war lang: Total-Verlust nach Bruch eines Auslegers und anschließender Kenterung („Banque Populaire“ mit Armel le Cleac’h), Aufgabe wegen massivem Schaden am Schwimmer („Gitana“, mit Sebastien Josse), Ruderbruch und Verlust des Steuerbord-Foils („Macif“ mit Francois Gabart) und Aufgabe wegen diverser technischer Probleme, u.a. Riss im Beam („Sodebo“ mit Thomas Coville) (SR-Berichte).

Danach kriselte es auch im Gitana-Team. Im Februar 2019 wurde der langjährige Skipper Sébastian Josse überraschend an die Luft gesetzt. Zwei Monate später übernahmen Franck Cammas und Charles Caudrelier gemeinsam das vakante Cockpit. Die beiden Volvo-Ocean-Race-Sieger gewannen prompt das die Atlantik-rund-Regatta Brest Atlantique gegen die direkte Ultim-Konkurrenz und verließen danach die Klasse.

Man wollte das Schiff ohne die Zwänge der Klassenregeln technisch für den Jules-Verne-Rekord aufrüsten. So arbeitet das Gitana-Team seit einigen Jahren an einem automatischen Foil-System, über das die Winkel der Tragflächen eingestellt werden und das exakter mit dem Autopiloten kooperiert.

Diese Technik scheint jetzt bereit zu sein für den Einsatz. Das Video zeigt schon mal, wie stabil die Flugphase ist. “Uns ist es gelungen, in der vergangenen Winter-Refit-Phase eine erhebliche Geschwindigkeitsverbesserung zu erreichen”, sagt Charles Caudrelier. Dafür sei nicht eine einzige spektakuläre Veränderung des Bootes verantwortlich, sondern viele kleine.

Fliegen bringt Sicherheit

“Das Boot fühlt sich nun wirklich sehr stabil an. Tatsächlich bringt das Fliegen Sicherheit mit sich, auch wenn wir ständig mit sehr hohen Geschwindigkeiten fahren. Dabei haben wir besonderen Wert auf die Aerodynamik gelegt und neue Verkleidungen angebracht.” Dauerhaft soll der Trimaran über 40 Knoten schnell segeln können.

“Wir können die wichtigsten Zutaten, die erforderlich sind, um den Rekord zu brechen, in drei Hauptschritten zusammenfassen”, sagt Franck Cammas. “Der erste bezieht sich auf die Leistung des Bootes, der zweite auf die Zuverlässigkeit und der dritte auf das Wetter. Was den Speed betrifft, so haben wir das angepeilte Niveau erreicht. Was die Zuverlässigkeit betrifft, so hat das Team in diesem Bereich viel Arbeit geleistet. Aber es an uns, auf dem Wasser das richtige Gleichgewicht zwischen Speed und Risiko zu finden. Das Wetter ist der zufälligste Aspekt in dieser Geschichte. Im Jahr 2017 profitierte Francis von einem unglaublichen Wetterfenster, aus dem er wirklich das Beste herausholen konnte.”

Gitana vertraut auf die Expertise des Land-Wetterrouters von Marcel van Triest. Der hat unter anderem Joyon zum aktuellen Rekord geführt. Die Crew steht noch nicht final. Cammas und Caudrelier wollen im Oktober vier zusätzliche Segler benennen.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

2 Kommentare zu „Jules Verne Trophy: In 40 Tagen um die Welt – Wie Gitana um den Globus foilen will“

  1. avatar DocB sagt:

    …und wie sieht das bei 5m Welle aus?

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    • avatar Olli sagt:

      Die Frage drängt sich auf. Wir können aber davon ausgehen, dass sie diesen Fall in der Entwicklung des Bootes nicht ausgeklammert haben. Aller Voraussicht nach wissen die Franzosen, daß auf dem Ozean auch mal Welle sein kann. Daß Routing wird aber (ähnlich wie bei den Imoca) die Wellenprognose sehr viel gewichtiger bewerten als das vor 10 Jahren gemacht wurde. Mehrrümpfer fuhren ja schon immer in glattem Wasser am schnellsten, nun ist der Unterschied aber wichtiger.
      Trotzdem wird das riesige Gefährt auch bei Welle schnell sein. Auf die Dronenbilder bin ich sehr gespannt

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 0

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