Jules Verne Trophy: Nach 2,5 Monaten Wartezeit – “Spindrift 2” startet heute um die Welt

Wenn nicht jetzt, dann nie

Yann Guichard löst heute die Leinen, um mit dem 40 Meter Trimaran “Spindrift 2” unter 40 Tagen um die Welt zu rasen. Für einen neuen Jules-Verne-Rekord muss er einen Schnitt von fast 27-Knoten erreichen.

Spindrift, Guichard

Der 40 Meter Trimaran “Spindrift”. © spindrift

Eigentlich gehört “Spindrift 2” längst zum alten Eisen. Das 130 Fuß lange Trimaran-Monster lief schon vor zehneinhalb Jahren vom Stapel und ist immer noch der größte Rennkatamaran der Welt. Als “Banque Populaire V” raste er unter Skipper Pascal Bidégorry über die Weltmeere. Der schraubte zwar die Atlantik-Bestzeit auf 3 Tage und 15 Stunden drückte und den 24-Stunden-Rekord auf 908 Meilen hoch, blieb aber auf dem Um-die-Welt-Kurs glücklos.

Bidégorry wurde unrühmlich abgelöst und kam erst wieder als Navigator von Dongfeng zu verdienten Ehren. Aber den Jules-Verne-Rekord mit “Banque Populaire V” brach schließlich sein Skipper-Nachfolger Loick Peyron, als er 2011 knapp unter 45 Tagen blieb.

Spindrift 2: 40 m Länge, 23 Meter Breite, 21 Tonnen Verdrängung, 804 Quadratmeter Segelfäche max. © rdr

Aber das ist eben auch schon fast neun Jahre her. Im Januar 2013 kaufte Dona Bertarelli den Trimaran und ließ ihn von ihrem Spindrift-Rennstall betreuen, der von Freund Yann Guichard  geführt wird. Das Schiff wurde mehrfach umgebaut, um konkurrenzfähig zu sein, und auch von Guichard im Einhand-Modus bewegt. Aber die großen Erfolge auf den Rekordstrecken blieben aus, obwohl der Tri deutlich das schnellste Segelschiff der Welt war.

Fatale Fehleinschätzung

Die Überlegenheit im direkten Duell zeigte “Spindrift 2” 2015/16, als Guichard für einen Jules-Verne-Versuch das gleiche Wetterfenster wie Francis Joyon (mit Boris Herrmann an Bord) auf seiner IDEC nutzte und er den Gegner distanzierte. Aber für den Rekord reichte es nicht.

Maxi Spindrift 2

Yann Guichard am Steuer des Maxi Trimarans “Spindrift2”. © Chris Schmid/Spindrift racing)

Es sah so aus, als wenn sich der Zweikampf ein Jahr später wiederholen sollte, aber das Spindrift-Team ließ Joyon alleine um die Welt segeln. Guichard winkte in letzter Minute ab und sagte: “Ich denke nicht, dass der kommende Winter der richtige Moment für eine Rekordfahrt sein wird!”

Aber das war eine fatale Fehleinschätzung. Der alte Salzbuckel Joyon fand mit seinem eigentlich langsameren Boot auf der Jules-Verne-Strecke ein perfektes Wetterfenster und kam im Januar 2017 mit der Fabelzeit von 40 Tagen 23 Stunden und 30 Minuten ins Ziel. Der exakte Schnitt: 26,85 Knoten.

Damit lag die Latte schon ziemlich hoch für Guichard. Ein Jahr später im Januar 2018 drehte er kurz nach dem nächsten Startversuch ab, als er zu langsam war. Eine Woche später brach schon bei der Anfahrt zur Startlinie der Mast.

Zweiter Frühling nach Route-du-Rhum-Desaster?

Es schien das Ende der Rekord-Bemühungen des Spindrift-Teams sein zu können. Denn die Zeit der neuen, schnelleren 100 Fuß Trimaran-Generation hatte längst begonnen. Francois Gabart segelte Ende 2017 bei seinem Einhand-Rekord teilweise schon schneller als mit Crew. Dabei war seine “Macif” noch gar nicht mit der modernsten Tragflächen-Technik ausgerüstet.

Aber das Route-du-Rhum-Desaster der großen Foiling-Trimarane, das schließlich zur Absage der ultimativen um-die-Welt-Regatta Ende 2019 geführt hat, könnte der 40 Fuß längeren “Spindrift 2” einen zweiten Frühling bescheren. Die technischen Probleme der Foiler-Nebauten haben ihre Ablösung als schnellstes Offshore-Segelschiff der Welt verschoben. Und so bleibt Yann Guichard kaum eine andere Wahl, als noch einmal den Jules-Verne-Versuch zu starten. Wenn nicht jetzt, dann nie.

Der riesige schwarz-goldene 40 Meter lange Trimaran, soll den Hafen von Brest am Dienstagnachmittag verlassen, um die Startlinie vor Ushant zu erreichen.

“Ich habe noch nie einen solchen Winter erlebt!”

Skipper Guichard sagt: “Wir befinden uns seit dem 5. November im Stand-by-Modus und es gab laut Wettervorhersage keine Gelegenheit, wirklich schnell um die Welt zu segeln. Ich habe noch nie einen solchen Winter erlebt! Wir müssen den Äquator in etwa fünf Tagen überqueren: Aber wir laufen Gefahr, vor einer Front lange mit Wind von Backbord segeln zu müssen, was nicht sehr typisch ist. Aber wenn wir warten, dass diese Front durchzieht, würden wir dann vom Azoren-Hoch gebremst.

Nachdenklicher Yann Guichard auf “Spindrift 2” © rdr

Wir gehen davon aus, dass wir das Dock in Brest am Dienstagnachmittag verlassen, um die Linie vor Ushant zu erreichen. Der Start soll in den frühen Morgenstunden des Mittwochs erfolgen, zwischen Mitternacht und drei Uhr. Aber das muss sich bestätigen.”

Der Äquator sollte in fünf Tagen überquert werden, um dann in ein System im Südatlantik zu erreichen. Das muss es dem Team ermöglichen, in weniger als zwölf Tagen am Kap der Guten Hoffnung  einzutreffen. So lautet der Plan von Wetterrouter  Jean-Yves Bernot, der die Kursvorgaben an Land ausarbeitet. Auf diese Weise hat “Spindirft 2” eine Chance, rechtzeitig den Indischen Ozean zu erreichen.

Die große Unbekannte ist die Position der Doldrum-Flautenzone. “Aber zu dieser Zeit des Jahres sollte sie nicht allzu schlimm sein”, glaubt Guichard. “Die Passatwinde wehen in Nord-Süd-Richtung. Auch der Südatlantik scheint nicht blockiert, aber zehn Tagen im Voraus werden die Prognosen immer weniger zuverlässig. Wir wollen schnell genug sein, um ein Tiefdruckgebiet vor Brasilien zu erreichen. Es wäre schön, am Eingang zum Indischen Ozean schon einen Tag in der Tasche zu haben. Denn Francis hat diesen Teil der Strecke dann sehr schnell absolviert, Es wird schwierig sein, es dort besser zu machen.”

Zwölfköpfige Crew

Yann Guichard hat elf Mitsegler ausgewählt, zu denen der Kern seines Teams gehört: Christophe Espagnon, Francois Morvan, Xavier Revil, Jacques Guichard und Erwan Israel. Die Crew wird vervollständigt von Thierry Chabagny, dem Briten Sam Goodchild, Erwan Le Roux, Lyonnais Benjamin Schwartz dem Australier Jackson Bouttell und dem Sohn von Dona Bertarelli Duncan Späth.

“Wir sind bei diesem Versuch zu zwölft an Bord, was zwei weniger sind verglichen mit vierzehn im Jahr 2015. Aber wir haben auch einen kürzeren Mast. Damit segeln wir unter zwanzig Knoten Wind im VMG-Modus weniger effizient und benötigen gute Bedingungen. So könnten sich Übergangsphasen etwas schwieriger gestalten. Auf dem Papier hat der Trimaran das gleiche Potenzial wie Joyons IDEC. Wenn wir ein ähnliches Wetter haben wie er, werden wir seinen den Rekord brechen können.”

Rekord-Tracker

Spindrift Website

Die Crew der “Spindrift 2”

Yann Guichard (skipper)
Erwan Israel (navigator)
Jacques Guichard (watch leader / helm)
Christophe Espagnon (watch leader / helm)
Xavier Revil (watch leader / helm)
François Morvan (helm)
Thierry Chabagny (helm)
Sam Goodchild ((helm / bow)
Erwan Le Roux (helm)
Duncan Späth (helm)
Benjamin Schwartz (helm / bow)
Jackson Bouttell (helm / bow)

Jean-Yves Bernot (onshore router)

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