Kino-Film: Tracy Edwards Story der ersten Frauen-Crew beim Um-die-Welt-Rennen

Im Badeanzug über die Ziellinie

Ausgewählte britische Kinos zeigen mit der Dokumentation “Maiden” die Geschichte von Tracy Edwards, die 1989 erstmals mit einer reinen Frauen-Crew am Whitbread Round the World Race teilnahm. Der Trailer.

Tracy Edwards’ Geschichte ist  inspirierend und faszinierend. Perfekter Stoff für einen Dokumentarfilm, sagt Regisseur Alex Holmes. Er darf nun die Zuschauer entscheiden lassen, ob sie es genau so sehen.

Sein Film “Maiden” beschreibt die Geschichte, wie sich die Britin Tracy Edwards von einer 24-jährigen Köchin auf Charterbooten, zum Skipper der ersten rein weiblichen Crew entwickelte, die 1989 am Whitbread Round the World Race teilnahm.

Edwards bekam anfangs wenig Unterstützung aus der Männerwelt. Für diese war klar, dass eine reine Frauenmannschaft eine solche Regatta niemals schaffen könnte. Die chauvinistische Yacht-Presse wettete auf ihr Scheitern. Potenzielle Sponsoren lehnten die Finanzierung ab, aus Angst vor Negativ-Schlagzeilen, wenn Seglerinnen bei der Regatta über Bord gehen würden.

maiden, Botschafterin, Weltumseglung

So sah das Etappenfinish der Maiden vor 29 Jahren aus © maiden

Aber die Skipperin weigerte sich, aufzugeben: Sie verpfändete ihr Haus, kaufte ein gebrauchtes Boot und setzte alles auf eine Karte. Sie wollte es einfach an die Startlinie schaffen. Mit der Unterstützung ihrer bemerkenswerten Crew schockte sie die konservative Segelsport-Szene und bewies, dass Frauen auch auf See näher an der Leistung von Männern dran sind, als diese es wahrhaben wollen.

Ziemlich sexy

Der Zieleinlauf der “Maiden” im Mai 1990 gilt als einer der buchstäblich schönsten Momente in der britischen Hochsee-Regatta-Historie. Als der 58-Fuß-Maxi Solent vor der englischen Küste die letzten Seemeilen des großen Rundum-Törns segelte, drückten die Fotografen und Kameraleute doppelt verzückt auf die Auslöser.

Tracy Edwards führte erstmals 1989 ein rein weibliches Team beim Whitbread Race um die Welt. © VOR

Tracy Edwards führte erstmals 1989 ein rein weibliches Team beim Whitbread Race um die Welt. © VOR

Denn die erste Frauencrew, die jemals beim Whitbread-Race oder überhaupt an einer Weltumseglungsregatta teilnahm, hatte sich mit zwei Etappensiegen in ihrer Klasse gegen die größere Konkurrenz viel besser geschlagen als erwartet. Außerdem zelebrierte sie die Rückkehr, wie auch schon bei einigen Etappenziellinien zuvor, ziemlich sexy. Im Badeanzug! Was bei der etwas verklemmten, britischen Hochseeszene damals die Augenbrauen weit nach oben schnellen ließ. 

Aber auch danach war die Welt noch nicht so richtig bereit für segelnde Frauen auf höchstem Niveau. 1998 schaffte es Edwards noch einmal, ein Projekt für einen Jules-Verne-Rekordversuch auf die Beine zu stellen, aber sie scheiterte mit einem Mastbruch vor Chile.

Katar als Sponsor

2000 sorgte sie noch einmal  für Aufsehen, als sie mit einem der ersten Maxi-Katamarane “Club Med” unter dem Namen “Maiden II” die Atlantik-Bestzeit angriff. Und danach halfen gute Beziehungen in den Mittleren Osten bei der Organisation der Oryx Quest Regatta für die großen Multihulls um die Welt.

Startort und Sponsor war Katar. Die Ölmultis lobten für jede Teilnehmer-Initiative ein Startgeld von einer Millionen Dollar aus. Aber die Regatta wurde zum Desaster. Nur vier Boote gingen an den Start, zwei schafften die Strecke, Gelder wurden nicht bezahlt und Edwards schlitterte in die persönliche Pleite. Sie konnte geliehenes Geld nicht zurückzahlen.

Danach wandte sie sich enttäuscht ab von der intensiven Segelei, arbeitete für eine Kinder-Organisation und als Motivationsrednerin. Sie bildete sich in der Psychologie fort und ist als Life Coach aktiv.

Erst das aktuelle, neuen Maiden-Projekt bedeutet für sie einen Schritt zurück zu den Wurzeln. Der ehemalige Whitbread-Racer ist fast 30 Jahre nach der legendären Weltumseglung wieder mit einer Frauencrew auf hoher See unterwegs.

Auf den Seychellen gefunden

Allerdings gestaltete sich auch der Start der neuen Initiative gewohnt unglamourös. “Maiden” musste erst mit einem umfangreichen Refit wiederbelebt werden. Die vergammelte Yacht war per Frachter nach Southampton gebracht worden, nachdem sie von Edwards 2014 in desolatem Zustand auf den Seychellen gefunden hatte.

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Tracy Edwards und ihre Crew © maiden factor

“Sie war „in ähnlich miserabel in Schuss wie bei unserer allerersten Begegnung vor dem Whitbread-Pojekt,“ sagt die Britin. 1979 als reine Regatta-Yacht gebaut, erlebte die spätere “Maiden” harte Jahre auf See. Sie havarierte mehrfach und wurde schließlich von einem Eigner erworben, dessen Geschäfte abrupt in einer Pleite endeten.

Die Yacht rottete in einem südafrikanischen Hafen vor sich hin, bis sie schließlich 1987 von Tracy Edwards als „Schnäppchen“ erstanden wurde. „Damals wuchsen schon Sträucher und sonstige Pflanzen im Rumpf“ erinnert sich Edwards. Sie bekam das Schiff flott, segelte erfolgreich um die Welt und musste es aber sofort verkaufen. 25 Jahre lang wechselte die Yacht mehrfach den Besitzer. Und einige gingen nicht gerade sorgsam mit dem geschichtsträchtigen Boot um.

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Triumphales Finish in Southampton © maiden factor

Aber Edwards wollte mit ihrem alten Schiff die Idee des damaligen „Maiden“-Projekts wieder aufnehmen. „Damals zeigten wir aller Welt, dass Frauen durchaus zu Erfolgen in angeblich männlichen Domänen fähig sind,“ erklärt Tracy Edwards auf ihrer Website. „Und diesen Faden wollen wir nun für Frauen und Mädchen in unterentwickelten Ländern aufnehmen!“

Von der Prinzessin bezahlt

Drei Jahre lang trommelte sie für das Thema Maiden-Reloaded, dann hatte sie das Geld zusammen, um den Transport der heruntergekommenen Yacht aus dem Indischen Ozean nach England zu finanzieren.

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Schon damals unter der Flagge von Jordanien.© maiden factor

Das Refit wurde von Prinzessin Haya Bint Al Hussein bezahlt, der Tochter des verstorbenen Königs von Jordanien. Sie setzt sich in ihrer Heimat für die Rechte von Frauen ein, unterstreicht aber auch, dass sie dem Projekt aus nostalgischen Gründen verbunden ist. Ihr Vater, König Hussein von Jordanien, war 1989/90 der einzige unter allen Mäzenen des Segelsports, der fest an die „Maiden“-Crew glaubte und das Projekt damals hauptsächlich finanzierte. 

Nun ist “Maiden” auf der mehrjährigen Weltumseglung unterwegs, bei der sie für Frauenförderungs-Projekte in Drittweltländern wirbt. Unter anderem sollen benachteiligte Frauen die Gelegenheit zum Mitsegeln erhalten.

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Die “Maiden” bekommt 1987 den richtigen Anstrich © maiden factor

Es gehe darum, möglichst viel Aufmerksamkeit für die Belange der Frauen zu erreichen, macht Edwards weiter deutlich. „Wir wollen mit unseren Aktionen Geld sammeln und verschiedene Projekte und Aktionen finanzieren. Wir haben damals am Whitbread Race nur teilnehmen können, weil viele Menschen zu uns und unserer Idee standen, die uns finanziell und moralisch unterstützten, die uns immer wieder sagten: Ihr schafft das! Und genau dies wollen wir jetzt den Frauen weitergeben, die unsere Hilfe noch viel nötiger haben, als wir damals!“ Der Film wird dabei helfen, Aufmerksamkeit für das Projekt zu generieren.

Update von Tracy Edwards. Wegen technischer Probleme mit “Maiden” lässt die Frauen-Crew die geplante Asien-Tour vorerst aus und steuert direkt Australien an:

“Maiden” im Suezkanal:

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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2 Kommentare zu „Kino-Film: Tracy Edwards Story der ersten Frauen-Crew beim Um-die-Welt-Rennen“

  1. avatar Manuela Jahnke sagt:

    Herzlichen Dank für diesen Artikel, der mich als Seglerin unglaublich bewegt hat. Ich selbst bin Mitglied der Segelkamaradschaft Wappen von Bremen. Dieser Verein hat 1989 mit ihrem Schiff Schlüssel von Bremen an dem Whitebread Race ebenfalls teilgenommen. Was eine unglaublich Leistung war. Aber die Geschichte der „Maiden“ ist für mich als Frau noch viel bewegender. Könnt ihr mir sagen, ob ich den Dokumentarfilm auch in Deutschland sehen oder erwerben kann?

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