Langfahrt: Nike und “Karl” haben die Leinen losgeworfen – längster Solo-Trip

„Ein bisschen wie eine Seglerin!“

Seit März ist die Hamburgerin Nike Steiger wieder auf ihrer etwas betagten Super Reinke 10 unterwegs: Sie segelt vor Panama, Costa Rica und Nicaragua und produziert weiter schonungslos ehrliche Videos.

Nike Steiger

Nike mit Einheimischen in St. Blas. © steiger

„Karl“ hat ziemlich lange warten müssen. Sechs Monate ließ Nike Steiger ihr Schiff in Panama alleine, um sich anderen, viel profaneren Dingen als Segeln zuzuwenden. Geldverdienen zu Hause in Norddeutschland, zum Beispiel.

Seit Anfang März machen die beiden erneut die Karibische See unsicher. Dabei darf sich nun nicht vorstellen, dass hier eine junge Seglerin einfach mal locker die Leinen loswirft. Dass sie entspannt ablegt, um dann auf der von Papi finanzierten und der Shore-Crew präparierten, auf Hochglanz gewienerten Yacht mal eben schnell von Insel zu Insel zu rauscht.

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Nike Steiger und “Karl” – ein mittlerweile unzertrennliches Paar © steiger

Von wegen epische Schläge unter Gennaker in rauschender Gleitfahrt mit Rekord-Etmalen – Nike Steiger ist eine Low-Budget-Fahrtenseglerin, wie sie im Buche steht. Und die verbringen bekanntlich mehr Zeit mit Renovierungs- und Bastelarbeiten vor Anker, im Hafen oder auf dem Trockenen als auf See.

So liegt sie öfter ölverschmiert im Halbdunkel des Motor-„Raums“ als in Sonnenöl getränkt auf dem Deck. Und als sie dann doch loskommt, bricht hier ein Wantenspanner, platzt dort eine Benzinleitung, fliegt gleich beim Motorstart der Keilriemen um die Ohren, reißt das Segel genau dort ein, wo es am kniffligsten zu Reparieren ist.

Ziemlich viel Bastelarbeit

„Selbst schuld“ wurde da wohl schon öfters hinter den erhobenen Zeigefingern erfahrener Fahrtenskipper kommentiert, die sich das eine oder andere der schonungslos ehrlichen Videos angeschaut haben, die Nike Woche für Woche von ihren Abenteuern auf ihren Blog stellt.

Wer so naiv sei, und sich ein gebrauchtes Schiff, das in Panama schon seit Längerem zum Verkauf stand, zu einem offenbar sensationell günstigen Preis kaufe, ohne es vorher selbst begutachtet zu haben, der müsse einfach damit rechnen, dass er stolzer Eigner eines Wracks wird.

Und so berichtete Nike Steiger in ihren ersten Videos und Blog-Berichten, dass an der Reinke Super 10 eigentlich nichts super war. Vermodertes und verschimmeltes Interieur, ein Motor, der nur komatös röchelte.

Doch Nike jammerte nicht vor sich hin… sondern handelte! Zunächst taufte sie das Boot „Karl“ und dachte dabei an die etymologische Herkunft dieses Namens – Freund, Mann, Ehemann, aber auch “der Freie”.

Dann machte sie sich an die Arbeit. Alles detailliert auf Blog und Videos dokumentiert, schonungs- und gnadenlos ehrlich.

 

Sympathieträgerin für die Cruising-Szene

Und genau das macht die junge Norddeutsche zum Sympathieträger der klassischen Langfahrtsegler-Szene, die finanziell schwach gepolstert ist, dafür offenbar viel Zeit und noch mehr Lust am Leben hat – auch wenn dasselbe beim Spachteln, Streichen und Reparieren manchmal allzu lange ins Stocken gerät.

Kürzlich segelte (ja, tatsächlich: segelte!) Nike Steiger auf „Karl“ von den San Blas Islands vor Kolumbien 250 Seemeilen in Richtung Nordwest zur San Andres-Insel, die vor Nicaragua liegt. Ihr bisher längster Einhand-Trip war ausnahmsweise nicht von Bastel-Orgien und kleinen Katastrophen geprägt. „Ich fühlte mich ein kleines bisschen wie eine richtige Einhand-Seglerin!“ sagt sie in ihrem Video. „Es tut gut, dass ich „Karl“ mehr und mehr vertrauen kann!“ fügt sie auf ihrem Blog hinzu.

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Kann es ein schöneres Gefühl geben, als nach endlosen Arbeiten am Schiff endlich zu segeln? © steiger

Wir wissen nicht, was aus ihrem ursprünglichen Reiseplan werden wird. Eigentlich wollte Nike nach Polynesien, Hawaii, Alaska, Kanada (auf dem Hänger) bis zu den Großen Seen, von dort in den Atlantik und rüber nach Hamburg. Irgendwann mal, schließlich hat sie ja Zeit.

Aber vielleicht sind solche mittel- bis langfristigen Planungen ja schon längst Nebensache geworden. Schließlich hat sie auf ihre ganz persönliche Weise schon viele White Spots (unerforschte Gebiete) erkundet. Zwar (noch) nicht in natura, aber wohl in ihrem Herzen. Denn wer sich als Autodidaktin in solch ein Projekt stürzt, wird vieles bei sich entdecken, was frau vorher bei sich so niemals vermutet hätte.

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