Legendäres Schiffswrack entdeckt: Shackletons Endurance erstaunlich gut erhalten

Die anspruchsvollste Schiffswracksuche der Welt

Nach mehr als 100 Jahren entdeckte ein Expeditionsteam im März 2022 das Wrack der im November 1915 gesunkenen Endurance in 3.008 Meter Tiefe. Das Schiff von Sir Ernest Shackleton sank seinerzeit im Zuge einer ehrgeizigen Expedition, die heute als erfolgreicher Fehlschlag gilt.

 

„Um 16 Uhr erreichte der Angriff des Eises seinen Höhepunkt. Das Schiff wurde vom Druck achtern hochgehoben, und die treibende Eisscholle, die sich seitlich über den Bug schob, zerquetschte das Ruder und riss Ruder- und Achtersteven weg. (…) Die Decks brachen nach oben auf und das Wasser strömte herein. (…) Es war ein elendes Gefühl, zu spüren, wie einem die Decks unter den Füßen wegbrachen und die mächtigen Balken sich bogen, um schließlich mit dem Getöse schwerer Artillerie zu zersplittern. (…) Die Naturgewalten löschten das Schiff mit der Gewalt von Millionen Tonnen in Bewegung geratenen Eises hinter sich förmlich aus“, notierte Ernest Shackleton in seinem Tagebuch, nachdem das Schiff aufgegeben werden musste. „Nie hatte ein Stück soliderer, besserer Schiffsbaukunst eine Werft verlassen“, beschreibt Shackleton das Schiff, das für ihn mehr als nur ein schwimmendes zuhause war, denn im Schiff steckten auch sein ganzer Ehrgeiz, seine Hoffnungen und Wünsche.

Die Endurance versinkt 1915 im Es Photo12/UIG/Getty Images

Als die Endurance am 21. November 1915 in den eisigen Fluten des Weddellmeeres an der antarktischen Küste sank, konnte sich wohl niemand vorstellen, dass das „tapfere, kleine Schiff“ jemals wieder ein Mensch zu Gesicht bekommen würde. Eine Besonderheit der Geschichte der Endurance ist nicht nur die schriftliche Überlieferung ihres Untergangs, sondern auch zahlreiche Fotografien, die der Expeditionsfotograf Frank Hurley anfertigte.

Das Weddellmeer ist ein lebensfeindlicher Ort, fast ganzjährig mit Packeis bedeckt und doch hat sich eine Expeditionsgruppe namens „Endurance22“ des Falklands Maritime Heritage Trust ganz der Suche nach einem der bekanntesten Wracks des „Heroic Age“ verschrieben.

Eisbrecher und Forschungsschiff: Agulhas II in der Antarktis. Bild: falklands-maritime-heritage-trust-and-saunders-carmichael-brown

John Shears(l), Mensun Bound, Nico Vincent vor den Bildschirmen mit Sonar- und Kamerabildern des Wracks. Bild: Esther Horvath

Am 5. Februar 2022 lief der südafrikanische Eisbrecher SA Agulhas II in Kapstadt, Südafrika, aus, um das Wrack im Weddellmeer mithilfe des Tauchroboters „Sabertooth“ der Firma Saab zu finden. Dass die Expedition so schnell fündig wurde, grenzt an ein Wunder. Denn schon im März 2022 zeichneten sich die Umrisse eines Schiffes auf dem Sonar und kurze Zeit später schälte sich das Heck der Endurance aus der Dunkelheit auf die Bildschirme.

Das Logbuch

Die Suche nach der Position wurde sehr akribisch vorbereitet. Bild: falklands-maritime-heritage-trust-and-nick-birtwistle

Nach Aussage des Director of Exploration Menson Bound war das alte Logbuch der Endurance des Kapitäns Frank Worsley ein entscheidender Faktor

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Kai Köckeritz

Leidenschaftlicher Fahrtensegler und Chefredakteur des Magazins segeln. Er ist viel in Holland unterwegs, aber auch in den Revieren des Südens. Lange Schläge sind eher seins als kurze Up&Downs auf der Regattabahn.

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