Leine im Propeller: Segler taucht und ertrinkt – Warum war er splitterfasernackt?

Tragödie aufgeklärt

Alkohol auf dem Wasser – ein no go! © DigiPD/pixabay

Ein Tampen verheddert sich in der Schiffsschraube. Der Skipper will das Malheur beheben und ertrinkt. Ein tragischer Unfall, für den keiner was kann? Oder zum Teil selbst verschuldet?

„Alkohol am Ruder“ ist eines dieser Themen, die seit jeher kontrovers diskutiert werden. Von vielen noch als eine Art Kavaliersdelikt oder als „seemännische Tradition“ betrachtet (Sundowner-Sherry oder steifer Grog bei steifer Brise), ist der Mehrheit unter Skippern und Crews mittlerweile bekannt, dass übermäßiger Alkoholkonsum an Bord genau wie beim Autofahren eine Gefahr für sich und andere darstellt. 

Dabei gibt es die unterschiedlichsten Auslegungen der Gesetzeslage. In Deutschland gilt für Führer eines Bootes die allgemein im Verkehr bekannte 0,5 Promille-Grenze, die übrigens auch recht häufig von den Behörden auf dem Wasser kontrolliert wird. Überhaupt gelten in den meisten europäischen Ländern für Wassersport-Bootsführer die gleichen Promille-Grenzen wie für Autofahrer. Stellt sich nur die Frage, wie rigoros die Alkoholwerte bei Personen auf Wasserfahrzeugen unter Segeln und Motor überhaupt überprüft werden. 

Leichtsinnig in Gefahr gebracht

Spricht man von den Gefahren, die durch Alkoholeinfluss beim Segeln oder Motorbootfahren auftreten können, wird meist (und statistisch betrachtet auch zu Recht) von Unfällen wie etwa Kollisionen berichtet, bei denen beim Unfallgegner oder beim Verursacher Schäden am Boot, aber eben auch an Leib und Leben der beteiligten Personen zu beklagen sind.

Durch Unvorsichtigkeit und Gleichgewichtsverlust nach Alkoholkonsum sind schon oft genug Segler über Bord gefallen oder haben sich – ebenfalls „gelockert“ vom Alkohol – leichtsinnig in Gefahrensituationen gebracht. 

Die Egoist wird zurück ins Wasser gezogen © coastguard

Ein kurioser Fall mit tragischem Ausgang wurde nun in Großbritannien nach einer Untersuchung durch die Behörden abgeschlossen. Das Ergebnis mag lapidar erscheinen, zeigt aber auch, was unter Alkoholeinfluss passieren kann. 

David M. (43) verließ am Morgen des 12. Juni vergangenen Jahres alleine auf seiner Yacht „Egoist“ die Marina des kleinen englischen Hafenorts Watchet am „Kanal von Bristol“.  Noch am selben Tag wurde er beobachtet, wie er wohl bei ungünstiger Tide unweit der Hafeneinfahrt ankerte, um offenbar die Flut für die Rückkehr zum Hafen abzuwarten. Die Tidenströmungen sind in dieser Region besonders stark. 

Zwei Tage später wurde die „Egoist“ auf einen nahegelegenen Strand bei „Burnham on Beach“ gespült. Das Ankergeschirr hing noch am Boot, offenbar hatte der Anker nicht richtig gehalten, slippte und das Boot trieb ab. Von David M. fehlt jede Spur. 

Guter Segler, mit dem Revier vertraut

Die örtliche Polizei machte sich sofort auf die Suche nach dem Segler, der übrigens in der Gegend als „überaus versierter Seemann“ und „mit den lokalen Begebenheiten auf See sehr vertraut“ bekannt gewesen sei. Sein Yacht war bei fast jedem Wind und Wetter segelnd vor den Küsten zu beobachten gewesen. U.a. wurde vermutet, dass David unter Schock oder etwa unter Einfluss einer Kopfverletzung ohne Erinnerungsvermögen umherirrte. 

Doch die Suche nach dem Segler blieb zunächst erfolglos. Zwei Wochen, nachdem die Yacht gestrandet war, fand ein Wanderer Davids Leiche in Südwales zwischen Felsen treibend in der Nähe von Dunraven Bay – nackt, nur mit einer „engen Schwimmweste“ bekleidet. 

Gestrandet – doch wo ist der Skipper? © coastguard

Nackt? Eine Schwimmweste, die eher an eine Auftriebshilfe für Jollensegler erinnerte? Das kam den örtlichen Behörden dann doch seltsam vor und die Wasserschutzpolizei wurde in den Fall involviert. Die untersuchte wiederum ein Detail, das von der Seenotrettung bemerkt worden war: In die Schiffsschraube der „Egoist“ hatte sich wohl ein Tampen gewickelt. An dem eindeutig Spuren zu erkennen gewesen waren, dass jemand mit einem Messer daran geschnitten hatte, um die Schraube zu befreien. 

Logische Schlussfolgerung: „Die „Egoist“ war an besagtem 12.Juni nicht wegen der Tide vor Anker gelegen, sondern wegen eines funktionsunfähigen Motors. Und David M. ertrank ganz offensichtlich bei dem Versuch, die Leine von der Schiffsschraube abzuschneiden. Sein Körper wurde vom Tidenstrom mitgerissen, später trieb die Yacht ab. 

Übermütig zu tief ins Glas geschaut

Doch warum war der Mann splitterfasernackt? Das wiederum interessierte die Polizei an Land und  eröffnete ihrerseits nochmals Ermittlungen.  Beim Befragen von Stegnachbarn der „Egoist“ in der Marina von Watchet entstand schließlich ein Bild von David M. – und somit weitere Gründe, die zu seinem Tod geführt haben könnten. 

Ja, David sei ein klasse Segler und versierter Navigator gewesen, der auch noch einiges von der Technik an Bord verstand, berichteten die Segler bei den Befragungen. Aber er habe eben auch eine Schwäche gehabt: Alkohol. Bei Festen im Club habe er grundsätzlich zu tief ins Glas geschaut, er sei dann auch immer durch einen fast schon kindlichen Übermut aufgefallen, des öfteren habe man ihn beobachtet, wie er ziemlich angeschickert von See in den Hafen fuhr.

Und sogar morgens sei er manchmal mit Schlagseite über den Steg gewankt, habe sein Boot losgemacht und sei davon geschippert. Wohl um draußen seinen Rausch auszuschlafen. Zudem habe man David oft dabei gesehen, wie er stundenlang im Hafen geschwommen sei. Manchmal kraulte er nackt hinaus in Richtung offenes Meer . 

Ein Szenario, wie es sich auch am Morgen des 12. Juni abspielte. Zwei Stegnachbarn berichteten, dass David damals „ordentlich einen im Tee“ hatte, als er ablegte. Kurz nach dem Ausparken, rammte er mit seiner „Egoist“ wohl ein kleineres Boot, das am gegenüberliegenden Steg lag. Als sei nichts passiert, legte er den Rückwärtsgang ein und fuhr mit Vollgas aus dem Hafen. Die beiden Segler brüllten ihm empört hinterher, doch David drehte sich noch nicht einmal mehr um. 

Teilnahmslos fuhr er in einen Segeltag hinein, an dem ihm ganz offensichtlich das immer wieder gepriesene „Glück der Betrunkenen“ überhaupt nicht hold war. 

Tipp: André Mayer

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