Luftentfeuchter: Wie es im Boot trocken bleibt – Abhilfe gegen Schimmel

In trockenen Tüchern

Im Winter lauert der Hauptfeind des Bootes in der Luft. Die Feuchtigkeit kann unter Deck Schäden anrichten und die Gesund­heit gefährden. So bleibt es im Boot trocken.

Nicht alle Boote sind komplett mit einer Winterplane verdeckt © Anton Shakirov, Unsplash

Ein Boot im Winterlager gehört wahrscheinlich zu den trostlosesten Anblicken, die ein Segler kennt. Die Polster hochkant aufgestellt, alles ausgeräumt und nahezu nackt. Wenn im Frühjahr dann das erste Mal wieder das Schott des Niedergangs geöffnet wird, bietet sich oft noch ein unerfreulicheres Bild. Die feine, weiße Schicht, die das Holz überzieht, dämpft die Freude auf die nächste Saison vorerst. Noch schlimmer wird es, wenn der pelzige Belag einem auch entgegenspringt, wenn die Schapps und Schranktüren geöffnet werden. Denn gerade dort gedeiht der Schimmel am liebsten: an Orten mit kaum zirkulierender Luft.

Fast jeder Eigner, dessen Boot im Winter nicht in einer beheizten Halle steht, hat mit Feuchtigkeit im Boot zu kämpfen. Gerade die Rückstände salzhaltiger Luft an der Küste zieht die Feuchtigkeit auch im Winter nahezu magnetisch an – eine Eigenschaft, die auch Entfeuchter nutzen. Die feuchte Luft führt nicht allein zu Schimmelbildung, sondern kann auch elektrische Kontakte in Mitleidenschaft ziehen. Sie können nahezu unbemerkt korrodieren, sodass die Instrumente womöglich ohne Vorwarnung ausfallen können. Um die Elektronik und vor allem die Gesundheit zu schonen, sollte die Feuchtigkeit in der Luft unbedingt minimiert werden. Verschiedene Entfeuchtertypen helfen dabei, die Luftfeuchtigkeit im Inneren auf einem niedrigen Level zu halten.

Zwei Glaubensrichtungen

Ob und wie viel Feuchtigkeit sich unter Deck sammelt, hängt von zahlreichen Faktoren ab. In einer beheizten Halle gibt es in der Regel weniger Probleme als in einem Außenlager. Auch in der unbeheizten Halle bleibt es im Schiff meist noch trocken. Im Winterlager, unter freiem Himmel, beginnt es schon kompliziert zu werden. Eine dicke Winterplane, die passgenau das Boot und Teile des Rumpfes umschließt, schützt das Boot sehr gut vor der Witterung. Auf anderen Booten decken Planen große Teile des Decks ab, aber der Wind kann ungehindert über das Deck fegen. Manche Eigner bauen ihre alte Kuchenbude auf, um wenigstens das Cockpit zu schützen.

Alle Herangehensweisen haben ihre Berechtigung, und nahezu alle Boote überstehen den Winter ohne Schäden. Doch bei der Feuchtigkeit unter Deck diskutieren zwei Gruppen darüber, was die beste Möglichkeit sei, um Schimmel auf dem Holz und sparkige Polster zu verhindern. Die eine Gruppe verrammelt das Boot nahezu hermetisch und stellt unter Deck zahlreiche Entfeuchter auf, während die zweite Gruppe – meist mit großer Plane – dafür plädiert, eine ständige Zwangsbelüftung unter Deck zu erreichen. So viel Luken wie möglich bleiben einen Spalt weit offen, sodass die Luft unter Deck zirkulieren kann und ausgetauscht wird. Ähnlich wie das Stoßlüften im Winter, um die Feuchtigkeit aus dem Haus oder der Wohnung zu bekommen.

Bei zu viel Wasser helfen auch Entfeuchter nichts. Ohne kann sich aber tatsächlich Wasser in der Bilge sammeln © Kai Köckeritz

Milde Winter bringen Feuchtigkeit mit

Die Luft beziehungsweise die Atmosphäre der Erde besteht aus einem Gemisch verschiedener Gase. Neben Stick- und Sauerstoff als größte Gruppe gehört auch Wasserdampf dzu. Grundsätzlich gilt hier, dass warme Luft mehr Feuchtigkeit als kalte Luft aufnehmen kann. Der Sättigungsgrad kann in Abhängigkeit von Luftdruck und –Temperatur relativ genau bestimmt werden. Bei 30 Grad Celsius können in einem Kubikmeter Luft bis zu circa 30 Gramm Wasser gebunden sein, bei zehn Grad Celsius noch beinahe zehn Gramm.

Die milden Winter mit viel Niederschlag brachten in den letzten Jahren daher auch viel Feuchtigkeit mit. In wirklich knackig kalten Wintern liegt die relative Feuchte der Luft so niedrig, dass sich kaum Schimmel im Schiff bilden kann. So gelangt die meiste Feuchtigkeit auch nicht im tiefsten Winter in das Boot, sondern eher in Herbst und Frühjahr, wenn warme Luft viel Feuchtigkeit mit sich führt. Deutlich wird es zum Beispiel, wenn im Herbst warme Seeluft mit hohem Feuchtigkeitsanteil über den kalten Boden an der Küste zieht. Die Luft kühlt ab, und die gebundene Feuchtigkeit wird in Form von (Boden-)Nebel ‚abgegeben’.

Etwas ähnliches geschieht während des Winters auch an Bord. Da die Boote in der Regel im Winterlager nicht beheizt werden, kühlen sie aus. Die wärmere, feuchte Luft beginnt dann an den Oberflächen zu kondensieren und bildet den Nährboden für Schimmelpilze, die bei niedrigen Temperaturen ohne weiteres überleben können. Gerade an Stellen, an denen die Luft nicht zirkuliert, bleibt die Feuchtigkeit stehen.

Zwar gäbe es die Möglichkeit, das Boot im Winter entsprechend zu heizen, um zu verhindern, dass die Luftfeuchtigkeit an den Oberflächen kondensiert, doch der Energieaufwand liegt bei Weitem zu hoch. So ergibt sich für den Eigner nur die Möglichkeit, die Feuchtigkeit aus der Luft zu ‚filtern’ und für einen möglichst großen Luftaustausch zu sorgen. Doch hier liegt das Problem. Wenn immer wieder frische Luft in das Innere des Bootes strömt, bringt sie auch jedes Mal wieder Feuchtigkeit mit. Die Luftentfeuchter kommen dann eventuell nicht mehr mit. So kann es auch vorkommen, dass das Wasser an der kalten Rumpfschale kondensiert und in die Bilge fließt. Durch die stehende Feuchtigkeit in der Bilge bleibt auch die Luftfeuchtigkeit weiterhin hoch, sodass der Schimmel sich ausbreiten kann.

Tonerde wird nur noch selten zum Entfeuchten verwendet ©  Kai Köckeritz

Wer in den letzten Jahren im Frühjahr immer viel Wasser im Boot hatte und über den Winter Fenster und Luken einen Spaltbreit offen ließ, sollte eventuell das Gegenteil versuchen. Alle Fenster, Luken und den Niedergang geschlossen halten, um zu verhindern, dass zu viel neue Feuchtigkeit mit der Luft in das Innere gelangt. Die Zwangsbelüftung der meisten Boote reicht dann zumeist aus, um die Luft etwas zu bewegen. Die meisten Solarlüfter lassen sich wahlweise auf be- oder entlüften stellen. In der Entlüftungseinstellung saugt der Lüfter aus dem Schiff, während frische Luft durch die restlichen Zwangslüfter nachströmt. So lässt sich ein gut dosierter Luftdurchsatz generieren, mit dem die Entfeuchter zurechtkommen sollten.

Bei der Menge der aufgestellten Entfeuchter gilt: ‚Viel hilft viel‘. Ein Grundsatz, den man in diesem Fall befolgen sollte. Sie sollten im Schiff verteilt werden, sodass in jedem abgetrennten Raum mindestens ein Entfeuchter arbeiten kann. Schrank- und Schapptüren sollten mindestens einen Spalt weit offen stehen. Große Stauräume sollten zusätzlich mit einem kleinen Entfeuchter bestückt werden. Mit dieser Konstellation aus etwas Zwangsbelüftung und viel Entfeuchtern sollte Spark, Muff und Schimmel kein Problem mehr darstellen.


So geht`s: Verschiedene Entfeuchterarten

Granulat

In den meisten Entfeuchtern wird ein Granulat eingesetzt, das hygroskopische Eigenschaften besitzt. In der Regel wird Calciumchlorid verwendet. Dieses Salz bindet die Feuchtigkeit aus der Luft. Ähnlich wie ein Schwamm, der in einen Eimer gelegt wird. Allerdings mit dem Unterschied, dass die Feuchtigkeit nicht im Granulat (Schwamm) gebunden wird, sondern als ‚Hydrat-Komplex’ in Form einer leicht eingedickten Flüssigkeit. Die Flüssigkeit tropft in einen darunterliegenden Auffangbehälter. Das Salz wird dabei verbraucht und muss nachgefüllt werden, wenn es sich komplett verbraucht hat. Ein Kilogramm des Granulats kann circa vier Liter Wasser binden. Da das Raumvolumen an Bord im Vergleich zu Kellerräumen beispielsweise eher klein ausfällt, reichen bereits einige dieser Entfeuchter aus, um zuverlässig zu Entfeuchten. Der aufgewirbelte Staub des Granulats kann Reizungen der Schleimhaut verursachen.

Adsorber

©  Kai Köckeritz

Adsorber sind ebenfalls stark hygroskopisch, binden die Flüssigkeit aber in sich selber. Bekanntester Vertreter ist das Kieselgel. Unter dem Namen Silicagel liegt es in kleinen Packungen beinahe jedem elektronischen Gerät bei, um es vor Feuchtigkeit zu schützen. Es besteht aus Siliciumdioxid und besitzt eine große innere Oberfläche, die für die Eigenschaften der kleinen Kügelchen verantwortlich ist. Es kann etwa ein Drittel des Eigengewichts an Wasser aufnehmen und ist sogar regenerierbar. Um erkennen zu können, wann die Kugeln gesättigt sind, besitzen sie einen Farbindikator. In trockenem Zustand sind sie orange. Je mehr Wasser sie aufnehmen, desto blasser werden sie. Nach einigen Stunden im Backofen bei circa 130 Grad werden sie wieder orange und können erneut zum Entfeuchten verwendet werden. Der große Vorteil gegenüber Granulat liegt in der Regenerierbarkeit und dem Binden der Feuchtigkeit im Material selbst. Allerdings sind die Anschaffungskosten etwas höher, da mehr Material im Boot ausgebracht werden muss. Zum Ausbringen eignen sich kleine Baumwollsäcke oder auch einfach Socken, die gefüllt und zugeknotet werden. Für eine ausreichende Leistung werden circa zehn Kilogramm benötigt, die gleichmäßig im Schiff verteilt werden. Beinahe alle ‚Drybags’ verwenden Silicagel.

Indikatorfarbe: Orange ist regeneriert, weiß ist gesättigt und muss getrocknet werden © Kai Köckeritz

Elektrische Entfeuchter

Die elektrischen Geräte werden grob in zwei Klassen unterteilt: Kondensator- und Adsorpionsgeräte. Bei den Kondensatoren läuft ein kleiner Kompressor mit einem Kühlmittel. Die Luft wird angesaugt, trifft auf die sehr kalte Verdampferplatte und kühlt schlagartig ab. Die Feuchtigkeit kondensiert und läuft in den Auffangtank. So wird eine sehr hohe Leistung von mehreren Litern pro Tag erreicht. Mit sinkender Außentemperatur nimmt die Leistung sehr stark ab. Adsorptionsgeräte arbeiten mit hygroskopischen Mitteln, die Feuchtigkeit entziehen. Die Luft wird über einen Ventilator angesogen und über die Adsorber geführt, die die Feuchtigkeit aufnehmen. Allerdings benötigen die Geräte sehr viel Strom, Adsorber noch etwas mehr als Kondensatoren. Wer sein Boot über den Winter im Wasser lässt und einen elektrischen Entfeuchter betreibt, sollte klären, wie im Winter der Strom abgerechnet wird. Viele Betreiber rechnen im Winter oft nach Zähluhr ab. Der fällige Betrag bei einem ständig laufenden Entfeuchter erreicht da schnell astronomische Höhen.


So geht`s: Abhilfe gegen Schimmel

Ozongeneratoren erzeugen mit Ozon ein Gas, das Gerüche beseitigt und Schimmel abtötet © Kai Köckeritz

Wenn sich zu viel Feuchtigkeit im Schiff abgesetzt hat und der Schimmelbefall schon deutlich zu sehen ist, müssen alle Flächen penibel gereinigt werden. Ansonsten kann sich der Schimmel stark auf die Gesundheit auswirken. Die Symptome sind dabei sehr vielfältig. Am häufigsten wirkt sich der Schimmel auf die Atemwege aus, da die Pilzsporen eingeatmet werden. Als Haushaltsmittel zum Entfernen eignet sich Essig, das die Pilzsporen abtötet. Im Handel erhältliche Desinfektionsmittel bei Schimmelbefall setzen auf einen Chemiecocktail aus Chlordioxid, Wasserstoffperoxid oder Natriumhypochlorit, die am starken Schwimmbadgeruch zu erkennen sind. Bei der Verwendung sollten Handschuhe getragen werden und der Innenraum zudem gut durchlüftet sein. Da die Chemiekeule auch bleichende Eigenschaften besitzt, sollte vorher an unauffälliger Stelle getestet werden, ob die Oberfläche keinen Schaden nimmt.

Kommt der Schimmel allerdings auch während der Saison regelmäßig vor, hilft die oberflächliche Reinigung nicht mehr aus. Das Pilzgeflecht sitzt dann teilweise tiefer im Material (Holz), sodass der Pilz mit einer anderen Verfahrensweise entfernt werden muss. Aus der Gebäudereinigung und Fahrzeugaufbereitung stammt ein Verfahren, das mit Ozongeneratoren arbeitet. Ozon ist ein natürliches Gas, das die Eigenschaft besitzt, Gerüche zu neutralisieren und Bakterien und Schimmel abzutöten. Da sich Gas gleichmäßig ausbreitet, kommt es auch in ansonsten nicht zu erreichende Spalten. Nach einer Ozonbehandlung ist das Schiff keimfrei und alle schlechten Gerüche beseitigt. Der andere große Vorteil des Ozons ist, dass es nach einer halben Stunde zu Sauerstoff zerfällt, sodass keine reizenden Rückstände im Schiff verbleiben. Eine Ozonbehandlung wird von Fachbetrieben durchgeführt. Die Kosten hängen von der größe und Verschmutzung des Boots ab.

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