Luvkenterung: Gennaker oder Spi? – Sun Fast 3300 schmiert im Vollglitsch ab

Über das Limit hinaus

Eine Sequenz aus den schon fast vergangen geglaubten Spinnaker-Zeiten. Die Sun Fast 3300 krängt auf dem Vorwindkurs weit nach Luv, läuft aus dem Ruder und dreht in die Patenthalse. So will der Einhand-Skipper über den Atlantik?

Der Moment, wenn die Luvkenterung auf der Sun Fast 3300 nicht mehr zu verhindern ist. © Alex Ozon

Die Sun Fast 3300 von Jeanneau ist eine der spannendsten Neuerscheinungen der vergangenen Jahre auf dem Markt des Shorthand-Segelns. Der Franzose Alex Ozon segelt seit dem Frühjahr 2019 die Baunummer 1, testet die Limits aus und bereitet sich jetzt auf eine Atlantik-Überquerung vor.

Dabei scheut er sich nicht bei exakt 42.4 Knoten Wind, seine “Sapristi” beim Training auf dem Atlantik unter Spinnaker an die Grenze zu bringen…und darüber hinaus:

Das Schiff schmiert im Vollglitsch klassisch nach Luv ab, als es in einer Böe erst nach Lee krängt, mit dem Bug ins Wasser drückt, abstoppt und schließlich durch den Überdruck im Spi aus dem Gleichgewicht kommt.

Der Einhand-Skipper hängt im eiskalten Wasser, die Rettungsweste bläst sich auf und er kommentiert, dass er froh war, nicht angeleint gewesen zu sein. Er glaubt, dadurch in seiner Reaktion auf so eine Kenterung – beim Berappeln und Aufräumen – behindert zu sein.

Der lange Schlag über den Atlantik

Erstaunlich, dass Ozon überhaupt unter Spi segelt. Die Sun Fast 3300 ist eigentlich mit einem Bugspriet ausgerüstet und gerade für das Shorthand-Segeln macht ein asymmetrischer Gennaker beim Handling eigentlich mehr Sinn, wie im Promo Video zu sehen.

Die Sun Fast 3300 ist mit einem Bugspriet ausgerüstet und setzt auch asymmetrische Segel. © Jeanneau

Aber Ozon bereitet sich auf den langen Schlag über den Atlantik vor. Dabei scheint der Spinnaker eine Option zu sein, wenn es gilt, auf langen Vorwindkursen maximale Tiefe zu steuern. Der Franzose hat sich auf die für den 18. April geplante Cap-Martinique von La Trinite sur Mer nach Port de France in der Karibik vorbereitet.

25 Solo-Segler und 30 Duos sind gemeldet. Die Teilnehmer setzen sich aus überwiegend französischen Amateur-Skippern zusammen mit Yachten zwischen 8.50 und 12.00 Metern Länge. Zwölf verschiedene Bootstypen kommen zum Einsatz, darunter insbesondere die Modelle der Werft JPK, viele Figaro 2 Beneteaus aber auch vier neue Sun Fast 3300. Die Regatta wird entsprechend der IRC Handicap-Regel gewertet.

Allerdings wurde das Rennen aktuell wegen der Corona-Pandemie auf 2022 (Start 1. Mai) verschoben. Ersatz soll die am 3. Juni von La Rochelle aus startende CAP-45/11 Regatta liefern, die schließlich in die größte Amateur-Atlantik-Regatta Transquadra mündet. Deren Start war aus dem selben Grund von 2020 auf 21 verschoben worden. Start ist nun am 19. August. 97 Boote sind gemeldet.

Die Sun Fast Yachten haben schon im vergangenen Jahr einen starken Eindruck insbesondere in Frankreich hinterlassen. Bei der UNCL-Doublehand IRC Saisonrangliste 2020 belegten sie die ersten drei Plätze (Ergebnisse). Alex Ozon gewann die letzten beiden Regatten und in der Gesamtwertung. Er weiß also, was er tut.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

Ein Kommentar „Luvkenterung: Gennaker oder Spi? – Sun Fast 3300 schmiert im Vollglitsch ab“

  1. avatar Olli sagt:

    Symmetrische Spis sind meist eine Folge von Ratingüberlegungen. In IRC ist so ein Anachronismussegel eine gute Idee.

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