Reservistenkameradschaft? Klingt angsteinflößend.

Marine-Segelkutter gekentert

Marinekutter unter Segeln bei der Kieler Woche. © KäptnK

Von Carsten Kemmling

Marinekutter sind mir unsympathisch seit ich die Plastik-Teile bei der Marine-Grundausbildung auf Borkum per Riemen beschleunigen musste. Es ist mir schleierhaft, wie man auf die Idee kommen kann, mit diesen unförmigen, schweren Booten zu segeln. Aber sie tun es jedes Jahr bei der Kieler Woche. Nun ist in der Kieler Förde ein Kutter mit zehn Personen an Bord gekentert.

Spiegel online und die Kieler Nachrichten berichten darüber. Alle Menschen wurden aus dem Wasser gefischt. Sie gehörten zur Reservistenkameradschaft Kiel. Eine Fallböe soll Schuld gewesen sein. Nächstes Mal nehmen sie sich besser ein Segelboot zum Segeln statt ein Ruderboot.

Was ist überhaupt eine Reservistenkameradschaft? Klingt irgendwie angsteinflößend. Die Kameradschaften sind im Verband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr organisiert. “Der vertritt die freiheitliche demokratische Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland und erfüllt einen parlamentarischen Auftrag”, heißt es auf der Website.

“Im Mittelpunkt stehen die Mittlerrolle zwischen Bundeswehr und Gesellschaft, deren sicherheitspolitische Bewusstseinsbildung und die Aus- und Weiterbildung militärischer Fähigkeiten.”

Hört sich so an, als würde hier gesegelt, um militärische Fähigkeiten aus- und weiterzubilden. Auch das klingt schaurig. Besonders für wohl das einzige ex Marine-Sportfördergruppen-Mitglied, das jemals zu einer Reserveübung eingezogen werden sollte. Ich wehrte mich damals mit Händen und Füßen gegen einen Einzug ins Aus- und Weiterbildungs-Camp. Gott sei Dank mit Erfolg. Denn ich dachte, auf die Einführung in die Kunst des Marinekuttersegelns verzichten zu können.

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Carsten Kemmling

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5 Kommentare zu „Reservistenkameradschaft? Klingt angsteinflößend.“

  1. avatar Backe sagt:

    Ha! Angsteinflößend… Genau das richtige Wort, das ich mit meiner Marinezeit assoziiere!
    Angst z.B. vor dem Oberstabsarzt, der mich viermal in den sportlich durchtrainierten Arm stechen musste, eher er eine Vene fand – und der fünf Minuten später ein fünftes Mal stechen musste, weil er vergessen hatte, den Deckel auf die Zentrifuge zu legen!
    Angst auch vor dem leicht braun angehauchten Schnellbootkommandanten, der uns 1987 tatsächlich noch einzureden versuchte, es gäbe keinen “ratifizierten Frieden” in Mitteleuropa – und deswegen könne der böse Feind jede Minute um die Ecke in die Förde kommen!
    Angst auch vor den Unteroffizieren, die einen erst 17-jährigen Funkmatrosen mit allerlei Zollfreiem zwangs-abfüllten, derart, dass er später bewusstlos mit eine präfinalen Alkoholvergiftung aufgefunden wurde, nur kurz bevor er erstickt wäre an seinem eigenen ekeligen… na ja, lassen wir’s gut sein.
    Es gab eine Menge angsteinflößender Momente! Ein Wunder, dass ich noch lebe! ;.)
    Backe

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  2. avatar Backe sagt:

    P.S.: Gut, dass der Wehrdienst endlich abgeschafft wird! Das war vertane Zeit!
    Wenn ich Zivi gemacht hätte, könnte ich heute wenigstens gescheit erste Hilfe leisten, wenn ich ein paar unterkühlte Reservistenkameradschaftler aus dem Wasser zu ziehen hätte!

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  3. avatar Rainer sagt:

    Die Kutter aus Plastik sind auch wirklich echte Badewannen.
    Ich habe noch den aus Holz gesegelt – mit der richtigen Crew hat das Riesenspaß gemacht!

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  4. avatar Andreas Ju. sagt:

    Das ganze geschah laut Kieler Nachrichten in der Heikendorfer Bucht. Das ist in der Kieler Förde und da ist im Umkreis von 20 Kilometern kein einziger Hügel. Ich habe da im Alter zwischen 6 und 16 Jahren durchschnittlich etwa jeden zweiten Tag gesegelt. Macht irgendwas um die 1.500-1.8000 Segeltage. Und nicht ein einziges Mal sowas wie eine Fallböe erlebt. Scheiß Klimawandel 😉

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  5. avatar sailor sagt:

    Guten Abend,

    wenn man den Artikel langsam mehrmals liest und sich mal die Worte und Formulierungen genauer betrachtet,
    dann muss man folglich zu dem Schluß kommen, dass entweder aus fachlichen oder aufgrund der Qualität der
    Artikel, ein Wechsel von der Yacht woanders hin, notwendig war.

    Außerdem hat die inhaltliche Qualität der Artikel in der Yacht, schon seit einigen Jahren abgenommen. Dies auch immer wieder ein beliebtes Thema unter den Seglern. Warum, kann man anhand des Artikels deutlich erkennen.

    Denn eine Stellungnahme oder Kommentierung des Vorfalls, wäre nur bei genauer Recherche angebracht.

    Scheinbar is der Redakteur sehr oberflächlich oder naive. Denn dies Boote haben – wenn auch nicht aus Kunststoff – eine lange Tradition! Schon die ersten Retter der DGzRS bedienten sich solcher Boote, um die ersten Menschen aus Seenot an den Küsten zu retten. Unzählige Rettungsboote – mit Kutterbetacklung – haben Menschen aus Seenot gerettet. Das sie dabei ihre positiven Eigenschaften selbst bei schwerer See auf dem Atlantik gezeigt haben, lässt sich in den Berichten der Geretteten lesen.

    Fakt ist auch, dass solche Hobbysegler und Besserwisser – wie z. B. der Author – erst mal selber beweisen müssen, ob sie in so einer Situation richtig handeln und einen kühlen Kopf bewahren.

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