Masterplan Freizeitschifffahrt: Minister Scheuer stellt Pläne vor – Ökologie wird wichtiger

"Boom beim Wassersport"

Andreas Scheuer, Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur stellte in Berlin bei einer Online-Veranstaltung den neuen Masterpan Freizeitschifffahrt vor. Dort wird geklärt, wie die Infrastruktur verbessert werden kann, während gleichzeitig die Umwelt geschützt wird.

Die Schlei ist immer noch eine Bundeswasserstraße. © penofoto / shutterstock

In Deutschland gibt es ein umfangreiches Netz an Bundeswasserstraßen. Während Nord-Ostsee-Kanal, Elbe, Donau oder Rhein in erster Linie dem Güterverkehr dienen, steht bei einem Gros der Binnenwasserstraßen die Freizeitnutzung im Vordergrund. Das Potenzial ist groß: Insgesamt summieren sich die Binnenwasserstraßen auf rund 7.300 Kilometer Länge – das entspricht in etwa der Entfernung zwischen Berlin und Peking. Hinzu kommen weitverzweigte Nebenflüsse und unzählige Seen. Die Zahl der Freizeitboote steigt seit Jahren kontinuierlich.

Der Masterplan Freizeitschifffahrt soll Freizeitbedürfnisse und Ökologie miteinander verzahnen, um die Wasserwege mit modernen Konzepten noch attraktiver und nachhaltiger zu machen. Grundlage ist ein intensiver Dialog zwischen Bund, Ländern, Kommunen, Verbänden und Unternehmen, der im März 2020 mit einer Regionalkonferenz in Oranienburg startete. Vorausgegangen war der Masterplan Binnenschifffahrt aus dem Jahr 2019, der den Fokus auf die Berufsschifffahrt gelegt hatte.

Arbeit der Verbände war erfolgreich

Dem Plan war ein jahrelanges Ringen um die Finanzierbarkeit und die konkrete Umsetzung auch in Verbindung mit der WSV-Reform vorangegangen. Insbesondere die Verbände, ganz vorne der Deutsche Motoryachtverband, haben intensiv an den Beratungen teilgenommen und durch konstruktive Mitarbeit bewirken können, dass der Freizeitschifffahrt eine hohe Priorität beigemessen wird.

Die Arbeit und die Argumente der Verbände haben so dazu beigetragen auch in der Wahrnehmung von Behörden und Politik die Einsicht in die Bedeutung der Freizeitschifffahrt für erholungssuchende Bürger, den Tourismus, die an den Wasserstraßen ansässigen Vereine und die maritime Wirtschaft u.v.a. zu verankern, und zu einem Paradigmenwechsel der ursprünglich vordringlich auf Einsparungen und Renaturierung ausgelegten Maßnahmen zu führen.

Minister Scheuer betonte: „Ob Segelboot, Motorboot oder Hausboot – wer auf dem Wasser unterwegs ist, erlebt Freiheit, Natur und Lebensfreude pur. Die Corona-Pandemie und ein neues Bewusstsein für Umwelt und Nachhaltigkeit haben einen regelrechten Boom beim Wassersport ausgelöst. Deutschlands Ausgangslage ist dafür aber auch spitze: Im Gebiet um Müritz, Havel und Spree liegt das größte zusammenhängende Wassersportrevier Europas. Mit dem Masterplan Freizeitschifffahrt bauen wir die Infrastruktur weiter aus und bringen Freizeit und Ökologie noch besser in Einklang. Davon wird das gesamte System Wasserstraße profitieren – damit auch nachfolgende Generationen am, mit und auf dem Wasser leben können.“

Beispiele der Umsetzung

Die Maßnahmen des Masterplans Freizeitschifffahrt sind in fünf Handlungsfelder unterteilt: Infrastruktur, Schifffahrt, Digitalisierung, Umwelt sowie Kommunikation und Kooperation.

Einige Beispiele:

  • Optimierte Vernetzung der bestehenden digitalen Verfahren und IT-Systeme.
  • Digitalisierung des Schleusenmanagements (z.B. Automatisierung von Schleusen, Anzeige der Wartezeiten für Nutzer).
  • Instandsetzung vorhandener Infrastruktur mit Blick auf Nutzerbedürfnisse, etwa Haltegriffe oder Bootsumsetzungsanlagen an Schleusen.
  • Ausbau von Anlege- und Liegestellen außerhalb des Wartebereichs von Schleusen.
  • Mehr Kraftstoff- und Stromtankstellen sowie Versorgungs- und Entsorgungsstellen.
  • Förderung eines umwelt- und klimafreundlichen Schiffsbetriebs z.B. durch Entwicklung und Einsatz alternativer Antriebe und Treibstoffe.
  • Mehr Transparenz und Beteiligung der Öffentlichkeit bei Maßnahmen an Bundeswasserstraßen.
  • Schnelleres Planen, Bauen und Betreiben durch neue Vertragsgestaltung und den Einsatz neuer bzw. alternativer Bauweisen und Baustoffe.
  • Förderung des Ausbaus von bundeseigenen Betriebswegen entlang der Bundeswasserstraßen für den Radverkehr durch Kommunen oder Dritte.

Die Umsetzung geht zügig voran: Mehrere Maßnahmen sind bereits angelaufen, wie die Schleusenautomatisierung und der Ausbau der Radwege. Weitere Maßnahmen folgen in Kürze in Abstimmung mit regionalen Stakeholdern. Den Aussagen des Bundesverkehrsministers und des Staatssekretärs im BVMI zufolge ist die Finanzierung der Maßnahmen gesichert. 65 Millionen Euro sollen dafür eingeplant worden sein, das BVMI hofft zudem auf zusätzliche Mittel. Für die Zukunft wird auch die Möglichkeit eines eigenen Etats für den Bereich Freizeitschifffahrt nicht ausgeschlossen.

boot-Chef begrüßt Masterplan

Die Maßnahmen des Masterplans Freizeitschifffahrt wird von boot-Düsseldorf Director Petros Michalidakis ausdrücklich begrüßt. Laut Michalidakis sind starke Zuwächse im Bootsbau über die letzten fünf Jahre zu verzeichnen. Er verwies zudem auf notwendige Investitionen in Bezug auf die Infrastruktur und die Notwendigkeit der Anpassungen für eine nachhaltige Ausrichtungen. Einer Umfrage zufolge ist die Nachhaltigkeit im Bereich des Bootsbaus und der Antriebe einer der wichtigsten Faktoren im Bootsbau.

Der boot-Chef verweist zudem auf die Wichtigkeit des Wassersports und seiner Vielfalt für den Tourismus. So sei die Zahl der Charterboote im Laufe der letzten fünf Jahre um 25 Prozent von ca. 60.000 auf ca. 75.000 gestiegen. In diesem Zusammenhang erwartet Michalidakis auch eine staatliche Förderung des Wassertourismus.

BVWW Präsident betont Wirtschaftsfaktor Freizeitschifffahrt

BVWW-Präsident Robert Marx betonte auch den wirtschaftlichen Faktor der Freizeitschifffahrt. Mit über 4000 Unternehmen und mehr als 20.000 Mitarbeitern in Deutschland stünde eine qualifizierte Besatzung bereit, um die Bedürfnisse von den Crews von über 460.000 Sportbooten zu erfüllen.

Marx betonte, dass Wassersport kein Privileg für Reiche sei, sondern die Mehrzahl der Boote und Wassersportgeräte für normale Haushalte leistbar sei, Zudem verwies Marx darauf, dass der Bootstourismus durch die Corona-Krise enormen Aufwind bekommen habe. Auf diese Steigerung der Popularität müsse man jetzt mit verbesserten und erweiterten Angeboten reagieren.

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