Segler wissen es schon immer: Die Nähe zum Wasser macht Menschen glücklich

Das Geheimnis des Glücks

In Schleswig-Holstein leben die glücklichsten Menschen Deutschlands. Wie beispielsweise hier in Dahme an der Lübecker Bucht. Photo by Anton Sharov on Unsplash

Zum siebten Mal in Folge landet Schleswig-Holstein im Glücksatlas an der Spitze der Bundesländer. Die Studie wurde im Auftrag der Deutschen Post erstellt und letzte Woche in Berlin vorgestellt. Bernd Raffelhüschen von der Uni Freiburg gab an, dass die Deutschen insgesamt so zufrieden wie noch nie gewesen seien. Raffelhüschen hat die Auswertung erstellt. Seit zehn Jahren würde die Lebenszufriedenheit steigen, gab er an.
Gründe für die Zufriedenheit seien unter anderem Gesundheit, Gemeinschaft und auch Geld. Laut Raffelhüschen spiele die Nähe zum besonders glücklichen Dänemark eine Rolle. Gut möglich, dass die Dänen ein Grund sind.

Am Meer sind die Menschen am glücklichsten

Laut einer Studie von 2013, die Dr. Mathew White von University of Exeter erstellt hat, soll hingegen Wasser die größten positiven Effekte auf uns ausüben – noch mehr als das Grün des Waldes. In seiner Studie sollten knapp 20.000 Smartphone-Nutzer angeben, wie wohl sie sich fühlen und wo sie sich zu diesem Zeitpunkt befanden. Die Punkte wurden in zufälligen Abständen abgefragt. In der Auswertung zeigte sich, dass die Meeres- und Küstengebiete die mit Abstand glücklichsten Orte waren. Insbesondere die Nähe zum Meer sorgt für körperliches und geistiges Wohlbefinden. Schon zwei Stunden pro Woche sollen sich positiv auswirken. Allein der Blick auf das Wasser soll laut den Forschern für eine bessere psychische Gesundheit sorgen. Dr. White hebt drei Gründe besonders hervor:

  1. Der Einfluss der Umweltfaktoren. An der Küste ist die Luft frischer und in der Regel scheint die Sonne mehr als in der Stadt beziehungsweise auf dem Land. Das führt unter anderem zu einem höheren Vitamin-D-Spiegel.
  2. Menschen, die am Wasser leben, sind körperlich aktiver. Dabei spielt natürlich der Wassersport eine Rolle. Neben Segeln auch Kiten, Surfen oder Schwimmen. Aber auch größere Spaziergänge und regelmäßiges Radfahren halten den Menschen körperlich fit und gesund.

  3. Wasser hat eine psychologisch regenerierende Wirkung. Je länger man sich am Wasser aufhält, desto besser wird die Stimmung. Zusätzlich werden Stress und negative Stimmungen reduziert.

Segler sollte das nicht großartig erstaunen. Jeder Segler weiß, dass sich ein Wochenende auf dem Wasser wie zwei Wochen Urlaub anfühlen. Es ist der perfekte Ort zum Abschalten und Energie tanken.

Allein der Blick auf das Meer soll die Gesundheit verbessern

Kennedy hatte es begriffen

Im September 1962 fand in Newport, Rhode Island, der 18. America’s Cup statt. Erstmals seit den 1930er Jahren verloren die Amerikaner ein Match und retteten den Sieg im letzten Rennen nur mit wenigen Sekunden vor den Australiern, die zum ersten Mal um die bodenlose Kanne segelten. Doch neben den sportlichen Ereignissen ging eine Rede des damaligen US-Präsidenten, John F. Kennedy, in die Geschichte ein. Ein Zitat aus seiner Rede beflügelt und bestätigt bis heute die Träume aller Menschen, die sich dem Wasser in irgendeiner Art und Weise verbunden fühlen:

Ich weiß wirklich nicht, warum es so ist, dass wir alle so sehr dem Meer verpflichtet sind, außer dass ich denke, dass es daran liegt, dass neben der Tatsache, dass sich das Meer verändert und das Licht sich ändert und sich die Schiffe ändern, auch daran liegt, dass wir alle aus dem Meer stammen. Und es ist eine interessante biologische Tatsache, dass wir alle in unseren Adern genau den gleichen Salzgehalt unserem Blut haben, der im Meer existiert, und daher haben wir Salz in unserem Blut, in unserem Schweiß, in unseren Tränen. Wir sind an den Ozean gebunden. Und wenn wir zurück zum Meer gehen, sei es zum Segeln oder um zu beobachten, gehen wir zurück von wo wir hergekommen sind.

In präziser Einfachheit hat Kennedy damals festgehalten, was uns am Meer so begeistert und zur Ruhe kommen lässt. Zwar liegt der Salzgehalt des Blutes nur bei knapp 0,9 Prozent und entspricht damit gerade mal dem Salzgehalt der Ostsee ganz im Osten (Atlantik circa drei Prozent), aber es war ein gekonnter rhetorischer Kniff, um uns die tiefe Verbundenheit zum Ozean vor Augen zu führen.

Das Meer hat eine beruhigende Wirkung auf den Menschen

Das Meer als Bedrohung

Doch die romantische Vorstellung des Urlaubs am Meer ist eine Erfindung der Neuzeit. Der französische Kulturhistoriker Alain Corbin hat in seinem Buch „Meereslust. Das Abendland und die Entdeckung der Küste 1750-1840“ dem Verhältnis der Menschen zum Meer nachgespürt. Bis in das 18. Jahrhundert hinein war das Meer ein Ort des Schreckens. Ein Überbleibsel der Sintflut, das den Menschen an seine Vergänglichkeit erinnerte. Im Meer drohten Gefahren. Auf alten Karten sind Ungeheuer dargestellt, die im Meer lauern und alles verschlingen. Das waren keine Illustrationen, sondern der tiefe Glaube des Menschen an das Grauenhafte, das ihm am oder gar im Meer erwartete. Anhand zahlreicher Quellen vom Altertum bis in die frühe Zeit zeichnet Corbin dieses Bild eindrucksvoll nach. Erst mit der angehenden Urbanisierung und Industrialisierung entdeckte der Mensch die heilende Wirkung des Meeres. Machte die Stadtluft im Mittelalter noch frei, verursachte sie damals Krankheit. Zur Heilung wurde die Stadtbevölkerung an die frische Luft der See geschickt. Die ersten Kur- und Heilbäder entstanden. So entwickelte sich das Meer erst in der Neuzeit von der Bedrohung hin zu einem Sehnsuchtsort.

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