Meeresverschmutzung: Manche Forscher bezweifeln Wirksamkeit von „OceanCleanUp“

„Lieber den Hahn zudrehen?“

Die Barrieren sollen über Dutzende Kilometer hinweg im Ozean Plastik auffangen © oceancleanup

Die Barrieren sollen über Dutzende Kilometer hinweg im Ozean Plastik auffangen © oceancleanup

Der junge Holländer will mit einem einzigartigen Projekt die Meere zumindest von den gröbsten Plastikteilen befreien. Andere Forscher bezweifeln, dass dies gelingen kann.

Ist tatsächlich was dran an der Kritik oder handelt es sich nur um einen neidvollen Blick auf den Erfolg des charismatischen 20jährigen Holländers Boyan Slats, der mit seinem Projekt „OceanCleanUp“ weiterhin mediale und populäre Erfolge feiert (SR berichtete).

Tatsächlich unmöglich?

In einem Artikel auf süddeutsche.de kommen jedenfalls namhafte Kritiker zu Wort, die eine Machbarkeit des Projektes von Grund auf anzweifeln. Die Installation riesiger, schwimmender Barrieren mitten auf den Ozeanen, in die zumindest grober, auf der Oberfläche treibender Plastikmüll hinein driften soll, berge zu viele Gefahren für alle Arten von Meeresbewohnern, die eher in den oberen Schichten der Gewässer leben.

Der charismatische 20jährige Holländer Boyan Slat bei der Vorstellung seiner Machbarkeitsstudie © OceanCleanUp

Der charismatische 20jährige Holländer Boyan Slat bei der Vorstellung seiner Machbarkeitsstudie © OceanCleanUp

Zudem sei eine sichere Verankerung der „Auffang-Anlagen“ kaum möglich – bei hohem Seegang würden die breiten Barrieren aus dem Meeresboden brechen.

Erste Tests mit proportional verkleinerten „Filtern“ hätten lediglich einen „Fang“ von vier Plastikteilen ergeben – die Slats auch noch selbst ins Wasser geworfen habe.

Müllmengen werden angezweifelt

Weiterhin kommen in dem Artikel Forscher zu Wort, die sogar die Mengen Plastikmüll (es kursieren Schätzungen zwischen 500.000 und Hundert Millionen Tonnen) in den Ozeanen anzweifeln: „Nicht mehr als 35.000 Tonnen!“ seien nach Hochrechnung an der Meeresoberfläche nachweisbar, behaupten spanische Wissenschaftler nach 300 Proben auf den Weltmeeren.

Der Kopf von „OceanCleanUp“, der zur Zeit mit einer Crowdfunding-Kampagne zwei Millionen Euro für erste Anlagen sammelt, reagierte höflich und gelassen. „Man werde die Kritik in die Machbarkeitsstudie einfließen lassen!“

Doch auch die kritisierenden Forscher wollen die Ideen des niederländischen Umweltaktivisten nicht ganz verdammen. Man solle besser „den Hahn zudrehen“ oder anders formuliert: das Übel bei der Wurzel packen und die Meeresverschmutzung dort bekämpfen, wo sie beginnt – in den Flüssen und an den Stränden.

Müll aus den Meeren  © oceancleanup

Müll aus den Meeren © oceancleanup

Säuberung vor Rio de Janeiro

Deshalb sehe man durchaus Potential für die OceanCleanUp“-Ideen: Als Barrieren vor Flussmündungen, wo der Plastikdreck aufgefangen werden soll. Ein lohnendes Testgelände wäre hierfür das Olympische Segelrevier vor Rio de Janeiro. Dort gehen ganz bestimmt mehr als vier Plastikteile „ins Netz“!

Übrigens: „OceanCleanUp“ hat noch 18 Tage Sammelzeit und bereits 80 Prozent der angepeilten zwei Millionen Dollar durch 29200 Spender gesichert.

Website

Slats ausführliche Antworten auf Kritikpunkte

Spenden
http://blueocean.berlin/magicmarine-team-werden/

2 Kommentare zu „Meeresverschmutzung: Manche Forscher bezweifeln Wirksamkeit von „OceanCleanUp““

  1. avatar Ketzer sagt:

    Sowas hier ist ganz faszinierend:

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 7 Daumen runter 0

    • avatar ??? sagt:

      Sehr interessant vor dem Hintergrund, Boyan Slat in seiner Stellungnahme anführt das bisher niemand etwas Vergleichbares gemacht hat…

      Like or Dislike: Daumen hoch 1 Daumen runter 0

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