“Meri Tuuli” Unglück: Segelschule Well Sailing erklärt Hintergründe

"...voller Trauer"

Der Seenotfall der Meri Tuuli , der zwei Menschenleben gekostet hat, löste Bestürzung und Trauer unter deutschen Seglern aus.  Well Sailing erklärt, was vor der portugiesischen Küste passiert ist.

X442 "Meri Tuuli" gestrandet

Die Hamburger X442 “Meri Tuuli” auf dem Strand bei Figueira da Foz. © Polícia Marítima

Richard Jeske und Thomas Dühren beschreiben in einer Presseerklärung für die Nordtörn – Well-Sailing GbR, wie es zu dem Unglück kommen konnte.

“Die WELL SAILING und Norddtörn Geschäftsführung und alle Mitarbeiter trauern um ein Crew Mitglied ihres Schulbootes `Meri Tuuli´und einen portugiesischen Polizisten aus der Rettungsmannschaft.

Am Nachmittag des 10.04. geriet die Segelyacht Meri Tuuli (13,50 Meter lang, Typ X-442) bei vier bis fünf Windstärken aus Südwest während der Ansteuerung des Hafens Figueira da Foz in eine überraschend auftretende Welle und kenterte. Alle fünf Crew-Mitglieder wurden dabei über Bord gespült.

Alle Segler trugen Rettungswesten. Dem Skipper gelang es, an Bord zurückzukommen. Per Seenot-Rakete rief er Hilfe herbei. Zwei portugiesische Rettungboote liefen sofort aus. Gemeinsam organisierten der Skipper und die zur Hilfe geeilten Rettungsboote die Bergungsaktion der Crew.

Nachdem alle Crew-Mitglieder gerettet worden waren, bereitete der Skipper eine Schleppverbindung für die `Meri Tuuli´ vor.

In dem Moment kenterte aufgrund einer erneut auftretenden besonders hohen Welle eines der Rettungsboote. Das Herstellen der Schleppverbindung wurde sofort unterbrochen, um dem gekenterten Rettungsboot und der über Bord gegangenen Crew zur Hilfe zu eilen.

Diese Kenterung des Rettungsbootes haben ein portugiesischer Polizist und eines unserer Crew-Mitglieder nicht überlebt. Ein Crew-Mitglied ist verletzt und außer Lebensgefahr und wird zur Zeit noch in Portugal im Krankenhaus behandelt.

Unser verantwortlicher Skipper ist ein langjähriger, erfahrener, sicherheitsbewusster Mitarbeiter und Kollege. Er verfügt über deutlich mehr Qualifikationen als die für eine derartige gewerblich betriebene Yacht erforderlichen Führerscheine. Die Segelyacht ist selbstverständlich nach den Maßgaben der zuständigen BG Verkehr zugelassen und übervorschriftsmässig sicherheitstechnisch ausgerüstet für weltweite Fahrt.

Häfen an der portugiesischen Westküste gelten generell als schwierig anzulaufen. Dem Skipper war diese Situation bekannt, die herrschenden Bedingungen ließen aber nach Abwägung aller bekannten Umstände seiner Meinung nach ein Einlaufen zu. Die Yacht war auf dem Weg von Lissabon nach Porto, mit Figueira da Foz als Etappenhafen. In Porto sollte ein Crewwechsel stattfinden.

Der Unfall wird z.Zt. von den zuständigen Behörden untersucht und wir sichern ihnen selbstverständlich alle Unterstützung zu, die nötig ist, um zu einer abschließenden Beurteilung des Unglücks zu kommen.

Parallel dazu betreiben wir auch unsere eigene Untersuchung und werden die Öffentlichkeit zu gegebener Zeit über das Ergebnis informieren.

Den Angehörigen unseres Crew-Mitglieds sowie den Angehörigen und Kollegen des ertrunkenen Polizisten gilt unser volles Mitgefühl. Wir sind geschockt, fassungslos und voller Trauer.”

 

 

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3 Kommentare zu „“Meri Tuuli” Unglück: Segelschule Well Sailing erklärt Hintergründe“

  1. avatar Hansi sagt:

    Mein Mitgefühl gilt den Angehörigen, die zurückgeblieben sind. Was dort in Portugal passiert ist, kann man kaum in Worte fassen. Auch wenn ich die Personen nicht persönlich kenne, bin ich über diesen Vorfall zutiefst betroffen. Ich kenne diese Ecke selber, war letztes Jahr erst dort. Well Sailing ist für Kompetenz und sehr gute Segelausbildung bekannt.
    Ich kenne die Wetterbedingungen nicht, die zu diesem Zeitpunkt herrschten. Deshalb ist jede Spekulation über die Umstände, die dazu führten und jede Schuldzuweisung, an wen auch immer, falsch.
    Ich wünsche der Crew und den Angehörigen die Kraft, die sie brauchen, um damit umzugehen.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 18 Daumen runter 29

  2. avatar keller sagt:

    mein mitgefühl gilt den hinterbliebenen u. allen beteiligten.schuldzuweisungen sind bei so einer tragödie nicht angebracht,allerdings stellen sich viele fragen auch in bezug auf die unterschiedliche darstellung der ereignisse.genaueres können nur alle beteiligten(retter,crew,skipper)sagen.die unterschiedlichen angaben sind hier/auch auf segeln-magazin.de u.in den portugiesischen medien nachzulesen!die hauptfrage die sich stellt ist : warum Figueira da Foz als hafen ? bei sw 4-5,gegen den strom-bei welle und vor allem war laut aussage des hafenmeisters der hafen für schiffe unter 35m gesperrt.was neue fragen aufwirft :wie lange war er schon gesperrt?welche wetter/windverhältnisse herrschten am vortag und am segeltag?studien der hafenhandbücher und alternativhäfen!ich hoffe diese fragen können geklärt werden,auch damit die beteiligten diese ereignisse verarbeiten u.überwinden können.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 34 Daumen runter 3

  3. avatar Hermann Engl sagt:

    Bei aller Trauer und Bestürzung: Man muss schon ein paar Fragen stellen dürfen, schon, um aus dem Fall Lehren zu ziehen.1. Wieso war die Crew bei diesen Bedingungen nicht angeleint? 2. Hatte der Skipper die nötigen Informationen? Der Ebbstrom in Figuera da Foz wird von einer gewaltigen Wassermasse aus dem Hinterland genährt. Ein Blick in die Seekarte offenbart das sofort. Der für Yachten schiffbare Weg führt ca. sechs Meilen ins Land bis Aveiro. Damit ist das Kanalsystem aber noch nicht zu Ende. Wenn auf diesen Ebbstrom Wind drauf steht, erzeugt das eine mörderische Schwelle. Ich habe die Mündung schon vier mal mit meiner 60-Fuß-Stahlketsch Daisy passiert, aber immer bei anderen Bedingungen. Auch mal mit dem Ebbstrom aber ohne Wind. Für eine kleinere Yacht könnte selbst das höchst gefährlich werden, wenn nicht ganz exakt gesteuert wird. Auf die Gefahr wird in den Handbüchern hingewiesen etwa Reeds nautischer Almanach: Highly dangerous.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 12 Daumen runter 2

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