Meri Tuuli Unglück: Warum wollte der Skipper in den gesperrten Hafen?

Die gefährliche "Black Coast"

Das Schicksal der Hamburger Yacht “Meri Tuuli” wird in Seglerkreisen immer noch diskutiert. SR Leser Klaus Schmidt war zufällig in Portugal vor Ort. Er fragt sich wie viele Beobachter, warum der Skipper in den gesperrten Hafen einlaufen wollte.

"Meri Tuuli"

Das zerstörte Polizei-Rettungsboot, das der “Meri Tuuli” zur Hilfe kam. © Klaus Schmidt

Das Unglück der “Meri Tuuli” hat deutlich gemacht, welche Auswirkungen Fehlentscheidungen auf See haben können. Nach wie vor ist völlig unklar, warum der erfahrene untadelige Skipper den Entschluss fasste, den gesperrten Hafen von Hafen Figueira da Foz anzulaufen. Hatte er die Information nicht bekommen?

Die Grundsee kam allerdings offenbar aus dem Nichts und erwischte die “Meri Tuuli” genauso wie später das Rettungsboot, als es den Havaristen schon auf den Haken genommen hatte. Bei der Rolle gingen Crewmitglieder über Bord und der Mast brach.

Danach startete der Motor ging aber später wieder aus. Möglicherweise gerieten Fallen in die Schraube. Der Skipper schoss rot und holte damit die Polizei zu Hilfe. Die Todesfälle sollen dann erst nach der Kenterung des Rettungbootes erfolgt sein, das schon einige Mitsegler aus dem Wasser gefischt hatte.

Warum wollte der Skipper einlaufen?

SR Leser Klaus Schmidt hat am Unglücksort mit Einheimischen über die Umstände gesprochen. Allen sei nicht klar, was der Grund für den Skipper war, zu dieser Zeit in den Hafen einlaufen zu wollen.

Schmidt segelte eine Class 40 Anfang November 2012 nach Lissabon. “Dabei habe ich in unserem Seehandbuch für das Revier intensiv nach einem Hafen für einen Zwischenstopp gesucht… und faktisch keinen gefunden. Bei 20-25 Knoten W bis NW stand schon eine beachtliche Dünung im Bereich von vier Metern und deutlich darüber. Aber draußen auf See war das eher Spaß aber in Landnähe?”

Figuera da Foz habe auch auf seiner Liste gestanden. “Aber in dem englischen Handbuch stand da wenig Verlockendes für die Einfahrt. Grundseen bei Schwell, zeitweise gesperrt für “kleinere” Schiffe, bei ablaufend Wasser bis 7kt Strom, Wassertiefen um die 7m und weniger… Bei hoher Atlantikdünung…  Lieber nicht. Die 100sm bis Cascais schaffen wir lieber ohne Pause – waren so meine Gedanken und habs bleiben lassen.”

“Black Coast”

Sinngemäß stehe das Gleiche für nahezu jeden Hafen nördlich Lissabon  im Handbuch. Nicht viele Häfen kommen in Frage, und die liegen dann an Flussmündungen mit ordentlich Strom bei ablaufend Wasser. Sogar Porto könne man demnach eher knicken mit einer Yacht mit um die drei Meter Tiefgang.

“Ich war nur ein paar Tage vor dem Unfall wieder dort unten. Da sind wir nur mühsam aus Lissabon rausgekommen weil da schon eine anständige Welle stand”, sagt Schmidt. In der vergangenen Woche hatte er eine makabere Begegnung auf der Werft, wo er ein Schiff betreut, als das verunglückte Polizei-Gummiboot auf einen Tieflader verladen wurde.

“Es sah wirklich ziemlich übel aus. Die Einheimischen sind immer noch ratlos. Sie nennen die Küste nach Norden hin auch nur `Black Coast´. Vielleicht klärt es sich doch noch auf, was zu der Einlauf-Entscheidung führte. Man könnte solche Gefahren einfach besser abschätzen und meiden.”

Die Segelschule Well Sailing, Betreiber der “Meri Tuuli”, weist auf das laufende Ermittlungsverfahren hin und hofft selber auf Antworten zu vielen offenen Fragen.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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3 Kommentare zu „Meri Tuuli Unglück: Warum wollte der Skipper in den gesperrten Hafen?“

  1. avatar pjotr sagt:

    kommentare abgeschaltet? zensur?

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  2. avatar Sturmvogel sagt:

    Die BSU hat das ganze Untersucht und den Bericht jetzt veröffentlicht:

    http://www.bsu-bund.de/SharedDocs/pdf/DE/Unfallberichte/2014/UBericht_86_13.pdf?__blob=publicationFile

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