METS 2019: Diese Produkte sind besonders innovativ – Was die Zukunft bringt

Ausrüstungshighlights der kommenden Saison

Jedes Jahr im November werden auf der METS in Amsterdam die neuesten Produkte der (Freizeit-)Bootsindustrie ausgestellt. Aus der ganzen Welt reisen die Hersteller an und zeigen, was sie entwickelt haben.

Kurz bevor die Messetore sich öffnen, präsentiert eine Jury jedes Jahr die Gewinner des DAME Design Awards. Mit dem Award werden Produkte ausgezeichnet, die besonders innovativ sind.

Nicht immer sind die ausgezeichneten Produkte aber auch wirklich nützlich oder praktikabel. So gab es in den letzten Jahren immer mal wieder Ausrutscher, bei denen sich die Bootswelt fragte, ob es wirklich ernst gemeint sei.

Doch glücklicherweise wird der DAME-Award in verschiedenen Kategorien vergeben, sodass es immer herausragende Produkte zu bestaunen gibt. Zudem können Produkte, die es nicht auf ein Siegertreppchen geschafft habe, mit einer „Special Mention“ ausgezeichnet werden.

Wir haben uns die Produkte auf der METS angesehen und stellen eine Auswahl von ihnen vor.

Die Kategorien

U Safe

Der diesjährige Gewinner des Dame-Awards ist ein Rettungsring mit eingebautem E-Motor, der bis zu 15 Kilometer pro Stunde erreichen kann. Segelreporter hatte Anfang des Jahres über den rasenden Retter berichtet. Personen, die über Bord gefallen sind, sollen sicher und schnell mit einem Rettungsgerät und einer Verbindung zum Schiff versehen werden. Mit einem Gewicht von 13 Kilogramm ist das aber wohl eher etwas für Superyachten. Die Jury sah aber auch Potenzial bei der Ausstattung von Marinas, in denen der U Safe Leben retten könnte.

Zugleich ist der U Safe auch Sieger in der Kategorie „Lifesaving and Safety Equipment“. Ob sich der U Safe tatsächlich durchsetzen wird, bleibt fraglich. Zwar sollte ein Plus an Sicherheit immer oberste Priorität sein, doch ob einer 13 Kilogramm rasender Ring das geeignetste Mittel ist, muss sich erst herausstellen.

Bei einem Blick in die Liste der Nominierten gäbe es Kandidaten, die praxistauglicher wären. Beispielsweise der neue PLB von ACR Electronics, der über ein Display Feedback und regemäßige Status-Updates gibt.

Marine electronics and marine related software

Garmin

In dieser Kategorie hat der GPSMAP86i von Garmin das Rennen gemacht. Einige werden sich fragen, ob GPS-Handgeräte durch Smartphones nicht längst obsolet geworden sind, doch Garmin hat das kleine Gerät noch mit einigen Extras aufgewertet. Neben GPS und Karten hat Garmin ihm die Technik der inReach-Satellitenkommunikation spendiert. Über Iridium-Satelliten lässt sich so beispielsweise ein Notsignal aussenden. Die Jury fand den Mix aus dem nutzerfreundlichen Design, der Vielseitigkeit und dem Sicherheitsgewinn als besonders herausragend. Aber auch hier liest sich die Liste der Nominierten weitaus spannender.

Raymarine Docksense

Auf der Liste, und zumindest als „Special Mention“ honoriert, steht unter anderem auch das Docksense-System von Raymarine, das Anlegemanöver grundlegend vereinfacht. Gerade auf Booten jenseits der 40 Fuß. Noch wird das System für Motorboote beworben. Zusammen mit entsprechenden Joystick-System und Steueranlagen lassen diese sich mittlerweile schon punktgenau manövrieren. Der Schritt zum automatischen Anleger ist nicht weit.

Vesper Cortex

Interessant stellt sich auch die Lösung aus Neuseeland dar, Funkgerät und AIS auf einem transportablen Handgerät zu vereinen. Eine Blackbox fungiert unter anderem als AIS-Transponder (Class B, SOTDMA) und Basis-Station für bis zu zehn Handgeräte. Die Handgeräte sehen aus wie Smartphones, verfügen über einen großen Bildschirm und können als Funkgerät genutzt werden: Kanal auswählen und losfunken. Aber es können auch AIS-Daten, Alarme (Kollision, Ankerwache) und Schiffsdaten angezeigt werden. Die Handgeräte sind wasserdicht. Über DSC können Schiffe in Verbindung mit den AIS-Daten direkt gerufen werden. Das war bisher schon möglich, aber es war immer ein Wechsel des Gerätes (vom Plotter zur Funke) notwendig. Laut dem Hersteller können Instrumentendaten aus allen üblichen Netzwerken eingebunden und aufgerufen werden. Durch App-Erweiterungen sind in Zukunft noch mehr Funktionen geplant.

Marine equipment, boatyard equipment and boat construction tools and materials

Lignia Yacht

Eine Alternative zu Teak, die nicht aus Kunststoff besteht! So richtig wollte Lignia nicht sagen, aus welchem Holz ihr Produkt wirklich ist. Es soll aus einem Weichholz gefertigt werden, das in einem speziellen Prozess („ligniafication“) so stabilisiert wird, dass es die gleichen Eigenschaften wie Teakholz erlangt. Das genutzte Holz soll zudem aus nachhaltig genutzten Plantagen stammen. Das klingt gut. Die Haptik und der Look entsprechen tatsächlich dem von Teakholz. Es soll so hart, widerstandsfähig, rutschfest und haltbar sein, wie das traditionelle Vorbild. Nur in einem Punkt unterscheidet es sich wohl: es bleicht kaum aus. In einem fünf Jahre andauernden Test in Florida soll das Holz kaum etwas von seiner goldenen Farbe verloren haben.

Deck equipment, sails and rigging

Karver compact winch

In diesem Fall haben zwei Produkte gewonnen, die dann doch irgendwie zusammengehören. Die neue Karver-Winsch richtet sich an Yachten zwischen sechs und zwölf Meter und soll ein kleines Kraftpaket sein. Die dazugehörige Winschkurbel ist aus Carbon gefertigt und lässt sich dank eines Lagers als Edelstahl und Keramik sehr leicht und schnell drehen. Zum Abnehmen wird ein kleiner Hebel gedrückt. Die Jury begründete die Entscheidung mit dem großen Designsprung und der leichten Bedienbarkeit.

 

Marlow Blue Ocean Dockline

Erwähnenswerter wäre vielleicht dieser Festmacher gewesen, der aus recycelten PET-Flaschen hergestellt wird. Er soll ähnliche Eigenschaften wie bisherige Festmacher aufweisen.

Clothing and Crew Accessories

Mustang Callan

Dieses Ölzeug hat gewonnen, da es unglaublich leicht und angenehm zu tragen ist. Die Jury betonte auch das effektive Design von Jacke und Salopette. Mehr als 800 Materialtests soll Mustang Survival durchgeführt haben, um das perfekte Material für ein Ölzeug gefunden zu haben. Die Konkurrenz in dieser Kategorie war in diesem Jahr aber auch nicht sehr groß.

Machinery, propulsion, mechanical and electrical systems and fittings

In dieser Kategorie setzten sich gleich zwei Sieger von zwei verschiedenen Firmen durch, die letztendlich das gleiche Produkt auf den Markt gebracht: einen Angel-Elektromotor. Die Idee ist eigentlich ganz pfiffig. Während der Angler auf seinem kleinen Boot die (Angel-)Route schwingt, kann er über ein Fußpedal den Motor bedienen. In Kombination mit einem Fishfinder kann er so die Fischschwärme aufspüren und verfolgen.

Ein Sieger, der durchaus berechtigt ist. Leider kamen dadurch viele Hersteller von Elektromotoren etwas zu kurz. Beinahe die halbe Halle 7 stand ganz im Zeichen der Elektromotoren. Ein Markt, der immer wichtiger und auch attraktiver wird.

Lifesaving and safety equipment

In dieser Kategorie hat der oben genannte U Safe das Rennen gemacht. Doch in dieser Kategorie sind noch einige weitere Produkte erwähnenswert. Beispielsweise das BRS (Boat Rescue System), das einen zweiten Nutzen für den CO2-Feuerlöscher entwickelt hat. Mit einem Adapter können flexible Tanks gefüllt werden. Ähnlich wie eine Rettungsweste erzeugen die aufgeblasenen Säcke einen Auftrieb und sollen so Yachten vor dem Sinken bewahren.

Wichard hat ein neues Messer herausgebracht, das an der Rettungsweste befestigt werden kann. Solch ein Notfallmesser ist mittlerweile im America’s Cup Pflicht. Ob es sich an Bord von Fahrtenyachten durchsetzt, bleibt fraglich, aber auf schnellen, großen Racern eigentlich ein Must-Have.

 

 

 

 

Ein Kommentar „METS 2019: Diese Produkte sind besonders innovativ – Was die Zukunft bringt“

  1. avatar Andras Borrink sagt:

    Naja, etwas wirklich Neues mit der Perspektive, sich durchzusetzen, sehe ich da nicht. Ist aber auch schwer in einem Markt, in dem es praktisch alles schon gibt oder schonmal gab. Einen motorgetriebenen Rettungsring gab es schon 1985, made in Hon Kong damals. So ein Käse.

    Eine Alternative zu Teak als Decksbelag aus einem Holz, das nicht benannt wird, finde ich anrüchig. Ausserdem liegt der ästhetische Reiz eines schönen Stabdecks ja gerade in der nach einigen Jahren auftretenden, silbergrauen Färbung. Aber da teilt sich die Welt in zwei Fraktionen, ähnlich wie bei den Gartenmöbeln: die einen ölen und beizen, weil sie braun mögen (lol), die anderen lieben eben Patina……

    Als zumindest etwas weniger fragliche Alternative zu Teak empfehle ich langsam gewachsene und vernünftig aufgeschnittene sibirische Lärche. Auch nicht billig und nicht leicht zu bekommen (Fussbodendielen), aber zumindest gefühlt ökologisch sinnvoller und authentischer in unseren Breiten. Hat sich bei meinem Deck bestens bewährt, wird ohne Pflege silbergrau, gammelt nichtm hält ewig (mindestens 15 Jahre….) und sieht toll aus.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 7 Daumen runter 1

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