Milliardär Clark ärgert sich und zieht J-Class “Hanuman” zurück

Wie die Kinder...

"Hanuman" bei den ersten Testfahrten. © Huisman

Blick aus dem Top in schwindelnder Höhe. © Huisman

Meine Güte…Da baut sich IT-Milliardär Jim Clark mit der J-Class “Hanuman” eine der schönsten Yachten der Welt. Er bringt den 41 Meter langen Nachbau des America´s Cuppers “Endeavour II” nach Antigua, um in einem denkwürdigen Rennen gegen J-Class “Velsheda” und “Ranger” anzutreten. Dann ärgert er sich, verzichtet auf einen Start und will seinen Kahn sogar verkaufen.

Der Kalifornier Clark, der in Silicon Valley unter anderem mit einem der ersten Internet Browser Netscape sein Glück gemacht hat, ist bockig. Sein Gegenspieler John Williams auf der “Ranger” will nicht selber steuern. Der Immobilienkaufmann aus Atlanta habe für die Regatta eine professionelle Crew angeheuert und das sei ihm, Clark, zu teuer, sagt er der Yachting World.

Zu teuer? Schwer zu glauben, dass dem Milliardär das Geld ausgegangen ist, hat er doch vor Antigua seinen 90 Meter-Dreimaster “Athena” als “Tender” in Betrieb, eine der größten Segelyachten der Welt. Es geht wohl eher ums Prinzip, ums Ego, um Erfolg. Clark musste beim ersten Beschnuppern dieser Saison während der St. Barth Bucket eine Niederlage gegen “Ranger” hinnehmen. Er tat es nur als Trainingsrennen ab. Schließlich war “Hanuman” gerade erst vor wenigen Monaten von der holländischen Royal Huisman Werft ausgeliefert worden.

Raumschots, die Schokoladenseite © Huisman

Aber vor Antigua sollte es ernst werden. Dabei sind die J-Yachten so unterschiedlich gebaut, dass man sie schwerlich ernsthaft im Wettkampf vergleichen kan. Doch nun erfuhr Clark, dass “Ranger”-Steuermann Erle Williams 3500 Dollar am Tag erhalten solle, um den Klassik-Nachbau zu beschleunigen. Insgesamt betrage das Crew Budget 200000 Dollar. John Williams hielt dagegen, er sei gerade am offenen Herzen operiert worden. Er könne nicht steuern.

Das Geld sei doch auch ger nicht der Grund. Williams glaubt vielmehr an eine Retourkutsche von Clark, der 1998 viel Aufsehen erlangte, als er den 47-Meter-Einmaster “Hyperion” baute, ein Schiff mit Aufzug auf den längsten Mast der Welt. Williams baute kurz danach die 48 Meter lange “Georgia”. Ihr Mast war zwei Meter länger.

Clark hat sich in Antigua in einem offenen Brief an die Öffentlichkeit gewandt. Die J Class Association sei eine Farce. Er habe tatsächlich gerade erfahren, dass “Velsheda” und “Ranger” von einer bezahlten Renncrew gesegelt würde. “Ich werde unter diesen Umständen nicht antreten. Bei mir segelt eine Gruppe feiner Männer aus Spaß an der Sache und das soll so bleiben. Ich wünsche alles Gute und hoffe, dass sie nicht ineinander krachen.”

Die 40 Meter Yacht gräbt sich eine lange Welle ins Wasser © Huisman

Na, wenn das mal die Wahrheit ist? Man kann zwischen den Zeilen lesen, dass Herrn Clark durchaus ein Lächeln über das Gesicht huschen sollte, wenn sich die bösen Profis gegenseitig zu Klump fahren würden. Es ist nicht passiert. “Ranger” segelte dreimal in respektvollem Abstand hinter “Velsheda” her.
Wenn Clark nicht dagegen halten wollte, dann hätte er durchaus hinterher fahren können. Das Regattaergebnis kann sowieso niemand ernst nehmen, weil die Schiffe zu unterschiedlich sind. Aber die Spezies der Milliardäre gehört nicht gerade zu den gelassenen, weisen, in sich ruhenden Menschen, wie jüngst in Valencia zu beobachten war. Vielleicht wären diese Menschen sonst nicht Milliardäre geworden.

Für Otto-Normalsegler ist so ein banaler Ärger jedenfalls schwer nachvollziehbar. Da segelt man in Karibik-Atmosphäre auf den schönsten Yachten der Welt. Wie kann man sich streiten? Wie die Kinder…

Natürlich macht Geld nicht glücklich. Wer das noch nicht mitbekommen hat… hier passt die Erkenntnis.

Carsten Kemmling
avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
Spenden
http://nouveda.com

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *