Millionen Delfine im Indischen Ozean verendet – auch in Frankreich Rekord-Todesraten

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In den letzten Jahrzehnten schrumpfte der Bestand von Delfinen im Indischen Ozean erheblich. Noch immer sterben hier etliche Tiere durch Fischernetze. Forscher veröffentlichten nun alarmierende Hochrechnungen. An der französischen Atlantikküste könnte die Zahl der tot angespülten Delfine in diesem Winter einen neuen Rekordwert erreichen.   

Der Bestand von Delfinen im Indischen Ozean sinkt dramatisch © Egle Sidaraviciute, Unsplash

Etwa 80.000 Kleinwale landen im Indischen Ozean derzeit pro Jahr bei der kommerziellen Thunfisch-Fischerei als Beifang in Treibnetzen – die meisten von ihnen Delfine. Das fand eine Studie heraus, die in der Zeitschrift „Endangered Species Research“ veröffentlicht wurde. 2006 waren es dieser zufolge sogar um die 100.000 Tiere. Die große Mehrheit von ihnen kam dadurch qualvoll zu Tode.

Den Grund für diese extrem hohen Beifang-Zahlen vermuten die Autoren der Studie vor allem in der unkontrollierten Treibnetzfischerei: Trotz jahrzehntelanger scharfer Kritik, UN-Resolution und weitreichender Verbote, kommen unverankerte Kiemennetze, die aufgrund ihrer enormen Beifangraten als Todesfallen für Wale, Schildkröten, Haie und viele andere Meeresbewohner gelten, im Indischen Ozean noch immer massenhaft zum Einsatz. Bei rund einem Drittel der dortigen Thunfischfänge werden sie verwendet, schätzt das von Dr. Charles Anderson von der Manta-Marine-Organisation auf den Malediven geleitete internationale Forschungsteam, das die neue Studie verfasste. Im Iran, in Indonesien, Indien, Sri Lanka, Pakistan, im Oman, Jemen, in den Vereinigten Arabischen Emiraten und in Tansania sind sie besonders verbreitet. Ein Ergebnis der Studie: Bei durchschnittlich 214.262 Tonnen Thunfisch pro Jahr würden allein im Iran mutmaßlich 30.302 Wale und Delfine unbeabsichtigt gefangen.

Delfinpopulation um mehr als 80 Prozent geschrumpft

Seit 1950 gingen der Untersuchung zufolge im gesamten Indischen Ozean gut 4 Millionen Delfine beim Thunfischfang als Beifang ins Netz. Verglichen mit dem Level vor 1980, als die großangelegte Thunfisch-Fischerei hier noch nicht begonnen hatte, betrage die Delfinpopulation heute vermutlich nur noch circa 13 Prozent, so die Experten. 

Delfin Sprung

Springende Delfine bei der Bay of Islands Sailing Week. © BISW

Allerdings handele es sich bei allen ermittelten Werten lediglich um Hochrechnungen, die das Team auf Basis der Ergebnisse von zehn verschiedenen Programmen zur Zählung der Beifänge zwischen 1981 und 2016 erstellte. Auch eine genaue Differenzierung nach Arten wurde nicht vorgenommen. Nach Ansicht der Wissenschaftler sind ihre Zahlen jedoch eher zu niedrig als zu hoch: „Die Schätzungen schließen noch keine Tiere ein, die zwar mit Kiemennetzen gefangen, aber ins Meer zurückgeworfen, als Köder verwendet wurden, sich aus einem Netz befreien konnten, aber anschließend starben oder sich in Geisternetzen verfingen“, erklärt die Studie.

Hunderte tote Delfine in Frankreich angespült

Auch in Europa rückte das durch die Fischerei verursachte Delfin-Sterben in den letzten Wochen in den Fokus der Öffentlichkeit. Zahlreiche Medien berichteten über die massenhaften Todesfälle an der französischen Atlantikküste. Bilder zeigten tote Delfine an den Stränden. Vor allem die Küsten des Golfs von Biskaya waren betroffen.

Open60 nett in Szene gesetzt. Delfine spielen mit der “Delta Dore” von Jérémy Beyou. © G. MARTIN-RAGET / SEA & CO

In diesem Jahr scheint das Delfin-Sterben besonders dramatisch zu sein. Die Beobachtungsstelle Pelagis zählte zwischen Jahresbeginn und Ende Februar rund 670 tote Tiere – mehr als im gleichen Zeitraum des letzten Winters, als bereits Rekordwerte erreicht worden waren.  

Volvo Ocean Race

Eine Gruppe Delfine begleitet Alvimedica beim Zweikampf mit Mapfre. © Amory Ross / Team Alvimedica / Volvo Ocean Race

Viele der hier verendeten Delfine wiesen Spuren von Fanggeräten auf. Sie seien höchstwahrscheinlich als Beifang in Fischernetzen gelandet, so Pelagis. Auch in diesem Fall vermuten Wissenschaftler, dass die Zahl der tatsächlich verendeten Delfine noch weit höher sein dürfte. Ein Großteil der toten Tiere sinke nämlich einfach auf den Meeresgrund, geben sie zu bedenken.

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