Motorboot überfährt Segelyacht: Fahrtensegler-Paar gestorben – Millionär nun doch schuldig

"Plötzliche Ohnmacht"

Fast acht Jahre lang konnte sich ein kroatischer Motorboot-Skipper vor einer Verurteilung retten, nachdem er in eine Segelyacht gerast war und zwei Menschen gestorben waren. Erst wurde er freigesprochen, nun muss er aber doch ins Gefängnis.

Die zerstörte Segelyacht. © Küstenwache

Für viele Kroaten war es ein Ärgernis, dass es dem Millionär Tomislav Horvatincic gelingen konnte, vor der Justiz zu bestehen. Das gängige Vorurteil schien sich zu bestätigen: Menschen mit gefüllter Börse haben es vor dem Gesetz einfacher. Die kroatische Rechtsprechung stand in der Kritik.

Wie konnte es sein, dass Horvatincic nicht belangt wird? 2011 war vor Primošten in Dalmatien mit seinem 10 Tonnen schweren 52-Fuß-Motorboot vom Typ Itama 26 Knoten schnell in die mit 4,5 Knoten segelnde italienische Fahrtenyacht gerast. Das damals 60-jährige Ehepaar Salpietro an Bord wurde bei dem Unfall getötet.

Tomislav Horvatinčić

In einem ersten Prozess hatte der Unternehmer, der sein Geld mit dem Bau von Bürogebäuden und Einkaufszentren verdient, das Unglück mit versagender Technik begründet. Er wurde zu drei Jahren Haft verurteilt. Aber 2016 bei der Berufungsverandlung änderte Horvatincic  seine ursprüngliche Aussage. Diesmal führte er einen medizinischen Grund an. Er will einen kurzzeitigen Kollaps (Synkope) erlitten haben, eine plötzliche Ohnmacht. 

Keine Hilfeleistung für die Opfer?

Juristisch führte dieser Kniff dazu, dass der Staatsanwalt kaum das Gegenteil beweisen konnte. Der Skipper wurde freigesprochen. Dabei spielte es keine große Rolle, dass sich der Kroate offenbar nicht gebührend um Hilfe für die Segler bemüht hatte. Er sagte aus, niemanden im Wasser entdeckt zu haben. Er besitze kein entsprechendes Beiboot, mit dem er hätte suchen können. Ein zweiter Mann an Bord des Motorbootes bestätigte die Aussage.

Dabei sollen die Körper der verunglückten Segler im Wasser getrieben sein. Das gab jedenfalls der deutsche Zeuge Klaus Fuchs zu Protokoll, dessen Aussage nun bei der letzten Berufungsverhandlung in Zagreb den Unterschied ausgemacht hat.
Der inzwischen 74 Jahr alte Kroate wurde nun zu einer Gefängnisstrafe von 4 Jahren und 10 Monaten ohne Bewährung wegen fahrlässiger Tötung verurteilt. In der Urteilsbegründung heißt es, dass der Skipper vor dem Crash nicht das Bewusstsein verloren habe. Er habe einfach nicht aufgepasst.

Öffentlicher Druck

Eine große Rolle mag zuletzt auch der öffentliche Druck gespielt haben, denn die Verhandlung stand unter intensiver Beobachtung. Für viele Kroaten stand nicht weniger als die Glaubwürdigkeit des Rechtsstaates auf dem Spiel.

Denn Horvatincic ist der Justiz kein Unbekannter. In den vergangenen zwanzig Jahren stand er mehr als 20 Mal wegen verschiedenster Anklagen vor Gericht. 1980 verursachte er schuldhaft einen Verkehrsunfall und beging offenbar Fahrerflucht. Eine Frau starb, aber Horvatincic kam mit einer sechsmonatigen Strafe auf Bewährung davon und verlor nicht einmal seinen Führerschein.

1989 starb eine weitere Frau nach einem Zusammenstoß, den er durch erhöhte Geschwindigkeit verursacht haben soll. Er wurde ebenso wenig angeklagt wie 2009, als er erneut auf einer Kreuzung kollidierte, es bei der vierköpfigen Familie im gegnerischen Auto aber nur zu leichten Verletzungen kam.

Immer kam der betuchte Immobilien-Unternehmer davon. Und belastende Zeugen änderten schon mal ihre Aussagen. Könnte das auch diesmal wieder passieren? Sein Anwalt hat schon einen erneuten Einspruch angekündigt. Er ist davon überzeugt, dass die Entscheidung nicht aufrecht gehalten werden kann.

Absolut sicher können sich Segler in den kroatischen Gewässern also noch nicht sein. Horvatincic soll sich schon nach einer neuen Motoryacht umgesehen haben.

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

Ein Kommentar „Motorboot überfährt Segelyacht: Fahrtensegler-Paar gestorben – Millionär nun doch schuldig“

  1. avatar Jens sagt:

    Moin, wie schaut es denn mit einem Probe Abo aus?

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