Nachhaltigkeit: Studenten bauen Segelboot – erfolgreiche Jungfernfahrt

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Vom Ruder bis zum Mast ihres Skiffs haben Studierende der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe (TH OWL) alles selbst gebaut. Das meiste aus nachwachsenden Rohstoffen – Holz und Holzwerkstoffen.

Steffen Wenk, Professor Adrian Riegel, Justus Doerfert und Sebastian Plate (v.l.) holen ihr Skiff nach erfolgreicher Jungfernfahrt auf dem Steinhuder Meer aus dem Wasser © TH OWL, Pia Schlegel

Ziel der Projektgruppe war eigentlich der italienische 1001 Vela Cup, bei dem Hochschulteams mit Booten an den Start gehen, die zu mindestens 75 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen gebaut sind. Zwar wurde die Regatta letztlich coronabedingt für dieses Jahr abgesagt, das eigens konstruierte Boot konnte nun aber trotzdem erstmals zu Wasser gelassen werden.

Die Idee für den Bau kam Holztechnik-Student Justus Doerfert vor anderthalb Jahren. Aus ersten Zeichnungen per Hand entstand mithilfe von Kommilitonen ein 3D-Modell am Computer, dann der Prototyp, der im Januar auf der boot Düsseldorf vorgestellt wurde, um Werbung für den Werkstoff Holz bei schnellen Booten zu machen. Einige Beschläge und einen Querschnitt des späteren Masts stellten die Studierenden mit Lasercutter und 3D-Drucker im FabLab der TH OWL und im SLS-Drucker der SmartFactory OWL her, berichtet die Hochschule. Schwert und Ruder wurden CNC-gefräst. Die meisten Bauteile sind aus Holz, auch um Abfall zu vermeiden. Das fertige Skiff ist nun rund viereinhalb Meter lang, etwa zwei Meter breit und hat eine Segelfläche von rund 30 Quadratmetern. Wegen des geplanten Regatta-Einsatzes lag das Gewichtsziel bei maximal 100 Kilo.

Das erste Mal im Wasser: Das Segelboot des Studierenden-Teams der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe mit Vorschoter Sebastian Plate © TH OWL, Pia Schlegel

Bei der Bauweise habe sich die Gruppe für die klassische Variante entschieden, verrät ein Hochschulbericht. Das heiße: eine Mischung aus Leisten auf Spanten beziehungsweise Platten auf Rahmen. „Der Rahmen beziehungsweise das Gerüst besteht nur aus wenigen Millimeterdicken Sperrholzplatten, die geschlitzt ineinandergesteckt werden. Um alle Aussparungen problemlos auch mit scharfen Innenecken fertigen zu können, wurde das Bootsbau-Sperrholz mit Epoxidharz grundiert und dann auf einer Wasserstrahlschneidanlage geschnitten. Zusätzlich wurden noch Senten aus Kiefer eingezogen. Für die Seitenborde haben die Studierenden Sperrholz unterschiedlicher Dicke durch Schäfte verbunden. Für den Boden des Rumpfes hat ein Student im Rahmen seines Studiums Spezial-Planken entwickelt.“

Die verschiedenen Holzarten für das Boot wurden dabei entsprechend des jeweiligen Anspruchs ausgewählt. Das Ergebnis: Der Baum des Bootes ist aus Esche, der Mast aus Oregon Pine. Und für die Beplankung wurde aus drei verschiedenen Holzarten sogar ein eigener Holzwerkstoff hergestellt. Aber auch Hölzer, die normalerweise nicht im Schiffbau verwendet werden, sind im Skiff verbaut, etwa indem sie durch den Einsatz von Klebstoffen so behandelt wurden, dass keine Feuchtigkeit eindringen kann.

Zufrieden mit ihrem selbstgebauten Skiff: Justus Doerfert, Steffen Wenk, Sebastian Plate und Professor Adrian Riegel von der TH OWL (v.l.) © TH OWL, Pia Schlegel

Die Materialkosten schätzt das Team auf rund 9.000 Euro. Zudem würden natürlich etliche Stunden Arbeit im Bootsprojekt stecken, so die Gruppe. Rund 60 Studierende, begeisterte Segler wie auch absolute Segel-Neulinge, hätten sich nämlich insgesamt am Projekt beteiligt – auch in ihrer Freizeit.

Dementsprechend groß war die Freude nun nach der erfolgreichen Jungfernfahrt auf dem Steinhuder Meer. „Fährt gut“, stellte Vorschoter Sebastian Plate, der nach seinem Studium wissenschaftlicher Mitarbeiter an der TH OWL ist, erleichtert fest. An ein paar Stellen müsse man erwartungsgemäß noch nachjustieren, bilanzierte das Team. „Es gibt ein paar Sachen, bei denen wir uns noch wundern, weshalb sie nicht so funktionieren, wie sie sollen. Auf der einen Seite hat der Mast zum Beispiel gedreht, auf der anderen nicht“, erklärte Professor Adrian Riegel. Durch die Regattaverschiebung bleibt dem Team aber nun noch jede Menge Zeit, das Boot auf Herz und Nieren zu prüfen und für einen möglichen Regatta-Einsatz 2021 fit zu machen.

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