Nachwuchs: Warum jedes Kind segeln sollte – auf dem Wasser ticken die Uhren anders

Schule fürs Leben

Kinder an Bord – nur cool © eitzinger

Fünf Gründe, die Segeln im Leben eines Kindes zur unersetzbaren Erfahrung machen. Vom Gleichgewicht zwischen Social Media und sozialem Miteinander, der Lust am Abenteuer, verbesserter Arbeitsmoral und mehr. 

„Das Segeln ist eine Lebensschule, in der jeder lernt, sich ins Team einzureihen. Das ist entscheidend für den Erfolg bei der täglichen Arbeit“, sagte einst Admiral’s-Cup-Teilnehmer Hans H. Lubinus. So weit, so gut.

Glück, Familie, Kinder an Bord, Weltumseglung

Hausaufgaben in der Bordzwergenschule © vixen

Nicht nur Segler dürften sich einig sein, dass sich hier noch etliche weitere Punkte ergänzen ließen. Denn wohl kaum irgendwo können so viele wertvolle Erfahrungen fürs Leben gesammelt werden wie beim Segeln. Also ab mit den Kindern aufs Wasser, oder? Fünf der wahrscheinlich abertausend Gründe, die dafür sprechen:

Balance

Smartphone, Tablet, Computer: Unsere Kinder sind Digital Natives, sie wachsen in einer digitalen Welt auf. Verteufeln muss man das nicht.

Die Jüngsten warten auf ihren Einsatz. © Josip Sosic

Ein gesundes Gleichgewicht zwischen dieser und der Welt da draußen in der Natur ist aber trotzdem wichtig. Beim Segeln wird Kindern zwangsweise der Stecker gezogen. Statt Social Media und Co. gibt‘s hier Wind und Wellen satt.

Bindung

Auf dem Wasser ticken die Uhren anders. Wir können uns nicht ablenken lassen, haben Zeit zum Reden, zum Lachen, zum Schweigen – und arbeiten gemeinsam daran, unser Boot ans Ziel zu bringen. Wer miteinander segelt, kann sich nicht aus dem Weg gehen, sondern muss zusammenarbeiten. Was könnte eine Familie also enger verbinden als ein gemeinsamer Tag auf See?

Abenteuer

Jedes Kind, das einmal über den weiten Ozean bis zum Horizont geschaut hat, wird wohl von ihr infiziert: der Abenteuerlust. Segeln heißt die Welt erkunden und ist immer auch eine Reise ins Unbekannte.

Mehr Kinder in den Optis holen © ljm-bw.de

Raus aus dem Alltag, der gewohnten Umgebung geht es hinaus aufs Meer, den See, eben an neue Orte. Vollständig berechenbar ist ein Törn dabei nie. Allein der Wind kann alle Pläne in Nullkommanichts durchkreuzen und ein schnelles Umdenken erfordern.

Arbeitsmoral

Segeln bringt Spaß, ist aber auch harte Arbeit. Und das ist gut so: An Bord lernen Kinder nicht nur wichtige Lektionen rund um Teamarbeit, Organisation, Bootspflege etc., sondern auch, dass ihre Mühe einen direkt sicht- und spürbaren Effekt hat. Klar, theoretisch können sie das auch beim Müll rausbringen lernen.

Mini Transat 2017, Vorbereitung

Vierzig Kinder auf 6.50 Metern Länge… da braucht man Nerven wie Drahtseile! © tessloff

Aber Hand aufs Herz: Ein erfolgreicher Tag am und auf dem Wasser ist irgendwie eine bessere Erfahrung als ein leerer Mülleimer. Beim Segeln bekommt Arbeit ganz automatisch einen positiven Anstrich.

Wissenschaft

Segelboote sind meisterhafte Erfindungen. Wer sich auf ihnen mithilfe des Windes fortbewegt, erlebt das hautnah. Und das ist die beste Voraussetzung dafür, Neugierde zu entwickeln – für die Welt der Wissenschaft von der Aerodynamik bis hin zur Meteorologie. Was in der Theorie trocken, kompliziert und vor allem unheimlich fern erscheinen mag, macht in der Praxis auf einmal viel mehr Sinn.

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5 Kommentare zu „Nachwuchs: Warum jedes Kind segeln sollte – auf dem Wasser ticken die Uhren anders“

  1. avatar A sailor sagt:

    Und wenn die Eltern der segelnden Kinder noch ein wenig abschalten und den Helikoptermodus verlassen und den Nachwuchs einfach mall alleine lassen, words such was MIT dem Segelnachwuchs…

    Was ist denn cooler als seinen Kumpels in der Schule erzählen zu können das man mit seinem Boot alleine auf dem See rumgeglitscht ist…

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 9 Daumen runter 4

  2. avatar Jugendwart sagt:

    Das ist leider falsch. Es springen uns die Kinder ab, die NICHT von ihren Eltern gefördert und auch mal über ein emotionales Tief rübergeholt werden. Es gibt 5 Gründe, weshalb die Kinder abspringen. Die Eltern sind im Regelfall nicht als Grund darunter, ausser sie übertrieben es in der Tat maßlos. Einer der Gründe ist übrigens “fehlende Wasserzeit”, ein Phänomen welches man hat, wenn man die Eltern aussen vor lässt. Die anderen Gründe sind laut einer jüngsten MaFo übrigens

    1) Angst
    2) keine Freunde
    3) Teamsportarten
    4) “ich hatte von Anfang an kein Bock”

    Früher gab es noch den Absprunggrund “kalt&nass”, der ist aber in Zeiten von DryFashion oder Zhik Geschichte.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 5 Daumen runter 4

    • avatar A sailor sagt:

      OK
      zu 4:) Waum segelt das Kind dann ??
      zu 2) und 1) das liegt dann aber wohl an dem der die Kinder betreut
      und zu 3) Das ist ja das schöne am Segel es ist sowohl Team als auch Individual.
      Wenn von den 10 Fussballkumpels 5 nicht kommen schauen die anderen 6 in die Röhre. Mit meinem Open BIC hab ich aber auch alleine oder gegen den Kumpel Spaß.

      P.S. muss ich wissen was MAFO ist?

      Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 5 Daumen runter 7

      • avatar Geronimo sagt:

        MaFo = Marktforschung

        Die Kinder springen ab, weil ihre Freunde nicht segeln sondern anderen, weniger mühevollen Tätigkeiten nachgehen.

        In motorischer Hinsicht hinken sie meist hinterher, da sie am Computer und an der Konsole hängen, statt draussen zu spielen, auf Bäume zu klettern und, zu balancieren, um sich feinmotorisch weiter zu entwickeln.

        Man hängt also lieber mit Freunden ab, und tauscht sich über die sozialen Medien aus, statt den anstrengen, zeitaufwändigen Bootssport zu betreiben.

        Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 1

  3. avatar Matze30 sagt:

    @ A sailor:

    “zu 2) und 1) das liegt dann aber wohl an dem der die Kinder betreut”

    sehr mutige Aussage!

    Mein Respekt jedem Jugendbetreuer der versucht die Kinder zum segeln zu bringen und und sie dabei zu halten!

    Definitiv gibt Kinder die sobald das Boot etwas krängt Angst bekommen.
    Zugegebener Weise: Bei den meisten verfliegt die Angst mit den ersten Kennerübungen auf dem Opti aber leider nicht immer! Genauso, wie es Menschen gibt, die Höhenangst haben.

    Besonders kleinere Vereine mit kleinen Jugendgruppen haben das Problem, dass die Jugendlichen zu keiner eigeschworene Gruppe werden wie es eben eine Fußballmanschaft ist (mit 2-3 mal die Woche Training).

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 8 Daumen runter 1

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