Near Miss: Fähre gegen 18 Footer – Wie damals, als es richtig schief ging

Aufs Korn genommen

Mit dem Verhältnis zwischen Seglern und Fährkapitänen steht es nicht immer zum Besten. In der Bucht von Sydney sind sie mal wieder aneinander geraten. Die Situation erinnert an einen berühmten Crash.

Hupen hilft nicht immer, aber immer öfter. Das mag der Kapitän der Fähre denken, als er auf seinem Weg vom Hafen in Sydney zur Manly Halbinsel mit ihrem berühmten Strand die 18-Footer-Flotte aufs Korn nimmt. Immerhin stoppt er ab, vermeidet knapp den absoluten Crash, mangelt dann aber eine der Leetor-Bojen über.

Natürlich hat die Fähre eigentlich Vorfahrt, und wenn der Rennkurs in seinem Weg lag, mag auch etwas bei der Regatta-Organisation schief gelaufen sein. Aber die Segler hoffen doch immer auf Fähren-Führer, die nicht unbedingt auf ihr Recht pochen. In der Bucht von Sydney gehört dennoch das Antizipieren der Fährbewegungen schon immer zum Spiel dazu. Wo in Deutschland vermutlich keine Bootsbewegung unter Segeln erlaubt wäre, erheben die Australier das Miteinander auf dem Wasser zur Kunst.

Fähre verirrt sich im 18 Footer Feld. © 18 Footer.org

Es klappt allerdings nicht immer. Alle paar Jahre kommen sich regelmäßig Segler und Fähren zu nahe. 2017 passierte der letzte spektakuläre Fall, als eine Yacht ihr Rigg verlor, und die Crew von Bord sprang:

Fähren-Crash mit Segelyacht im Dezember 2017

Besonders die 18 Footer haben ihre Probleme beim Ausweichen. Die großen Skiffs können unter Gennaker mit einer dreiköpfigen Crew im Trapez ihren Kurs nur kaum ändern.

So wäre es bei dem aktuellen Fall fast wieder zum Desaster gekommen. Wie 2015, als der Steuermann Ash Rooklyn zugab, eine Fähre schlicht übersehen zu haben. Er hatte dramatische Sekunden zu überstehen, als er sich kurzzeitig im Wasser unter dem gebrochenen Rigg verhedderte:

18 Footer Überbleibsel nach einen Fähren-Crash 2015. © Frank Quealey /Australian 18 Footers League

Und mit solchen Situationen ist selbst bei “normalen” Kenterungen auf einem 18 Footer nicht zu spaßen. 2013 ist es zu einem Todesfall gekommen. 2016 hätte sich die Geschichte fast wiederholt.

Bei einem Rennen in Sydney kollidiert ein 18-Footer mit einer Fähre. Die Crew springt rechtzeitig ab.

Aber besonders den älteren Segelfans ist noch ein legendärer Crash mit einer Fähre in Erinnerung, der sich auf ähnliche Weise, wie der aktuelle Fall entwickelte. Die Amerikaner Jonathan und Charlie McKee, FD-Olympiasieger und 49er Weltmeister, werden im Hafen von Sydney von einer Fähre in voller Fahrt erwischt:

Die 18 Footer Saison in Australien ist auch in diesem Jahr wieder in vollem Gange und steuert auf den Höhepunkt zu. Die JJ Giltinan Trophy ist die wichtigste Regatta der Dreimann-Skiffs und startet im März.

In der vergangenen Saison raste in diesem Rahmen auch ein deutsches Boot durch die Bucht von Sydney. Prinz Heinrich von Bayern, der nicht zuletzt durch seine Heirat mit einer Seglerin in den bunten Blättern auftauchte, startete mit Andy und Tom Martin vom BSCF Chiemsee im Feld der 25 Boote und platzierte sich im Feld der Skiff-Profis auf Rang 18. Der Sportwart des Bayerischen Yacht-Clubs ist seit vielen Jahren in den Skiff-Klassen aktiv. 

Heinrich von Bayern bei der JJ Giltinan Trophy in Sydney 2019. © Australian 18 Footers

2019 unterwegs in Sydney: Prinz Heinrich von Bayern.© Australian 18 Footers

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

Ein Kommentar „Near Miss: Fähre gegen 18 Footer – Wie damals, als es richtig schief ging“

  1. avatar Kugelfisch sagt:

    Der Fährkapitän hat meiner Meinung nach nichts falsch gemacht.
    Er hat erkannt, dass viele Segler im Weg sind, gibt Signal und stoppt fast bis zum Stillstand. Was hätte er noch tun sollen oder können?
    Bei den Seglern sind allerdings einige Kandidaten dabei, die müssen sich fragen lassen, ob sie noch ganz bei Trost sind. Speziell das Boot mit dem roten Gennaker fährt der der Fähre noch vor den Bug, als andere Boote längst gestoppt und/oder abgedreht hatten – da hupt der Fährkapitän zurecht noch mal. Und er mangelt die Boje auch nicht unter, die Fähre touchiert sie mit dem Rumpf, ohne Schäden zu hinterlassen. Ich denke mal, er war primär damit beschäftigt, keinen Regattateilnehmer zu erwischen, da wird ihm die Boje nicht ganz so wichtig gewesen sein.
    Fehler haben in meinen Augen einige Regattateilnehmer gemacht – und vor allem der/die Kurssetzer, denn die Boje liegt praktisch mittig im Fährweg. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass die Fähre vom Weg abgekommen ist, denn im Normalfall fahren die mit GPS-gekoppeltem Autopiloten fast auf den Meter genau.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 6 Daumen runter 0

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