Neue Windparks in Nord- und Ostsee geplant: Bis 2040 wird es eng auf den Meeren

Flickenteppich im Meer

Im Zuge der Energiewende entstehen in Nord- und Ostsee mehr und mehr Windparks. Sie sind ein wichtiger Teil im Kampf gegen den Klimawandel. Doch wie stark schränken sie den Schiffsverkehr ein und dürfen Segler hindurchsegeln?

Windpark vor England. Bild: Nicholas Doherty/Unsplash

Bis zum Jahr 2030 sollen Windkraftanlagen auf See eine Leistung von 20 Gigawatt erzeugen. Bis zum Jahr 2040 sollen sogar bis zu 40 Gigawatt auf See erzeugt werden, um die Energiewende in Deutschland zu unterstützen. Für Segler bedeutet dies: Es wird eng auf Nord- und Ostsee. Denn dieses Ausmaß an Energiegewinnung erfordert ein ebenso so hohes Ausmaß an eingenommener Fläche im Meer.

Doppelt so groß wie Mallorca

Allein in der Nordsee müsste circa 22 Prozent der Wasserfläche für Offshore-Parks reserviert werden. Das ergäbe eine Fläche, die beinahe zwei Mal so groß wie die Baleareninsel Mallorca wäre. Der Naturschutz befürchtet, dass das Meer so zu einer Industriezone mit negativen Begleiterscheinungen für die Biodiversität wird.

Erst im Februar 2021 veröffentlichte da Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) die Flächenvoruntersuchung von zwei geplanten Windparks in der Nordsee und einem in der Ostsee. 958 Megawatt Leistung soll auf diesen drei Flächen insgesamt erbracht werden.

Es mag eine ambivalente Entwicklung sein, die sich auf den Wasserflächen vor Deutschlands Küste abspielt. Zum einen können wir den Klimawandel unter anderem nur durch eine emissionsfreie Energiegewinnung aufhalten und zum anderen gefährden wir die Meere und Umwelt.

Die Lage der Offshore-Windparks in der Nordsee (Stand 2020). Bild: Maximilian Dörrbecker/CC

Für die Schifffahrt hat dies selbstverständlich auch Auswirkungen, denn die Großschifffahrt wird in immer enger werdende Korridore gezwängt. Für die Sportschifffahrt gelten diese Korridore nicht – oder vielleicht doch?

Erlaubt oder nicht erlaubt?

Allgemein gilt, dass Offshore-Windparks während der Bauzeit nicht befahren werden dürfen. Das gilt auch für Parks im Ausland, wie beispielsweise vor England oder den Niederlanden. Doch damit hören die Gemeinsamkeiten schon auf. In Deutschland wird sogar eine – vermeintlich – einheitliche Regelung suggeriert.

Auf elwis.de, dem Online-Portal der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung, lässt sich folgendes zu Offshore-Windparks nachlesen:

„Für in Betrieb befindliche Windparks erlässt die GDWS Regeln für das Befahren der Sicherheitszonen mit Fahrzeugen, deren Rumpflänge 24 Meter nicht übersteigt. Dieses ist besonders für die Führer von Sportfahrzeugen wichtig, die sonst unter Umständen große Umwege fahren müssten. Diese Vorschriften werden in der Form von Allgemeinverfügungen für das Befahren von Windparks erlassen. Bei der Navigation in der Nähe der Windparks ist auf Kleinfahrzeuge innerhalb oder in unmittelbarer Nähe der Windparks zu achten, die nicht der AIS-Ausrüstungspflicht unterliegen und die im Radar schlecht auszumachen sind. Zwischen den Anlagen und dem Festland muss mit Starkstromkabeln gerechnet werden.“

Und weiter, zusammenfassend:

„Bei errichteten und in Betrieb befindlichen Windparks werden die Voraussetzungen für das Befahren der Sicherheitszonen für Fahrzeuge, deren Rumpflänge 24 Meter nicht übersteigt, durch eine Allgemeinverfügung der GDWS geregelt.“

Auf den ersten Blick liest es sich, als ob es kein Problem sei, durch Windparks zu segeln beziehungsweise abzukürzen. Ähnliche Regelungen gibt es auch in den Niederlanden und auch in England. Doch in Deutschland existiert für jeden einzelnen Windpark eine gesonderte Allgemeinverfügung. Und in beinahe allen Allgemeinverfügungen kommt die „24-Meter-Regel“ nicht vor. Es gibt einige wenige Ausnahmen, wie beispielsweise der Windpark „Baltic 1“ in der Ostsee oder „DanTysk“ und „Butendiek“ in der Nordsee, beide westlich von Sylt.

Falsche Referenz

Problematisch an diesem Flickenteppich ist, dass oft die Regelung des Windparks „Baltic 1“ als Referenz genannt und dann von Sportschiffern auf die restlichen Windparks übertragen wird. Denn in den Seekarten ist nicht vermerkt, welcher Windpark befahren werden darf und welcher nicht. Theoretisch müsste jede(r) Schiffsführer*in die für das Fahrtgebiet geltenden Allgemeinverfügungen mit an Bord haben. Eine absurde Vorstellung. Hier wird es Zeit, dass es eine bundes- oder gar europaweite Regelung gibt, die das Befahren von Offshore-Windparks vereinheitlicht.

Ein Kommentar „Neue Windparks in Nord- und Ostsee geplant: Bis 2040 wird es eng auf den Meeren“

  1. avatar joachim b sagt:

    Und meint ihr, mit * und I für mehr Klarheit zu sorgen ?
    Informationswelt eher gering

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