Ocean Cleanup: Team von Boyan Slat wertet Testphase im pazifischen Müllstrudel als Erfolg

Der große Fang?

Nach einem Testlauf des neuen Müllsammelsystems „002“ zeigt sich das Ocean-Cleanup-Team zufrieden und verkündet einen „Rekord-Fang“. Das überzeugt allerdings nicht alle.

Die Organisation The Ocean Cleanup, die der Niederländer Boyan Slat 2013 im Alter von gerade einmal 18 Jahren ins Leben gründete, will bis 2040 90 Prozent des schwimmenden Plastiks aus den Weltmeeren fischen. Schon seit den Anfängen informiert SegelReporter über die ambitionierten Ideen, Fortschritte, aber auch zahlreichen Rückschläge, die es im Laufe der letzten Jahre gegeben hat.

Das Konzept eines vollständig wind-, wellen- und strömungsgetriebenen Müllsammelsystems etwa wurde mittlerweile verworfen. Das neue „System 002“ alias „Jenny“ verfolgt einen etwas anderen Ansatz. „Eine wesentliche Verbesserung des Entwurfs ist die Nutzung eines aktiven Antriebs, um das System etwas schneller als die Plastikströme im Wasser zu bewegen“, erklärt The Ocean Cleanup. Während der Testphase im Great Pacific Garbage Patch, dem größten bekannten Müllstrudel, der nach Schätzung der Gruppe aus mindestens 79.000 Tonnen Plastik besteht, schleppten zwei Schiffe das hufeisenförmige Auffangsystem über die Meeresoberfläche.

Projekt-Sprecher Joost Dubois erklärte im September bereits: „Jenny hat alles übertroffen, was wir bisher gemacht haben.“ Vor wenigen Tagen wurde dann in den sozialen Medien der Abschluss der Testphase verkündet. Das zugehörige Video, das die Müllausbeute zeigt, trug den Titel „Rekord-Fang“.

Doch nicht alle überzeugt die bisherige Bilanz von Boyan Slat und seiner Crew. Nachdem es in der Vergangenheit bereits viel Kritik gehagelt hatte, unter anderem dafür, dass sich The Ocean Cleanup mithilfe von Unternehmen finanziert, die selbst als Umwelt- und Meeresverschmutzer gelten, zweifeln einige Kritiker nun erneut die Effektivität der Arbeit an.

Die New York Post schrieb, dass The Ocean Cleanup acht Jahre und 51 Millionen US-Dollar an Spenden benötigt habe, um ein System zu entwickeln, das innerhalb eines Monats 8,2 Tonnen Plastik aus dem Meer entferne. „Das ist weniger als die normale Ladung eines Müllwagens.“ Umweltschützer bemängelten zudem, dass die Schiffe erhebliche CO2-Emissionen verursachen würden.

Das Ocean-Cleanup-Team erklärte hierzu, den hohen Treibstoffverbrauch mit dem Kauf von Emissionsgutschriften auszugleichen, bis es eine weniger umweltschädliche Lösung gebe. Das Ende der Entwicklungsphase ist nach seinen Angaben ohnehin noch nicht erreicht. Die Organisation kündigte bereits „System 003“ an. Fertig sei man erst, wenn das Konzept möglichst effektiv und zugleich skalierbar sei.

 

4 Kommentare zu „Ocean Cleanup: Team von Boyan Slat wertet Testphase im pazifischen Müllstrudel als Erfolg“

  1. avatar Harrie Jasses sagt:

    Saubere Ozeane sind ein lohnenswertes Ziel und es wird viele verschiedene Ansätze brauchen um es zu erreichen. Ocean Clean Up kann ein Mosaikstein sein. Sollte die Entwicklung irgendwann ein System hervorbringen, dass sich selber trägt, wird niemand mehr nach den Entwicklungskosten fragen. Ob das jemals gelingt ist natürlich völlig offen. Aber ein Versuch ist es alle mal wert. Aber vielleicht ist die Realität auch wieder ganz anders. Dazu einfach mal als Ergänzung zu diesem Thema ein kurzes Video:

    https://youtu.be/fsjvwQclGLo

  2. avatar PL_entzian sagt:

    …gib einem asiatischen oder südamerikanischen Müllwagenfahrer 51 Dollar, damit er seine Fuhre nicht in den Fluss sondern auf der Deponie abkippt —- derselbe Effekt. Und leicht skalierbar!

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  3. avatar de_müller sagt:

    Das müsst Ihr jetzt sperren!
    So viel Dummheit und Kurzsichtigkeit ist schlicht unglaublich!

    Die Müllwagenfahrer in Asien und Südamerika sind also “Schuld” (TM) dass der ganze Mist in den Meeren landet?

    Aber offensichtlich ein PL … Premium Leser

    • avatar PL_sven_westphal sagt:

      Jetzt weiß ich auch mal wofür das PL steht… ☝️😅
      Wenn wir schon mal dafür sorgen würden, dass asiatische Müllwagenfahrer nicht UNSEREN Müll, wo auch immer hinkippen, dann wären wir auch schon ein ganzes Stück weiter…

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