Öko-Motte: Neue Initiative und Wettbewerb zur Entwicklung nachhaltiger Boote

Bambus-Foiler als Vorbild

Ein neuer Wettbewerb soll den Bootsbau mit nachhaltigen Materialien fördern. Dabei probieren sich Studenten insbesondere beim Design von fliegenden Motten.

Die fliegenden Motten sind das Heißeste, was der Segelsport in jüngster Zeit aufs Wasser gebracht hat. Es ist noch nicht lange her, da konnte man sich nicht vorstellen, wie sich diese filigranen Gefährte heutzutage mit 30 Knoten über Meere und Seen bewegen.

Bambus Foiler

Der Bambus-Foiler ohne echten Rumpf. © Bamboo Boat

Möglich wurde diese Technik insbesondere durch die Entwicklung extrem leichter Kunststoffe wie Kohlefaser. Erst das geringe Gewicht erlaubte es den modernen Moth-Konstruktionen, sich von ihren Tragflächen aus dem Wasser heben zu lassen.

© Bamboo Boat

Nun gelten Segler nicht unbedingt als Öko-Sünder. Schließlich lassen sie sich von der Windkraft vorwärts treiben. Aber insbesondere beim Bau von High-Tech-Booten sind die verwendeten Materialien einer ausgewogenen Öko-Bilanz nicht gerade zuträglich – um es vorsichtig auszudrücken.

Deshalb hatten sich fünf französische Schiffbauingenieure, Holzprofis und Segler schon vor einigen Jahren zum Ziel gesetzt, eine Moth mit umweltfreundlichen Materialien zu bauen. Und es klappte tatsächlich.

© Bamboo Boat

Schon 2017 stellten sie einen aus Bambus gefertigten Rumpf mit einem minimalen Schwimmkörper vor, dessen Ausleger mit einem leichten Röhren-System verbunden sind.  Das Gras soll sich wegen seiner mechanischen Eigenschaften hervorragend für die Konstruktion eignen. Die Strukturen konnten mit in Epoxidharz getränkten Leinenfasern fixiert werden.

Das Projekt erzielte große Aufmerksamkeit, und jetzt ist daraus sogar ein Wettbewerb entstanden:

Im Rahmen der Foiling Week und mit Unterstützung der Umwelt-Stiftung 11th Hour Racing, die unter anderem mehrere Volvo-Ocean-Race-Projekte unterstützt hat, ist die SuMoth Challenge ins Leben gerufen worden. Ziel ist es, nachhaltigen Bootsbau zu unterstützen und fördern.

© Bamboo Boat

Dabei geht es u einen Designwettbewerb, der sich insbesondere an Studenten wendet. Wettbewerbsfähige Moth-Foiler sollen entwickelt werden, die gleichzeitig ökologische, soziale und wirtschaftliche Auswirkungen des Herstellungsprozesses berücksichtigen.

“Durch dieses Sponsoring mit 11th Hour Racing und durch die Nutzung der Kraft von Sport und Bildung werden wir mit den besten Schiffbau-Studenten zeigen, wie Nachhaltigkeit eine Rolle bei Höchstleistungen spielen kann”, sagte Luca Rizzotti, Gründer der Foiling Week.

“Wir glauben, dass die Foiling Fans verstehen, dass Innovation, Nachhaltigkeit und Leistung miteinander verbunden sind: Die nächste Generation von Yachtdesignern wird nun die Gelegenheit haben, mit den neuesten Werkzeugen und Technologien zu lernen und zu experimentieren. Die Zukunft des Segelns und die Gesundheit der Meere werden neue sachkundige und begeisterte Botschafter haben.”

Bislang haben bereits sechs Teams ihre Teilnahme angekündigt. Die Finanzierung von 11th Hour Racing unterstützt die Nachhaltigkeitsprinzipien und -ziele der SuMoth Challenge. Bei der Foiling Week 2020 am Gardasee sollen die Teams mit ihren Konstruktionen gegeneinander antreten.

Regeln und Registrierung für die SuMoth Challenge

 

 

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3 Kommentare zu „Öko-Motte: Neue Initiative und Wettbewerb zur Entwicklung nachhaltiger Boote“

  1. avatar Müller sagt:

    „Nun gelten Segler nicht unbedingt als Öko-Sünder.“ Diese Vorstellung trägt man ja gerne wie ein Mantra vor sich her. Leider lügt sich da der größere Teil der Segler selbst in die Tasche. Sei es die regelmäßige Anreise zum Boot (Auto, gerne größer, da Hänger oder gleich ein Flug), die Kleidung (Kunststoffgemische, geht ständig kapputt oder verloren) Verschleißteile (Segel, Leinen), das Antifouling das mit Kärcher und Schleifmaschine großzügig verteilt wird, immer riesigere Hafenanlagen und Infrastruktur, scharfe Reinigungsmittel gegen Gilb und Moos… von Anker durchpflügte Buchten, Abwasser und Toilette die fast überall ungebremst ins Meer gelassen werden, die Maschine, die „nur 1 Liter Diesel pro Stunde“ verbraucht (das sind in Wirklichkeit 9 Liter schlecht und ungefiltert verbrannter Diesel auf 100 Km), die Liste lässt sich unendlich fortführen.
    Was an Land hässliche Narben in der Landschaft hinterlässt verschwindet auf dem Wasser häufig nur unter selbigem oder wird vom Wind gnädig verteilt.
    Am Segeln ist alleine der Wind nachhaltig, wenn man ihn nutzt.

    Ein nachhaltig gebauter Rumpf ist dabei schon mal ein Gewinn, allerdings nur ein sehr kleiner. Und selbst der ökologisch ausgependeltste Bambus verwandelt sich in Epoxy getränkt doch wohl wieder zu Sondermüll?!?

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 13 Daumen runter 0

    • avatar Andreas Borrin sagt:

      Fast alles richtig, leider. Bis auf, dass “in Epoxy getränkter Bambus” kein Sondermüll ist, denn der wird durch folgende Eigenschaften gekennzeichnet:

      explosiv
      brennbar
      luftgefährdend
      wassergefährdend
      krankheitserregend
      gesundheitsgefährdend

      die er nicht aufweist.

      Richtig ist vielmehr, dass eine Faser (auch eine biologische), die man mit herkömmlichem Epoxy umgibt oder gar tränkt, nicht mehr verrotten kann. Auch eine vermeintlich kompostierbare Matrix hilft da wenig; die Erkenntnis ist leider, dass die “kompostierbaren” Kunststoffe derart lange zum Kompostieren benötigen, dass sie die Plastik-Problematik auch nicht wirklich lösen können.

      Epoxy und Polyester sind als gut ausgehärtete Duroplaste inert, d.h. sie gehen keine weiteren Verbindungen ein. Ebenso Glas- und insbesondere Carbonfasern. Das macht geschredderte GFK ooer CFK-Boote wenigstens endlagerfähig, immerhin. Auch als Füllstoffe kann man sie verwenden oder energetisch verwerten.

      Der eigentlich Vorteil der Verbundwerkstoffe besteht in der gewichtsbedingten Energieersparnis während der Verwendungszeit der daraus gebauten Komponenten; deswegen machen Composites überall dort Sinn, wo Dinge (Fahrzeuge, maschinen etc.) mit Energie bewegt werden. da stehen natürlich die Flugzeuge an erster Stelle, gefolgt von Autos und Schienenfahrzeugen und irgendwann auch Schiffen und Booten. Hinzu kommt der Vorteil der Korrosinsbeständigkeit.

      Das beschriebene Projekt ist ein Anfang und darum grundsätzlich zu begrüßen. Deutlch mehr Potentiale sehe ich da aber eindeutig in der Vermeidung der Umweltsünden, die Müller ganz richtig beschreibt und im Erlernen und Leben eines ökologisch sinnvollen Verhaltens.

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  2. avatar Roar sagt:

    Werkstoff und Konstruktionsprinzip wurden offenbar von den Bambus-Fahrrädern abgeguckt:

    https://utopia.de/ratgeber/bambus-fahrrad-spannende-modelle/

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