Ölzeugpflege: So machen Sie ihre Segeljacke und Segelhose fit für die Saison

Reif für die Wäsche

Perlt der Regen nicht mehr am Material der Segeljacke ab, lässt sich der neuwertige Zustand leicht wieder herstellen. Außerdem hält das Ölzeug bei der richtigen Pflege länger. Wir zeigen, wie es geht

Ölzeug Pflege

Mit der richtigen Pflege strahlt das Ölzeug wie neu Bild: Kai Köckeritz

Wenn das Wasser auf dem Ölzeug nicht mehr abperlt, saugt sich das Obermaterial mit Wasser voll. Bei einer intakten wasserdichten Membran bleibt die Kleidung unter der Jacke zwar trocken, aber für den Träger ergeben sich unangenehme Auswirkungen: Sobald das Obermaterial durchtränkt ist, wirkt das Wasser wie eine Versiegelung, sodass die Atmungsaktivität eingeschränkt oder gar aufgehoben wird. In der Folge sinkt der Tragekomfort rapide, und der Körper beginnt zu frieren, da das nasse Gewebe die Wärme schneller abtransportiert. Je nach Art der Bewegung an Bord, wird auch der Rest der Kleidung durch den Schweiß nass. Die Vorteile moderner Funktionsbekleidung, wasserdicht und gleichzeitig at­mungsaktiv zu sein, sind somit aufgehoben.
Die Imprägnierung einer Jacke lässt sich jedoch leicht wieder auffrischen. Doch was ist eine Imprägnierung eigentlich?

Der Lotus-Effekt

Um die Beeinträchtigung der Atmungsaktivität zu verhindern, wird das Obermaterial werkseitig aus mit einer wasserabweisenden Schicht geschützt. Die sogenannte DWR (Durable Water Repellent) lässt Wasser abperlen und verhindert, dass Wasser, Schmutz und Öl in das Gewebe eindringen können. Wasser hat die Eigenschaft, sich zu einer Kugel zu formen, um die Oberfläche zu minimieren. In der Schwerelosigkeit lässt sich die Eigenschaft am besten beobachten: Wasser bildet wabernde, schwebende Kugeln. Sobald Wasser – im All oder auf der Erde – jedoch mit einem festen Stoff in Verbindung kommt, wirken Kräfte, die verursachen, dass das Wasser auf der Oberfläche des Stoffes haftet und sich auf ihr verteilt. Das Ziel einer wirkungsvollen Imprägnierung ist es, die Kontaktfläche zwischen Wasser und Oberfläche so weit zu reduzieren, dass das Wasser kaum Fläche zum Haften hat und von selbst in eine Kugelform übergeht. Die Natur hat sich dieses Verhalten schon lange zunutze gemacht und bei der Lotuspflanze zur Perfektion gebracht. Die äußere Schicht der Blattoberfläche ist mit vielen, nur wenige Mikrometer großen Erhebungen mit natürlichem Wachs versehen. Durch die hydrophoben (wasserabweisenden) Wachse und die hohe Oberflächenspannung des Wassers kommt ein Großteil des Wassers nicht mehr in Kontakt mit der Oberfläche und bildet seine natürliche Form: eine Kugel. In der Kugelform und der kaum vorhandenen Haftung an der Oberfläche perlt das Wasser einfach ab. Von der Industrie wurde dieses Prinzip kopiert und nach der Pflanze folgerichtig Lotus-Effekt genannt.

Die hydrophobe Schicht verhindert auch eine Zersetzung der empfindlichen, wasserdichten Membran unter dem Außengewebe. Gerade eindringendes Salzwasser kann der Sperrschicht schaden und sie auf Dauer undicht werden lassen.

Abnutzung der Imprägnierung im Einsatz

Mit der Zeit nutzt sich die Imprägnierung allerdings ab und Wasser perlt immer schlechter ab, bis es schließlich in den Stoff einzieht. Wenn das Ölzeug intensiv genutzt wird und einem starken mechanischen Abrieb durch Segel oder Rettungsweste unterliegt, verabschiedet sich die Imprägnierung womöglich schon nach einer Saison oder verliert spürbar ihre Wirkung. Glücklicherweise lässt sich die wasserabweisende Schicht aber wieder in eine neuwertige Funktionsweise zurückversetzen. Ist das Ölzeug erst eine Saison alt, genügt es in vielen Fällen schon, die Bekleidung auf niedriger bis mittlerer Stufe für eine halbe Stunde in den Trockner zu geben. Durch die Wärme kann die originale Imprägnierung wieder aufgefrischt werden. Falls die Jacke anschließend noch immer mehr einem Schwamm ähnelt, muss eine neue Imprägnierung aufgetragen werden.

Pflege Etikett

Das Etikett erklärt, wie das Ölzeug behandelt werden sollte Bild: Kai Köckeritz

Ölzeug richtig pflegen

Die Aussage, Ölzeug müsse eine Patina besitzen und nie gewaschen werden, trifft nicht zu. Zumindest sollte die Bekleidung regelmäßig und ausführlich mit Süßwasser gespült werden, damit im Gewebe festsitzende Salzkristalle ausgespült werden. Es ist wichtig, dass das Bekleidungsteil vor dem Imprägnieren sauber ist. Allerdings nicht mit haushaltsüblichen Waschmitteln, da Waschmittelrückstände eine Haftung des späteren Imprägniermittels verhindern. Jeder Hersteller von wasserabweisenden Applikationen bietet oder empfiehlt für den Zweck in der Regel ein spezielles Waschmittel an. Da die mechanische Belastung für die Membranen im normalen Waschprogramm zu groß wäre, sollte mit möglichst geringen Umdrehungen gewaschen werden.

Neue Imprägnierung auftragen

Die neue hydrophobe Schicht kann auf zwei verschiedene Arten aufgetragen werden: entweder während der Wäsche durch ein Einwaschmittel oder nach der Wäsche durch ein Spray. Wird das Ölzeug selten getragen und soll nur hin und wieder vor einem Regenschauer schützen, ist das Einwaschen der Imprägnierung die einfachste Lösung. Hierzu wird in das Weichspülerfach der Waschmaschine das Imprägniermittel gegeben, das die Maschine erst ganz zum Schluss und nach dem Ausspülen der Waschlösung in die Trommel führt. Allerdings wird logischerweise auch die Innenseite der Garnitur imprägniert, sodass die Funktion der Membrane beeinträchtigt werden kann. Wird das Ölzeug regelmäßig und unter anspruchsvollen Bedingungen getragen, ist das nachträgliche Einsprühen die bessere Wahl, da nur das Außenmaterial imprägniert wird und das Mittel richtig in den Oberstoff eingearbeitet werden kann. Die Methode ist mit mehr Aufwand verbunden, aber im Endeffekt wirkungsvoller.

Erst Wärme aktiviert die Imprägnierung

Erst unter Zuführung von Hitze erlangt die neue wasserabweisende Schicht ihre volle Wirkungsweise, da die Wärme die Mikrometer kleinen Erhebungen wieder aufrichtet. In einem Praxisversuch wuschen wir jeweils eine Jacke mit der gleichen Imprägnierung. Eine Jacke trocknete an der Luft, die andere im Trockner. Die an der Luft getrocknete Jacke zeigte zwar wasserabweisende Eigenschaften, aber auf der im Trockner behandelten Jacke perlte das Wasser ab, wie bei einer Jacke frisch von der Stange. Einige Hersteller geben an, dass die Bekleidung nicht im Trockner getrocknet werden sollte. Auch wenn andere Hersteller den Einsatz des Trockners erlauben, sollte das Pflegeetikett beachtet und befolgt werden. Wenn die Hitze nicht aus dem Trockner kommt, aktiviert das Bügeleisen die Imprägnierung.

Langzeitpflege des Ölzeugs

Die großen Belastungen während des Segelns nutzen das Ölzeug schnell ab. Wenn es unter dem Ölzeug nass und feucht wird, denken viele schnell, dass ihr Ölzeug bereits defekt ist und ein neues Modell gekauft werden muss. In den meisten Fällen ist die Membran aber intakt und allein die Imprägnierung sollte aufgefrischt werden. Mit der richtigen Pflege und einer regelmäßigen Wäsche mit Imprägnierung verlängert sich die Lebenszeit der eigenen Segelgarderobe erheblich. Zumindest zu Beginn der Saison sollte das Ölzeug in die Wäsche wandern. Bei intensivem Einsatz oder nach langen Törns gehört das Ölzeug ebenfalls in die Waschmaschine. 

Moderne Funktionstextilien, die als äußere Schicht als Schutz vor Wind und Wasser getragen werden, bestehen aus mehreren Lagen, die zusammen laminiert sind. Die äußere Schicht ist ein robustes Obermaterial, das je nach Einsatzgebiet starken Beanspruchungen standhalten soll. Da das Gewebe nicht wasserdicht ist, bildet eine hydrophobe Beschichtung eine Schutzschicht (Durable Water Repellent, kurz: DWR), die Wasser leicht abperlen lässt. Das Gewebe ist verschleißfest und wirkt als stabilisierendes Element für das Herzstück der Funktionsbekleidung: die Membran. Einige Hersteller verwenden statt einer Membran eine Beschichtung der Innenseite. Beide Arten lassen Wasserdampf hindurch, wirken bei Wasser im normalen Aggregatzustand aber wie eine Sperre, sodass Flüssigkeit selbst bei einem durchtränkten Obermaterial nicht eindringen kann. Allerdings ist die Membran auch sehr empfindlich und kann durch Schweiß und knickende Beanspruchung beschädigt werden. Um die empfindliche Schicht zu schützen, verhindert eine letzte Lage Schäden durch Verschleiß von innen.

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