Ostsee-Runde: Max Lessner (23) macht nach 191 Tagen in Kappeln fest

„Mit nichts zu vergleichen“

Der Traum von der großen Reise unter Segeln – schon mit 23 Jahren erfüllt © Lessner

Der Traum von der großen Reise unter Segeln – schon mit 23 Jahren erfüllt © Lessner

“Boah siehst du verlottert aus!”

Diese vertraute Freundlichkeit unter guten Seglerfreunden habe ich ernsthaft und ohne Ironie vermisst. Es ist als wäre ich nie weg gewesen. Vom ersten Moment ist alles wie immer. Wir trinken und lachen zusammen und tauschen Geschichten des Sommers aus. Wieder frage ich mich, ob ich die letzten 6 Monate nur geträumt habe.

Doch nun steht er an. Der große Tag. Der Tag an den man seit Monaten immer mal wieder denkt. Von dem man sich immer wieder gefragt hat wie er wohl werden würde. Und, das sei vorweggenommen, ich hätte ihn mir nicht schöner ausmalen können. Neben obigem Spruch wirft mir Frank in Eckernförde auch gleich seinen Schlafsack an die Birne. Er wird mich auf dem letzten Stück nach Kappeln begleiten. Was könnte es schöneres geben, als diese Heimkehr mit einem guten Segelfreund zu teilen?

Erstmal ein Fachgespräch unter Freunden © lessner

Erstmal ein Fachgespräch unter Freunden © lessner

Aber diese komische Stimmung hält an. Wir frotzeln, segeln, trinken und lachen wie immer zusammen. Aber doch liegt ja irgendwas in der Luft. Und kurz vor 12 Uhr taucht dann nach 6 Monaten die Mole von Schleimünde wieder vor uns auf. Selbst einige Tage später kann ich immer noch nicht beschreiben was mir in diesem Moment alles durch den Kopf geht.

Freude, Trauer über das Ende, hunderte Erinnerungen, Erwartungen an die Zukunft, Gedanken was sich wohl verändert haben mag. Ich bin voll von Adrenalin und alles schlägt in Freude um. Doch erstmal machen wir in Schleimünde fest. Beziehungsweise Frank, denn mir wurde verboten vor Kappeln an Land zu gehen. Wir treffen dort auch die ersten Vereinsboote, die sich uns spontan für die Heimfahrt nach Kappeln als Eskorte anschließen.

Tolle Eskorte © lessner

Tolle Eskorte © lessner

„Tage wie diese“

Immer höher wird die Anspannung, immer besonderer wird dieser Tag. Überhaupt, an diesen Tag werde ich wohl mein Leben lang denken. Er steht in einer Reihe mit Graduation, Hochzeit, ähnlichem. Ein einmaliges Erlebnis jedenfalls, und immer mehr wird mir das bewusst. Frank dreht sich zu mir: “Es ist so weit”.

Die letzten 4 Meilen dieser langen Reise stehen an. Noch 8000m bis Kappeln. Und alles spielt zusammen. Sogar der Wind, der immer noch aus Osten kommt, denn dass man die Schlei wirklich reinsegeln kann kommt nicht alle Tage vor. Die Sonne scheint, einen guten Freund dabei  und 6 Monate auf See im Gepäck. Die Stereoanlage brüllt so laut sie kann, und wir singen mit. “Tage wie diese” von den Toten Hosen, mein Lieblingssong “Midnight City”, so Klassiker wie “Danger Zone”. Zu unserem Erstaunen ist nichtmal irgendein Entgegenkommer oder Überholer genervt.

Und ab in die Brühe © Lessner

Und ab in die Brühe © Lessner

Jeder hat Verständnid für diese unbändige Freude, für dieses Auskosten des Augenblicks.
Und als ich denke mehr geht nicht, reicht Frank mir das Fernglas: Riesige Vereinsstander wehen weit vor uns im Fahrwasser: Noch mehr Vereinsschiffe und Freunde schließen sich uns an. Gasfanfaren, Nebelhörner, Stereoanlagen, kalte Getränke und Sonne. Das Schleifahrwasser ist eine einzige Party. Mein Zwerchfell vibriert schon vor Freude, was kann jetzt noch kommen? Dabei sind wir noch gar nicht da…

Aber bald kommt die Kappelner Klappbrücke in Sicht. Noch 10 Minuten, dann ist alles vorbei. Dann sind es noch fünf, dann geht die Brücke wie ein Haustür auf. Die Musik, die Hörner, die Touristen am Kai, die gar nichts mehr verstehen. Eine einmalige Stimmung. Fünf Minuten des absoluten Glücks an die ich noch in Dutzenden Jahren denken werde. Auf dem Kai warten weitere Freunde und Familie. Und nun hält mich nichts mehr. Feuerwerk, Lärm, und sogar ein spontanes Bad noch vor dem Anlegen folgen.

Ein Festmacherbier mit Freunden am Steg, ein tolles Abendessen mit der Familie, was könnte es noch besseres geben? Einen schöneren Tag hätte ich mir wirklich nicht vorstellen können…

Steht da hinten nicht auch Digger rum? Lässt auch keinen Umtrunk aus… © Lessner

Steht da hinten nicht auch Digger rum? Lässt auch keinen Umtrunk aus… © Lessner

Ich habe in 191 Tagen  10 Länder besucht, 3.765sm hinter mich gebracht, den westlichsten, nördlichsten, südlichsten und östlichsten Punkt der Ostsee angesteuert. Das gab es in der Fülle so meines Wissens  nach noch nicht.

Wer mehr darüber erfahren will, sollte sich in Ruhe Max Lessner Website “vorknöpfen”

3 Kommentare zu „Ostsee-Runde: Max Lessner (23) macht nach 191 Tagen in Kappeln fest“

  1. avatar Holgi sagt:

    Ne, das ist nicht Digger.
    Der trinkt doch gar keinn Bier.

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