Oyster Pleite: Die Abrechnung des Eigners – Probleme schon vor dem Kiel-Verlust

"Arrogantes Verhalten"

Die Liquidierung der Luxus-Yacht-Werft Oyster hängt ursächlich mit dem Kielverlust der “Polonia Star III” zusammen. Der geschädigte Russe hat ein Dossier aus seiner Perspektive verfassen lassen.

Die havarierte Oyster 825 im Travellift. © Artur Grokovsky/Yacht Russia

Wenn sich vermögende Eigner mit Werften über Mängel an einer neuen Yacht streiten, dann tun das meist ihre Anwälte hinter den Kulissen. Nur selten gelangen solche Fälle an die Öffentlichkeit wie bei dem Streit von Hans Georg Näder mit Otto Happel um dessen “Superyacht “Hetairos” als sogar der Spiegel den “Ärger unter Reichen” aufgriff. Auch der Disput von Alexander Ezhkov mit der Oyster-Werft wurde öffentlich ausgetragen.

In diesem Fall nutzte der Russe aber aktiv das breite Publikum, um die Briten unter Druck zu setzen, nachdem man sich offenbar nicht auf die von Ezhkov angestrebte Entschädigung einigen konnte. Das hat dem Betrachter erstaunlich offene Einblicke beschert. So stand nicht nur viel Geld auf dem Spiel, sondern auch der Ruf von Oyster.

Polonia Star, als es ihr noch besser ging. © ARC

Daran ist die Luxus-Werft offenbar zerbrochen. Und der nun von der Ezhkov- Seite vorgetragene Abschlussbericht von kann eine gewisse Genugtuung nicht verhehlen. Er zeichnet ein desaströses Bild der Werft bei der Abwicklung des Vorgangs.

Eigene Erklärungs-Website geschaltet

Sicher ist der Bericht nicht objektiv. Die Fallbeschreibung auf der eigens freigeschalteten Web URL oysterstory.info  ist im Auftrag von Ezhkov veröffentlicht worden und der erklärt seine Motivation so: “Ich glaube, es ist meine Pflicht, die Segelgemeinschaft darüber zu informieren, was passiert ist, so dass die gleichen Fehler in Zukunft vermieden werden können.”

Die edle Yacht nach einigen Tagen unter Wasser. © Artur Grokovsky/Yacht Russia

Was er als besonders großen Fehler bezeichnet ist offenbar die Tatsache, dass die Oyster-Seite nicht auf ihn gehört hat. Das lässt er jedenfalls einen Oscar Konyukhov sagen, der als ehemaliger russischer Oyster Repräsentant auftritt. “Das Problem hätte behoben werden können, wenn das Oyster Management die Sorgen des Kunden ernst genommen hätte…Das Ignorieren der Ernsthaftigkeit der Situation hatte katastrophale Konsequenzen…Es ist so schade mit anzusehen, wie eine seriöse Yacht-Marke in Flammen aufgeht. Hoffentlich lernt die gesamte Branche von diesem Fall.”

Die Außenhaut ist abgeplatzt. © Artur Grokovsky/Yacht Russia

Zuerst kommt aber der Kapitän der havarierten “Polonia Star III” zu Wort. Sein vernichtendes Urteil: “Diese Menschen scheinen nicht zu wissen, wie man Boote baut! Die Liste der Verfehlungen während des Bau-Prozessen ist endlos. Die Werft hat sich sehr arrogant verhalten indem sie die Verantwortung von sich schob.”

Atlantik-Überquerung nach Garantie-Reparatur

Offenbar sind also schon ein Jahr vor dem fatalen Unglück, als im August 2015 die Oyster 875 “Pollonia Star III”  vor der spanischen Küste versank, Probleme mit dem Kiel moniert worden. Sie sollen im Rahmen einer Garantie-Reparatur behoben worden sein.

Nach der folgenden Atlantik-Überquerung im Rahmen der Atlantic Rally for Cruisers seien aber erneut Kiel-Probleme aufgetreten, die Oyster nach einer Untersuchung als “kosmetische Probleme” bezeichnet haben soll.

Eigner Ezhkov hatte genug. Er verzichtete auf die Fortführung der geplanten Weltumseglung, wollte die Yacht zurückgeben und die Kosten erstattet haben oder einen fehlerfreien Neubau erwirken. Schließlich soll ein Gutachter in Antigua ein Leck an der Kielwurzel bestätigt haben. Aber Oyster lehnte ab. Die Bewegungen des Kiels seien mit dem Kiel-Design vereinbar.

“Schwächen der inneren Strukturen”

Auf der Überführung von Antigua zu den Azoren passiert dann das Unglück. Die Werft räumt später ein, dass Untersuchungen bei Yachten vom Typ 825 “mögliche Schwächen beim Bau-Prozess der inneren Strukturen” ergeben hätten. 2016 erklärt Oyster schließlich, dass ein Laminat-Fehler die Ursache war und entschuldigt sich.

Die Struktur, wo der Kiel gesessen hat. © Artur Grokovsky/Yacht Russia

Das Schiff war gehoben und in England untersucht worden. Ezhkovs Verlust wurde von der Versicherung bezahlt, aber nicht alle Unkosten waren gedeckt und so trägt der Russe weitere Forderungen an Oyster vor. Aber eine Einigung ist nicht in Sicht. Es soll noch im Januar 2018 ein Treffen der Parteien auf der boot in Düsseldorf gegeben haben. Danach wurde die Liquidierung bekannt gegeben.

Ezhkov wundert sich nun über diesen Schritt. Die Recherchen seines Teams hätten ergeben, dass Oyster schon 2015 einen virtuellen Verlust von fünf Millionen Pfund ausgewiesen hätte. Und er glaubt, das müsse zur Begleichung der Schuld in diesem Fall zurückgelegt worden sein.

Er fragt: “Wo ist das ganze Geld geblieben?” Von Oyster gibt es in der Sache keine Stellungnahme. Aber es hat den Anschein, dass in dieser unschönen Geschichte das letzte Wort noch nicht gesprochen ist.

 

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Carsten Kemmling

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3 Kommentare zu „Oyster Pleite: Die Abrechnung des Eigners – Probleme schon vor dem Kiel-Verlust“

  1. Please, correct the copyright under the photos. All the photos are the courtesy of the Russian magazine Yacht Russia. Our editor-en-chief has shot these photos and publish later the investigation article, which you can find here: https://www.yachtrussia.com/articles/2015/11/30/oyster825.html
    So the correct credit should look like Artur Grokovsky/Yacht Russia or Yacht Russia/Artur Grokhovsky.
    Thank you.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 20 Daumen runter 1

  2. avatar Carsten Kemmling sagt:

    Thx and sry, there was some confusion with your credit. … edit

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 0

  3. Thank you! No problem!

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