Pelzerhaken Unfall: Reinhard Fahlbusch nimmt Stellung

"Tempolimit erforderlich"

Unfall-Opfer Reinhard Fahlbusch erklärt über seinen Anwalt, wie sehr ihm die Anteilnahme hilft, wie wichtig ein Tempolimit ist und wie Sunseeker auf die “eingeschränkte Rundumsicht” reagiert.

Sehr geehrte Damen und Herren,

aufgrund des breiten Medieninteresses und der großen Anteilnahme in der Öffentlichkeit in den letzten Wochen hat mich Herr Fahlbusch gebeten, folgende Stellungnahme abzugeben:

Fahlbusch, Unfall, Motorboot, Windsurfer

Reinhard Fahlbusch © windsurfers.de

Wie in dem Artikel vom 16.05.13 „Die Seeschlacht“ von Herrn Sußebach in der Zeit beschrieben, hat nicht nur der Unfall an sich Herrn Fahlbusch schwer getroffen, sondern auch die Erfahrung des sich anschließenden Ermittlungsverfahrens und insbesondere die dort gegen ihn erhobenen Vorwürfe und Schuldzuweisungen.

Die Fassungslosigkeit und breite Unterstützung der Öffentlichkeit, welche sich in den Forenbeiträgen und Kommentaren auf den einschlägigen Internetseiten widerspiegeln, hat Herrn Fahlbusch gestärkt und Mut gemacht. Für diese Anteilnahme, Unterstützung und Bestätigung möchte er sich ausdrücklich bedanken.

Auch der nunmehr rechtskräftige Strafbefehl hat für ihn eine große Bedeutung. Er spricht Herrn Fahlbusch offiziell von jeglicher Schuld oder Mitverantwortung frei. Daneben leistet einen wichtigen Beitrag, um mit der Verarbeitung dieses schrecklichen Unfalles zu beginnen. Der abwegige Vorwurf, er sei der „MY Seewind“ nicht ausgewichen und habe versucht, sie zu überholen, hat sich damit endgültig erledigt.

Dass der Schädiger keinen Einspruch gegen den Strafbefehl erhoben hat, wertet Herr Fahlbusch als erstes Anzeichen der Einsicht. Ob sich diese Annahme in den nunmehr aufgenommenen Entschädigungsverhandlungen bestätigt, wird sich zeigen.

Aufgrund seines persönlichen Schicksals ist und bleibt es für Herrn Fahlbusch ein zentrales Anliegen, dass sich ein solcher Unfall nicht wiederholt.

Herr Fahlbusch begrüßt daher die Initiative des DSV, sich für eine Änderung von § 31 SeeSchStrO einzusetzen sehr. Er wird diese Initiative unterstützen, wo er nur kann.

Es besteht die erhebliche Gefahr, dass Surfer mangels Wind dieser Ausweichpflicht nicht nachkommen können. Solche Situationen werden umso gefährlicher, wenn Motorbootfahrer sich auf ihr Wegerecht verlassen und die Manövrierunfähigkeit von Wassersportlern nicht erkennen. Daneben besteht das erhebliche Risiko, dass Surfer diese absolute Ausnahmeregelung und Abweichung von den grundsätzlichen Regeln der KVR nicht kennen.

Weiterhin ist er der Auffassung, dass im küstennahen Bereich mit hoher Verkehrsdichte eine ausdrückliche Geschwindigkeitsbegrenzung erforderlich ist.

Er konnte an den letzten Wochenenden erneut beobachten, wie hochmotorisierte Yachten die Lübecker Bucht zwischen Surfern und Seglern mit Höchstgeschwindigkeit befuhren. Der nächste Unfall ist angesichts der erheblichen Geschwindigkeitsunterschiede vorprogrammiert. Da insbesondere Schwimmer, Surfer, Kiter und Jollensegler ungeschützt sind, sind auch die fatalen Folgen eines solchen Unfalles schon jetzt abzusehen.

Eine solche Geschwindigkeitsbegrenzung schränkt auch nicht die Freiheit der Motorbootfahrer unangemessen ein. Die Ostsee ist groß genug. Motorbootfahrer können das Leistungspotential ihrer Boote auf offener See ausschöpfen. Im küstennahen Bereich muss dies schlicht verboten sein.

Selbstverständlich sieht er auch in Motorbooten mit eingeschränkter Rundumsicht eine erhebliche Gefahr. Herr Fahlbusch erwartet eine strenge Überprüfung der CE-Konformität durch die zuständigen Behörden, sieht aber insbesondere die Hersteller in der Pflicht, ihrer Verantwortung nachzukommen.

In diesem Zusammenhang hat er mich gebeten, auch von den aktuellsten Reaktionen der Herstellerin “Sunseeker Ltd.“ und der deutschen Generalimporteurin, der „Sunseeker Deutschland AG“ zu berichten.

Die “Sunseeker Ltd.“ hat bis heute keinerlei Stellungnahme abgegeben.

Die „Sunseeker Deutschland AG“ vertritt weiterhin die Auffassung, sie sei nicht Hersteller und die „MY Seewind“ entspräche den einschlägigen Sicherheitsvorschriften. Es habe außerdem Fehler bei der Messung gegeben. Selbst wenn die Rundumsicht eingeschränkt gewesen sei, wäre sie für den Unfall nicht ursächlich. Objektiv stehe u. a. fest, dass der verantwortliche Bootsführer einen Strafbefehl akzeptiert habe, sodass jedenfalls ein vorrangiger Verschuldenstatbestand bestünde.

Fast zwei Jahre nach dem Unfall drückt die „Sunseeker Deutschland AG“ nun erstmals ihr tiefes Bedauern aus. Ihren noch vor kurzem im Internet befindlichen Eintrag, die „Sunseeker Baltic Cruise 2011“ sei ein voller Erfolg gewesen, verteidigt sie damit, dass die Veranstaltung im Zeitpunkt des Unfalles schon beendet gewesen sei. Er sei daher ohne jedes Präjudiz und nur zur Vermeidung von Missverständnissen entfernt worden.

Möge sich jeder selbst eine Meinung zu dieser Reaktion bilden, wobei eine Anmerkung erlaubt sei:

Der Hinweis einer Verkäuferin eines Bootes, welches nach der Feststellung der Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung über eine stark eingeschränkte Rundumsicht verfügt, auf einen vorrangigen Verschuldenstatbestand des Bootsführers, dürfte potentielle Unfallopfer und Käufer gleichermaßen interessieren.

Mit freundlichen Grüßen Ole Hecht

 

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10 Kommentare zu „Pelzerhaken Unfall: Reinhard Fahlbusch nimmt Stellung“

  1. avatar max h sagt:

    Sehr interessant!!

    Kurze Nebenfrage: Bin Ich ein schlechter Hobbyjurist oder ist der letzte Satz unvollständig?

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    • avatar Backe sagt:

      Der Satz ist vollständig und bedeutet, dass es für potentielle Kunden schon ein bisschen komisch aussehen muss, wenn Sunseeker die Einsicht in eine Mitschuld verweigert und die vorrangige Schuld dem Bootsführer zuweist – mithin also seinem Kunden ;.)

      Interessant ist übrigens noch Folgendes:
      Offensichtlich ist die noch bis vor Kurzem angekündigte diesjährige “Sunseeker Baltic Cruise” heimlich still und leise abgesagt worden, nachdem sich ein NDR-Fernsehteam zu Aufnahmen (über das ehemalige Unglücksevent) angefragt hatte …

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      • avatar Andreas Ju sagt:

        War das echt so, Jan? Wäre ja ein toller Erfoilg von Panorama gewesen. Jetzt müssen die doch nach Mallorca reisen für vergleichbare Bilder. Wir freuen uns auf den Beitrag nach der Sommerpause der ARD!

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        • avatar Backe sagt:

          Andreas, ich glaube, die Panorama-Jungs hätten lieber den Bericht vor Neustadt gehabt …

          Aber die Reaktion von Sunseeker zeigt auch, dass die Repräsentanten unseres Lieblingsmotorbootherstellers inzwischen doch das Champagner-Glas zur Seite stellen und von ihrem hohen Luxus-Roß absteigen mussten. Gut so!

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    • avatar Olperer sagt:

      Der Satz ist echt bescheuert formuliert und das letzte Komma ist falsch. Wenn es schon ein riesiger Satz sein muss, dann vielleicht so

      “Der Hinweis einer Verkäuferin auf einen vorrangigen Verschuldenstatbestand des Bootsführers dürfte potentielle Unfallopfer und Käufer gleichermaßen interessieren, insbesondere weil das Boot nach der Feststellung der Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung über eine stark eingeschränkte Rundumsicht verfügt. “

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  2. avatar seilor sagt:

    auch interessant zu lesen: http://www.welt.de/print/die_welt/hamburg/article117741036/Das-Recht-des-sehr-viel-Staerkeren.html

    Wenn man als Werft der BSU droht, dann sitzt man wohl auf einem sehr hohen Ross. Bin gespannt wie das ausgeht.

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    • avatar Backe sagt:

      seilor, die Werft hat das Messer derart zwischen den Zähnen, weil die ganze Sache für sie zur absoluten Unzeit kommt …
      Schließlich soll Sunseeker gerade an einen chinesischen Investor verkauft werden.
      Die werden sich nun sicher zweimal überlegen, ob der Kaufpreis gerechtfertigt ist, wenn ein langwieriger und millionenschwerer Rechtsstreit um die CE-tauglichkeit ihrer Produkte ansteht.

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  3. avatar Andreas sagt:

    1996 wurde Schimanski bei einem ähnlichen Vorfall auf Sardinien schwer verletzt und klagte auf 1.1 Mio DM Schadenersatz.

    http://www.spiegel.de/panorama/goetz-george-lukrativer-badeunfall-a-37244.html

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  4. avatar RVK sagt:

    Ich bin mir auch nicht sicher, ob Sunseeker Deutschland mit dem Argument, wir sind nur der Händler so einfach durch kommen. Laut Geräte und Produktsicherheitsgesetz (GPSG) ist auch der Händler bzw. Importeur für die Sicherheit seines vertriebenen Produkts verantwortlich und haftbar. Nicht umsonst müssen Importeure ihren aus China importierten Schrott vom Markt zurückrufen und können sich nicht auf einen anonymen Hersteller in Fernost berufen. Das selbe sollte hier auch der Fall sein. Es freut mich aber zu sehen, dass Herr Fahlbusch wieder Mut schöpft und diese Sache einem hoffentlich besseren Ende entgegen geht!

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