Piraten-Attacke: Abwehr mit der Pumpgun

Kann Abschreckung gelingen?

Dieser Tage kursiert ein Video im Netz, das einen Yacht-Skipper zeigt, der einen vermeintlichen Piraten-Angriff mit einer Waffe abwehrt. Sollte man Waffen an Bord nehmen?

Die Szene könnte aus einem Film stammen. Piraten nähern sich, der Skipper greift zur Waffe, schießt ein Paar Warnschüsse in den Himmel und legt dann drohend an. Die Angreifer bremsen ihre Fahrt. Dann drehen sie ab.

Das Video bekommt in der Segel-Community große Aufmerksamkeit. Schließlich beschäftigt es sich mit einer großen Angst, die den Traum von der großen Freiheit auf Langfahrt nachhaltig trübt.

Damit einher gehen die immer wieder gestellten Fragen: Kann man sich wirklich mit einer Waffe wehren? Sollte man eine an Bord haben?

Verteidigen auf Augenhöhe

In den einschlägigen Foren werden sie auf unterschiedliche Weise beantwortet, und es überrascht wenig, dass Amerikaner dem Waffenthema lockerer gegenüber stehen als Europäer.

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Die Piraten aus dem Kinofilm Captain Phillips mit Tom Hanks. © warner

Das Video zeigt, wie einfach die Abschreckung gelingen kann. Es ist der logische Weg, sich auf Augenhöhe zu verteidigen. Und wenn man den Umgang mit der Waffe gewohnt ist, kann die Abwehr vielleicht gelingen. Aber wer ist das schon? Kann man wirklich bereit sein, einen Menschen zu töten, um Angreifer wirksam zurückzuschlagen.

Halbherzige Abwehr hat eher eine Verstärkung der Gefahr zur Folge. Abschreckendes, berühmtes Beispiel ist der Tod von Segel-Legende Peter Blake. Der Neuseeländer wurde 2001 am Amazonas auf seiner Yacht erschossen, als er mit einer Waffe im Anschlag die Angreifer zurückschlagen wollte. Hat er die Situation durch seinen Verteidigungsversuch unnötig eskalieren lassen? Könnte er mit einer defensiveren Strategie noch leben?

Ist es wirklich ein Angriff?

Dazu kommt die Überlegung, ob man wirklich sicher sein kann, dass es sich um einen feindlichen Angriff handelt, wenn sich etwa in der Nacht ein fremdes Boot nähert. Wenn das nicht klar ist, und bei einem Schusswechsel möglicherweise Unschuldige verletzt werden, kann dem Segler ein Prozess vor einheimischen Behörden drohen – was schon passiert ist.

Ein eher praktisches Argument gegen das Mitführen von Waffen an Bord, sind die Schwierigkeiten bei der Ein- und Ausfuhr. Die Zollbestimmungen sind in jedem Land anders, und wenn man eine Waffe nicht angibt, kann es große Schwierigkeiten mit den Behörden geben. Segler sind schon mehrfach mit Gefängnisstrafen belegt worden.

Unter dem Strich sind sich die Spezialisten jedoch einigermaßen einig, dass Waffen an Bord keine Lösung sind. Allerdings gibt es Meldungen von Skippern, die mit dem Einsatz von Seenotfackeln oder Leuchtpistolen Erfolg hatten. Eine Crew soll somalische Piraten abgewehrt haben, indem sie aus dem Cockpit vergleichsweise einfach herzustellende Molotow-Cocktails geworfen hat.

“Zitadell” als Abwehrmaßnahme

Aber die meisten vertrauen darauf, dass rechtzeitige Mayday-Rufe über Funk oder das präventive Auslösen des EPIRB-Signals funktionieren, um rechtzeitig Hilfe zu holen. Allerdings dürfte das in den abgelegenen Regionen, die bevorzugt für Überfälle in Frage kommen, nur eine geringe Erfolgsquote versprechen.

Auf größeren Yachten hat soll sich eine bauliche Maßnahme als zielführend erweisen. So gibt es einen Raum, den die Crew von innen hermetisch verschließen kann, und in dem sie mit allen Kommunikationseinrichtungen ausgerüstet ist. Die Piraten können in die “Zitadelle” nicht eindringen.

Aber diese Möglichkeit verspricht wohl nur Erfolg, wenn Hilfe nicht weit entfernt ist. Es ist schon passiert, dass Piraten eine tagelange Belagerung gestartet  oder das Schiff in Brand gesteckt haben.

Am Ende muss man wohl zu dem Schluss kommen, dass Segler im Falle eines Piraten-Kontakts wenige Chancen haben, die Angreifer vom Entern abzuhalten, so wie es der Skipper im Video tut. Im Zweifel hilft wohl nur die Planung einer sicheren Route, um Risiken zu minimieren.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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