Piraten: Zwei Überfälle auf Segelyachten in der Karibik – Täter aus Venezuela

Leichte Beute

Piraten, Segler, Überfall, Karibik

Auf solchen Pirogen kamen die Piraten längsseits © trinidad tourist office

Die Langfahrtyachten wurden nördlich von Trinidad auf offener See geentert und ausgeraubt. Behörden empfehlen, den Seeraum in der Flotille oder nachts zu befahren. SR Leser knapp entwischt.

In der südöstlichen Karibik wurden vor der Yachting-Hochburg Trinidad und Tobago am 20. und 27. Dezember eine 80 Fuß- und eine 32-Fuß-Segelyacht ausgeraubt.

Beide Überfälle fanden in Sichtweite der „Hibiscus Ölplattform“, ca. 30 Seemeilen nördlich von Trinidad, statt. Die Piraten näherten sich jeweils auf einer Fischer-Piroge, die mit relativ starken Außenbordmotoren (120-150 PS) angetrieben wurden. Nachdem sie längsseits gekommen waren, zeigten die jeweils sechs Männer ihre Waffen und drohten, auf die Nächststehenden zu schießen.

Piraten, Segler, Überfall, Karibik

Nördlich von Trinidad liegt die Hibiscus-Ölplattform, in deren Sichtweite die Überfälle passierten © googlemaps

Die Überfälle spielten sich laut zuständiger Behörden auf Trinidad nach dem gleichen Muster ab: Jeweils drei der Spanisch sprechenden Piraten sprangen an Bord der geenterten Yachten, drei blieben an Bord ihrer Piroge und zielten von dort aus auf ihre Opfer und nahmen später die Beute in Empfang.

Die so geenterten Schiffe wurden systematisch „leergeräumt“. Offenbar nahmen die Piraten alles mit, was nicht niet- und nagelfest war: Computer, Mobiltelefone, Uhren, Bargeld, Kreditkarten, Schlüssel, aber auch Bekleidung, Bücher, Lebensmittel, Toilettenartikel und in einem Fall sogar die Flagge Trinidads. Ungefähr 20 Minuten dauerten die Überfälle, danach flüchteten die Piraten mit Vollgas Richtung Süden bzw. Südwest.

Beginn einer neuen Piraterie-Welle?

Die sofort informierten Behörden (US Coast Guard, Grenada- und Trinidad Coast Guard) nehmen an, dass die Piraten aus Venezuela stammen, wo sich die Armuts- und Sicherheitslage seit Jahren zunehmend verschlechtert. „Es könnte sein, dass dies der Beginn einer neuen Welle von Piratenangriffen ist,“ befürchtet ein Offizier der Küstenwache Grenadas. „Auch wenn bisher noch keine Personen zu Schaden kamen, sind diese Überfälle sehr ernst zu nehmen.“ Vor allem Segelyachten seien eine „leichte Beute“ heißt es weiter, weil sie langsam unterwegs sind und viele Wertsachen an Bord haben, die sich später leicht zu Geld machen lassen.

Piraten, Segler, Überfall, Karibik

Die Küstenwachen befürchten, dass das Seegebiet rund um Trinidad bald zu einer Piraten-Hochburg werden könnte © cruising caribean

Die Behörden wollen Patrouillenfahrten vor Trinidad, Tobago und Grenada verstärken, warnen aber die Segler in diesem Seeraum vor weiteren Überfällen. Als besten Schutz vor Piraten bezeichnen die Küstenwachen Flotillensegeln, am besten nachts. „Auf keiner der Pirogen wurden Radargeräte gesehen, was es eher unwahrscheinlich macht, dass sich die Piraten nachts auf die Suche nach ihren Opfern begeben.“

Reichlich Schwein gehabt

Das hatten sich auch SR-Leser Knut Erbar und seine Partnerin Susi gedacht, die in der Nacht nach dem letzten Überfall die „Hibiscus-Ölplattform“ passierten, aber noch nichts von den Vorfällen wussten. Hier ihr kurzer Bericht von einer Menge „Schwein“:

„Shogun“ ist wieder im Wasser, nach gut fünf Wochen Arbeit mit Schleifpapier, Grundierungen, Antifoulings, 1 K und 2 K Lacken glänzt sie wieder, wie eine glückliche Speckschwarte im Frühling! Yes!

Wir dachten uns, schnell weg! Der neue Wasserpass soll ja im Trinidad – Ölwasser am Ankerplatz nicht sofort versaut werden. Kranen nach der Mittagspause, ab zu Customs und Immigration (drei Stunden Papierterror!) und dann direkt los.

Nachdem in letzter Zeit wieder viel von Piraten erzählt wurde, wollten wir vorsichtig sein. Raus durch die Bocas im letzten Büchsenlicht des 28.12.15 und dann ab ohne Positionslichter (AIS mussten wir nicht abschalten, haben wir `eh nicht an Bord) in die Nacht. Böige 6 Bft., ruppige See. Ich dachte, die hiesigen Nebenerwerbspiraten in offenen Pirogen mit fettem Außenborder werden uns nachts nicht finden und haben bei diesem Wetter sowieso keinen Bock auf Trouble.

Piraten, Segler, Überfall, Karibik

Erfolgreiche Piratenvermeidungstaktik

Sicherheitshalber haben wir einmal stündlich UKW – Kontakt mit einem holländischen Schiff vereinbart, das zwei Stunden vor uns gestartet ist.

Nach den Wochen an Land hat uns das Meer das schönste Empfangskomitee geschickt, das wir uns wünschen konnten, eine Delfinschule hat uns in die Nacht begleitet!

Was waren wir glücklich wieder auf See zu sein.

SHOGUN ist mit frischem Unterwasseranstrich deutlicher lebhafter als zuvor und hat uns Gischt werfend durch die ruppige See nach Norden geboxt. Nach ein paar Stunden passieren wir recht nah die Hibiscus Ölplattform. Stündlich ein “Alles OK”-Check via UKW mit Franz und Lucia auf ihrem schweren holländischen Spitzgatter und am nächsten Mittag, 29.12.2015, sind wir wieder in der Prickly Bay.

Alles fein, ist ja auch kein Wunder, wenn man so raffiniert plant. Wir feiern uns für unsere “erfolgreiche” Piratenvermeidungstaktik.

Und dann lasen wir diese Meldungen von den Überfällen, die auch uns hätten treffen können! War wohl doch eher Dummenglück als raffinierte Taktik, die uns ungeschoren hat ankommen lassen 😉

Spenden

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *