Piraterie: Vor Westafrika wird es gefährlich – Yachties sollte immer noch Somalia meiden

Es wird brutaler!

Piraterie, Westafrika

Neuer Brennpunkt Westafrika © CNN

Die aktuelle „Weltkarte der Piraterie“ zeigt auf, dass die internationalen Schutzmaßnahmen vor Somalia zwar greifen, dafür aber die Anzahl extrem brutaler Überfälle in anderen Regionen zunimmt. Ein Teufelskreis?

Die Zahlen könnten zunächst als Erfolg gewertet werden. Könnten. Denn laut dem ICC (Internationale Handelskammer) und einem Bericht des IMB (International Maritime Bureau) sank die Anzahl der Piratenüberfälle weltweit von einem Höchstwert im Jahre 2012 – 445 Überfälle – auf einen vorläufigen Tiefstand von 206 Überfällen (Stand: Oktober) in Internationalen Gewässern. Vor Somalia, dem gefürchteten, nahezu rechtlosen ostafrikanischen „Piratennest“, ging die Anzahl der Überfälle sogar um 78 Prozent zurück.

Für dieses an sich erfreuliche Ergebnis werden in erster Linie internationale Sicherheits- und Schutzmaßnahmen verantwortlich gemacht: Besser geschulte Schiffskapitäne und Crews, patrouillierende Marine, politische Arbeit im „Hintergrund“.

Piraten, Überfälle

Gesamt nimmt die Anzahl der Überfälle ab, sie werden aber brutaler! © ICC

So wurde etwa ein „neues Kapitel“ der internationalen Zusammenarbeit mit dem Bürgerkriegsland aufgeschlagen. In einem sogenannten „New Deal“ will die EU mit 650 Millionen Euro die Wiederherstellung der Sicherheit, eine Reform des Rechtssystems, eine funktionierende Finanzverwaltung und den wirtschaftlichen Aufschwung finanzieren. Allein aus Deutschland werden 90 Millionen Euro von Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel in Aussicht gestellt.

Die in der Vergangenheit bereits gezahlte „wirtschaftliche Unterstützung“ sowie Entwicklungsgelder seien zwar zum größten Teil im Filz aus Korruption „versickert“ und nur selten in den betroffenen Armutsregionen – in denen wiederum die meisten Piraten angeheuert werden – angekommen, hätten aber als Nebeneffekt bewirkt, dass das Geschäft mit der Piraterie für die Hintermänner und Initiatoren uninteressant geworden sei.

Es wird immer öfter geschossen!

Insider behaupten jedoch, dass vor allem die immer weiter wachsende Verteidigungsbewaffnung auf den Schiffen sowie das deutlich vehementere Vorgehen der häufig angeheuerten Sicherheitscrews für einen partiellen Rückgang der Piratenüberfälle gesorgt hätten.

Golf von Guinea © google

Golf von Guinea © google

„Um damit wiederum eine deutlich gestiegene Brutalität an anderen Brennpunkten zu provozieren,“ behaupten die Gegner einer Bewaffnung von Handelsschiffen.

Fakt ist, dass in diesem Jahr an der Westküste Afrikas, insbesondere im Golf von Guinea, besonders gewalttätige Überfälle (zumeist auf Tanker) stattgefunden haben: Insgesamt 14 Mal wurde von Piraten auf Schiffe geschossen!

Die Piraten vor Westafrika sind vor allem auf Treibstoffladungen aus, die sie auf dem gut organisierten Schwarzmarkt mit hohen Gewinnmargen verkaufen. Daher ist die Situation vor Nigeria besonders prekär, da dort Geldbewegungen viel schneller organisiert werden können als andernorts.

Piraterie

Westafrikanische Piraten © ICC

Bei ihren Überfällen gehen die Piraten äußerst gewaltsam vor: Laut einem Bericht der IMB wurden allein im Golf von Guinea  im Laufe des Jahres 200 Geiseln genommen – fünf wurden getötet. Mehr als 1.000 Seeleute waren von den Überfällen in den internationalen Gewässern vor Westafrika betroffen.

Auch Schiffe deutscher Reeder wurden vor Westafrika bereits überfallen. So griffen im April 2013 Piraten 130 sm südwestlich von Malabo (Hauptstadt Äquatorialguinea) die „Hansa Marburg“, ein Containerschiff der Reederei Leonhardt & Blumberg an. Vier Besatzungsmitglieder wurden als Geiseln genommen und kamen später, offenbar gegen Zahlung von Lösegeldern, unversehrt wieder frei.

Crewmitglieder der "Hansa Marburg" wurden im April gekidnappt und später wieder freigelassen © reederei leonhardt

Crewmitglieder der “Hansa Marburg” wurden im April gekidnappt und später wieder freigelassen © reederei leonhardt

Angriffe auf Fahrtensegler

Für Fahrtensegler ist allerdings ist das Gebiet um Somalia nach wie vor gefährlich. In einer Warnmeldung der International Naval Counter Piracy Forces wird darauf hingewiesen, dass bis September 2013 20 Millionen US Dollar Lösegeld gezahlt wurde. Entführungen sind für die Piraten immer noch lukrativ und Yachten seien sehr einfache Ziele.

Auf der Website noonsite werden im Piracy Report aggressive Übergriffe auf Fahrtensegler gesammelt. Allerdings reichen die Meldungen vom Dinghy Klau bis zum tätlichen Angriff. Demnach gab es 2012 45 Beiträge,  2013 waren es bisher erst 24.

Piraten

Piraten auf Angriffskurs. Im roten Kasten ist eine Leiter markiert, die zum Entern benutzt wird. © INCPF

Der jüngster Report von Oktober handelt von dem Angriff auf die Segelyacht “Rainbow” bei den Grenadinen Inseln. Eine Seglerin wurde an Bord vom Macheten-Hieb eines 15-Jährigen Einheimischen verletzt. Aber ihrem Mann gelang es, die Angreifer durch Stiche mit dem Küchenmesser zu verjagen. Die Angreifer wurden inzwischen festgenommen, die “Rainbow” hat ihren Törn fortgesetzt.

Im September kam vor der Isla Margarita in Venezuela der niederländischer Fahrtensegler Robert Sterenburg (59) ums Leben, als er versuchte Angreifer abzuwehren, die seinen Katamaran entern wollte. Sterenburg ankerte 500 Meter vor der Küste. Er wurde erschossen. Seine Freundin an Bord blieb unverletzt.

Das gefährdete Gebiet vor Somalia.

Das gefährdete Gebiet vor Somalia.

Piraten

Piraten-Boote an der somalischen Küste, die auf ruhiges Wetter und Opfer warten. © INCPF

 

 

 

 

 

 

 

 

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7 Kommentare zu „Piraterie: Vor Westafrika wird es gefährlich – Yachties sollte immer noch Somalia meiden“

  1. avatar Simmi sagt:

    Was ist eigentlich aus dem Piraten-Prozess in Hamburg geworden?
    Da waren doch diese10 schrecklich verarmten Fischer aus Somalia, die nen deutschen Frachter mit nem Schnellboot und automatischen Waffen angegriffen und gekapert hatten.
    Haben die Jungs schon ihre Asylanträge durch und ihre Großfamilien nachgeholt?

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 23 Daumen runter 20

  2. avatar Olli sagt:

    Wieviele Schußwaffenfanatiker gibt es eigentlich, die vor Somalia bis an die Zähne bewaffnet mit gepanzerten Yachten fahren und darauf warten, von Piraten angegriffen zu werden? Die könnten ja dann endlich mal (zurück)schießen.

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  3. avatar Marco sagt:

    Ich muss Olli Recht geben. Manchmal wundere ich mich auch über die Leichtfertigkeit und Sorglosigkeit mancher Segler und Motoryachtbesitzer. In solchen Ländern gelten andere Regeln und Werte als bei uns, ein Menschenleben ist nicht mehr Wert als ein paar Euro. Es gibt genügend Ausweichmöglichkeiten, also warum sollte man das Risiko eingehen ?

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