R.I.P.: Letzte Reise von “Hannes” Diefenbach – “auf allen Regattabahnen beliebt”

"Ein ganz Großer"

Immer gehen die besten. Dieser Spruch gilt besonders auf Hannes Diefenbach. Der deutsche Segelsport verliert ein Vorbild als Schiedsrichter, Wettfahrtleiter, Funktionär und Mensch.

Hannes Diefenbach bei der Arbeit, wie man ihn kennt. Immer ein Lächeln im Gesicht.

Wenn man wirklich gemocht werden will, wird man nicht unbedingt Schiedsrichter. Zu groß ist die Wahrscheinlichkeit, Unmut auf sich zu ziehen, anzuecken, es nicht allen recht zu machen. Man muss Hochachtung vor den Menschen haben, die es trotzdem tun. Insbesondere im Segelsport, der ohne sie nicht funktioniert, viel Wissen erfordert, Urlaubstage verschlingt und mit harten Wasserstunden bei Kälte und Wind quälen kann.

Eine herausfordernde Aufgabe. Umso erstaunlicher ist es, in dieser Rolle so viel Respekt, Hochachtung und Beliebtheit zu erfahren wie Johannes Diefenbach (65). Umso größer ist die Lücke, die “Hannes” hinterlässt. Er ist am Mittwoch hat er den Kampf gegen den Krebs verloren.

Der Hamburger und Mitglied beim Blankeneser Segel-Club hatte seine Bedeutung für den gesamten deutschen Segelsport. „Du warst für viele von uns ein Mentor, ein Regelgott mit dem Hang zu bayrischer Lebenskunst und in Gedanken auch immer ein Skater und Freund der kalifornischen Surf-Kultur“, schreibt der BSC in einem Nachruf.

Am Biggesee im Sauerland lernte er das Segeln im Pirat, der Beruf als IT-Berater für SAP-Systeme verschlug ihn längere Zeit nach München auf die bayerischen Seen und in Hamburg segelte er mit der Familie ein sportliches Kajütboot auf der Elbe, oder auf seinem Finn-Dinghy. An der Vorschot von Frank Schönfeldt segelte er viermal zu Varianta-Meister-Ehren. Aber seine Verdienste sind nicht in Titeln und Ehrungen zu messen.

Er war der Mann im Hintergrund. Stellvertretend für alle, die mit leiser, kompetenter Stimme unseren komplizierten Sport möglich machen. Seit 2009 agierte er als International Judge, also Schiedsrichter auf höchstem Niveau – eine Stufe, die in Deutschland nicht viele erreichen.

Ein Vorbild

In dieser Rolle, aber auch als Wettfahrtleiter und DSV-Funktionär (u.a. Seglerrat-Mitglied) war er für viele ein Vorbild. Fachlich natürlich, aber insbesondere menschlich. Als Schiedsrichter hat man eine gewisse Macht. Menschen neigen dazu, sie auszukosten. Nicht allen gelingt es, so sorgsam damit umzugehen wie “Hannes”.

Auch er musste am Grünen Tisch oder auf dem Wasser harte Entscheidungen über Segler-Schicksale fällen. Aber ihm ist es wie kaum einem anderen gelungen, den Betroffenen das Urteil mit Fassung tragen zu lassen. Er verkörperte durch seine Art menschliche Kompetenz. Eine Fähigkeit, die man wohl schwer lernen kann, wenn sie nicht in einem steckt.

Es mag ein Lächeln zum richtigen Zeitpunkt sein, in richtiger Dosierung. Nicht überheblich, nicht lächerlich machend, durchaus mitfühlend – aber nicht unsicher. Alles einher gehend mit der ehrlichen Bereitschaft, auch die andere Seite anzuhören – ohne vorgefestigte Meinung – und vielleicht mal einen Fehler zugeben, die eigene Meinung revidieren.

Hannes Diefenbach fand oft den richtigen Ton. Er hat Segel-Deutschland ein wenig besser gemacht. Kein Wunder, dass ihn sein Verein als “tollen Menschen” und “ganz Großen” würdigt. “Er war auf allen Regattabahnen beliebt”. Und das ist nicht nur so daher gesagt.

In Erinnerung bleibt sein Humor, sein Lachen. Es wird fehlen. Sail on!

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

2 Kommentare zu „R.I.P.: Letzte Reise von “Hannes” Diefenbach – “auf allen Regattabahnen beliebt”“

  1. avatar Philipp Buhl sagt:

    Für mich ohne jeglichen ein unglaublich freundlicher und sympathischer Mensch!!!
    Sehr gut und treffend geschriebener Nachruf.
    RIP Hannes

    Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

5 − 4 =