Langzeitsegeln: Reid Stowe nach 1152 Tagen wieder an Land

Die längste Segelreise der Welt

Reid Stowe – keiner segelte länger nonstop als der 58-Jährige New Yorker. © R.Stowe

Am vergangenen Donnerstag ist der New Yorker Reid Stowe, nach 1152 Tagen auf hoher See, wieder in seinem Heimathafen New York angelandet. Somit hat der 58-Jährige die längste Segelreise beendet, die je ein Segler geschafft hat.

Als Reid Stowe im New Yorker Hafen zum ersten Mal seit über drei Jahren wieder Land betrat, wartete auf ihn die wohl schönste Überraschung, die auf einen Langdistanzsegler warten kann: Zum ersten Mal sah er seinen 23 Monate alten Sohn Darshen. Gezeugt hatte er den Filius mit seiner heute 26 Jahre alten Freundin Soanya Ahmad, die im April 2007 zusammen mit ihm auf die lange Reise gestartet war.

Für Ahmad war dies das erste Mal gewesen, dass sie über den Hudson River des Big Apple hinaus gesegelt war. Nach 10 Monaten jedoch musste sie die Reise wegen Seekrankheit abbrechen. Das die auftretende Übelkeit durch eine Schwangerschaft verstärkt wurde, dafür ist der kleine Darshen, den Stowe nun erstmals in den Armen halten konnte, der beste Beweis.

Wie die Zeitung „The Guardian“ berichtete wartete eine weitere Überraschung auf Stowe in New York, allerdings eine, die ihn nicht sonderlich interessierte. Als ihm sein Freund Jeff Blumenfeld ein iPhone unter die Nase hielt und fragte, ob er wisse was das sei, antwortete er nur kurz mit einem „Nein“, und wendete sich wieder anderen Dingen zu. Das iPhone, ein Relikt der Moderne, welches in der Welt des Seemannes keinen Platz findet.

Mit Yoga vertrieb sich Reid Stowe die Zeit und hielt sich fit. © R.Stowe

Den 21 Meter langen Schoner „Anne“, benannt nach Reid Stowes Mutter, hatte der Rekordsegler über viele Jahre hinweg zusammen mit seiner Familie gebaut. Seine Reise breche einen Rekord aus den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts, sagte Stowe am Tag seiner Heimkehr gegenüber den angereisten Journalisten. Damals sei ein norwegisches Schiff 1067 Tage im Meer unterwegs gewesen.

Seine Reise war überdies nicht immer einfach. Schon nach 15 Tagen war die „Anne“ im Atlantik, mit einem Frachter kollidiert, und am Kap Hoorn sei der Schoner gar einmal gekentert.

Schlecht ernährt hat sich der Segler innerhalb der gut drei Jahre nicht. An Bord seiner „Anne“ pflanzte er Salat und Tomaten, dazu gab es Reis und den täglich frisch gefangenen Fisch, meist Thunfisch oder Mahi-Mahi. Leider, so Stowe gegenüber dem Fernsehsender CNN, sei es mit dem Anbau der Pflanzen jedoch nach der Kenterung vorbei gewesen, weil die gesamte Erde aus den „Beeten“ gewirbelt worden sei.

Ganz ohne Ziel ist Stowe überdies nicht durch die Weltgeschichte gesegelt. Immerhin umrundete er einmal die Welt – südlich der großen Kaps. Dennoch gibt es auch Kritiker seiner Reise, die sich darüber lustig machen, dass man für eine Weltumsegelung mehr als drei Jahre lang unterwegs sein muss. Stowe indes fischt das nicht an. Er war glücklich mit sich, der Zeit, der Ruhe und dem Meer. Zudem meditierte er innerhalb seiner Yoga-Übungen und hielt sich so auch fit.

Überdies hinterließ er mit den Tracking-Daten seiner Reise Bilder im Ozean, die einen schmunzeln lassen. So malte Stowe im Jahr 2008 die Umrisse eines Wals in den Pazifik, und GPS-Daten aus 2007 und 2010 ergeben zusammen ein riesiges Herz im Südatlantik. Eine solche Liebeserklärung dürfte außer Soanya Ahmad wohl noch nie eine Frau bekommen haben.

Die Reiseroute des Schoners "Anne" während der 1152 Tage dauernden Reise. © R.Stowe

Zwischen 2007 und 2010 kreierte Stowe mit seiner Route und den dazugehörigen GPS-Tracking-Daten eine riesiges Herz im Atlantik. © R.Stowe

Im Jahr 2008 zeichnete Stowe mit seinen Tracking-Daten einen Wal in den Pazifik. © R.Stowe

Mathias Müller
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