Rekordsegeln: Francois Gabart am Kap Hoorn – alleine schneller als mit Crew

"Ich werde nicht den Moitessier machen"

François Gabart liegt am Kap Hoorn zwei Tage vor dem Einhand-Rekord um die Welt.  Und er schaffte mit seiner Macif die schnellste Pazifik-Passage aller Zeiten unter Segeln.

Eigentlich war die ziemlich genau vor einem Jahr von Thomas Coville aufgestellte Bestzeit um die Welt für dauerhaft unschlagbar gehalten worden. Die Wetterbedingungen passten perfekt und der erfahrene Franzose hatte unglaublich hart gepuscht. Aber nun zeigt sich, wie viel besser die neue Generation der 100 Fußer Trimarane ist, die gerade für die ultimative um-die-Welt-Regatta 2019 gebaut werden, aber auch was für ein Ausnahmesegler der Vendée Globe-Sieger Francois Gabart ist.

Francois Gabart hat Kap Hoorn passiert und ist wieder im Atlantik.

Er hat gerade das Kap Hoorn passiert, beginnt seinen Aufstieg gen Norden im Atlantik und pulverisiert einen Rekord nach dem anderen. 29 Tage und drei Stunden benötigte er bis zum dritten großen Kap seiner Reise und schafft damit die bis dahin zweitschnellste Zeit unter Segeln überhaupt. Nur Francis Joyon mit Crew war Anfang Januar schneller.

Dafür unterbot Gabart sensationell dessen Zeit im Pazifik. Mit 7 Tagen und 15 Stunden war er sechs Stunden schneller als Joyons IDEC Team, der insgesamt die absolute Jules Vernes-Zeit auf 40 Tage und 23 Stunden gedrückt hatte.

Francois Gabart

Francois Gabart freut sich über eine Begegnung einige Stunden nach der Rundung von Kap Hoorn

Davon ist Gabart allerdings noch entfernt. Er segelt gegen Coville, der insgesamt gut 49 Tage um die Welt benötigte. Im Vergleich hat Macif jetzt einen Vorsprung von zwei Tagen. Vor Weihnachten wird der Trimaran im Ziel vor dem französischen Ouessant erwartet.

Gabart konnte das magische Kap Hoorn nicht erkennen, weil er es in 150 Kilometern Entfernung passierte. In einem Interview mit der Zeitung Figaro sagte er: “Es ist nicht so emotional, weil ich nur eine Linie auf dem Computer-Bildeschirm sehe. Seit 29 Tagen kein Land in Sicht.” Dabei ist es für den 34-Jährigen erst die zweite Kap-Hoorn-Rundung nach seiner Vendée Globe 2012/13.

Angst habe ihm bisher nur der Eisberg gemacht. “Ich dachte, da kommt gleich ein zweiter.” Aber der Schock war ihm auf den Videos von Bord bisher nicht anzumerken. Unglaublich, wie positiv und fröhlich der Franzose jeweils wirkt. Dabei täuscht das über die Belastungen hinweg. Selten ist eine längere Schlafenszeit als 4 Stunden möglich, dazu zählt sein Grinder bis zu 4000 Umdrehungen pro Tag, mit denen Gabart den Trimm einstellt und die letzte Meilen im Pazifik waren von besonders harten Bedingungen geprägt.

Aber Gabart sagt: “So ist eben meine Art. Ich ziehe es vor positiv zu sein. Ich mag nicht immer klagen. Diese Einstellung hilft mir, in harten Zeiten zu überleben. Wenn man sich mental nicht gut fühlt, kann man hier draußen alleine keine dauerhafte gute Leistung bringen.

Er befinde sich in seiner “Blase” und habe nicht viel Zeit nachzudenken. “Ich liebe es, was ich auf einem Boot tun darf aber ich werde auch nicht den Moitessier machen. Ich werde nicht umdrehen, um länger auf See zu bleiben. Ich kann es nicht erwarten wieder zuhause zu sein.”

Tacker Macif

Der Vorsprung auf den Rekord ist komfortabel.

Der Speed bewegt sich konstant im 30-Knoten-Bereich.

 

 

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

Spenden
http://blueocean.berlin/magicmarine-team-werden/

2 Kommentare zu „Rekordsegeln: Francois Gabart am Kap Hoorn – alleine schneller als mit Crew“

  1. avatar breizh sagt:

    Francois Gabart ist einfach ein “Tier”.
    Unglaublich was er leistet und wie smart er dabei bleibt.
    Ich frage mich langsam, was macht er dann in den nächsten Jahren, wenn er alles gewinnt?

    Vielleicht mit einem Serienboot und vielen Bücher durch die schönsten Reviere der Welt zu schippern …

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 0

  2. avatar Tom sagt:

    Ich glaube der holt sich eines Tages auch noch einhand die Jules Verne Trophy. Wenn er mit dem Tempo weitermacht und die doldrums nicht so stark sind könnte er evtl. In 44-45 Tagen da sein. Das wäre gar nicht so viel mehr als Francis Joyon gebraucht hat. Schneller als Banque Populaire V könnte er sogar tatsächlich werden.

    Like or Dislike: Daumen hoch 1 Daumen runter 0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *