Rettung: 14 Meter-Trimaran nimmt 54 Schiffbrüchige von brennender Fähre an Bord

"Hereinspaziert!"

Rettung, Schiffbrüchige, Luxus-Trimaran

Blick durchs Panorama-Fenster des Salons: Es gibt unbequemere Arten, von Bord eines brennenden Schiffes gerettet zu werden © bruneel

Es war eng, aber dank günstiger Wetterlage machbar: Mit dem Luxus-Trimaran „Neel 45“ konnten in Norwegen alle Passagiere einer brennenden Fähre gerettet werden. Vier Tonnen Zuladung auf 60 qm Fläche. 

Es war einer dieser Bilderbuch-Abende eines Sommertörns in den norwegischen Fjorden. Die Neel 45 von Eric und Barbara Bruneel, ein 14-Meter-Luxus-Fahrten-Trimaran (Riss Joubert/Nivel), schwojte in einer Bucht friedlich vor Anker. 

Die nördliche Sonne schien um 20 Uhr noch kräftig, die Temperaturen waren mittelmeerwarm, die Nacht noch weit entfernt –  kurz: Die beiden Bruneels und vier befreundete Mitsegler läuteten die Apéritif-Zeit ein. Doch gerade als sie das Funkgerät ausschalten wollten, knarzten Mayday-Mayday-Rufe durch den Lautsprecher. 

“Mayday, Mayday”

Tatsächlich trieb in Sichtweite der „Neel“ ein Fährschiff, aus dessen beiden Schornsteinen in dicken Schwaden weißer Rauch quoll. Dem hatten die Bruneels jedoch nicht viel Aufmerksamkeit beigemessen, weil sie dachten, es handele sich um eines der klassischen Steamer-Boote bzw. Dampfschiffe, die sie noch am Nachmittag in einer anderen Bucht bei einer Parade beobachtet hatten. Doch schnell wurde klar, dass hier kein Klassiker seinen Dampf von sich gab, sondern ein echter Notfall herrschte. 

Rettung, Schiffbrüchige, Luxus-Trimaran

Panik kam keine auf – im Gegenteil © bruneel

Der Kapitän der Fähre forderte sofortige Hilfe an, weil seine Maschine brannte, eine Explosion zu befürchten war und er seine 54 Passagiere möglichst sofort in Sicherheit bringen wollte. 

Die Bruneels holten rasch ihren Anker ein und fuhren unter Motor Richtung brennender Fähre. Gleichzeitig näherten sich zwei kleine Fischerboote, die den Notruf ebenfalls empfangen hatten. 

Kaum war die „Neel 45“ der Bruneels in der Nähe der Fähre, bat der Kapitän die beiden Fischer, eine Art Zubringerdienst zwischen Fähre und Katamaran zu übernehmen. Der Mann ließ keinen Zweifel daran, dass er alle Passagiere auf dem Trimaran unterbringen wolle. 

“Nehmt bitte alle 54 Passagiere auf!”

Das dürfte der Moment gewesen sein, als den Bruneels erste Schweißperlen über die Stirn rannen. Denn 60 Personen wiegen bei einem Durchschnittsgewicht von 70 Kilogramm immerhin 4,2 Tonnen. Das könnte echte Probleme auf einem Boot geben, dessen Verdrängung leer mit 6,5 Tonnen angegeben wird, das „auf dem Papier“ 2,5 Tonnen zuladen darf (inkl. Sprit, Wasser etc.) und das nach Angaben der Bruneels sowieso schon „ordentlich beladen war“. 

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Wenn man sie so am Steg liegen sieht, ist kaum zu glauben,. dass die “Neel 45” kurz zuvor 60 Personen transportierte © bruneel

Dennoch sah Skipper Eric der Aktion relativ gelassen entgegen. Denn seit ihrer Erstwasserung 2011 hatte er die „Neel 45“, die er übrigens selbst in einer kleinen Werft in la Rochelle/Frankreich gebaut hatte,  bereits in vielen außergewöhnlichen Situationen als stabiles und vertrauenswürdiges Boot erlebt. Zudem war das Wasser des Fjords glatt, es wehte kein Wind… also her mit den neuen Passagieren. 

Barbara Bruneel berichtete später gegenüber französischen Medien: „Alles verlief erstaunlich ruhig. Die Schiffbrüchigen kamen in Fünfer- und Sechsergruppen zu uns an Bord. Sie hatten alle Schwimmwesten an – es gab keinerlei Anzeichen von Panik. Auch Kinder waren unter den Passagieren. Manche wirkten ein wenig nervös wegen der vielen Personen auf dem kleinen Boot, aber Eric beruhigte sie, indem er immer von „seinem“ Boot redete, das er selbst gebaut habe und von dem er sich absolut sicher sei, dass es nicht untergehen werde. Weil Trimarane sowieso nie untergehen“. 

Fast jeder der Passagiere fand einen kleinen Platz zum Sitzen auf den 60 Quadratmetern begehbarer Fläche des Trimarans. Als alle Passagiere von der Fähre evakuiert waren, nahm die „Neel 45“ erneut unter Motor Kurs auf den ursprünglich von der Fähre angesteuerten Hafen am Ende des Fjords. Der Trimaran fuhr mit halber Kraft sogar noch das Anlegemanöver selbständig – das Boot blieb trotz der Überladung voll manövrierfähig. 

“Bernhardiner der Meere”

Am Steg wurden sie von Rettungskräften erwartet, aber keiner der geretteten Passagiere benötigte Hilfe. Fast sah es so aus, als wären sie von einem netten Ausflug auf einem Trimaran gekommen – wenn es auch ein wenig eng war, auf dem Luxusgefährt. 

Den Bruneels und ihren Mitseglern wurde herzlich gedankt und eine Stunde später tuckerte die „Neel 45“ wieder mit ihrer ursprünglichen Crew zurück zu dem ausgesprochen schönen Ankerplatz neben einer riesigen Felswand am Ende des Fjords. Zeit, den Aperitif nachzuholen… 

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Neel 45 unter voller Beseglung © neel yachts

Der Maschinenbrand richtete auf der Fähre zwar erheblichen Schaden an, es kam jedoch nicht zu einer Explosion und das Schiff wird wohl wieder zum Einsatz kommen. Die Besatzung der Fähre erhielt später Rettungsmedaillen der Schwedischen Lebensrettungsgesellschaft für ihr besonnenes Verhalten und weil sie es geschafft hatten, dass keinerlei Panik bei den Passagieren ausbrach. 

Und die „Neel 45“ erhielt von den Französischen Medien den Titel „Bernhardiner der Meere“.

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Ein Kommentar „Rettung: 14 Meter-Trimaran nimmt 54 Schiffbrüchige von brennender Fähre an Bord“

  1. avatar Rainer sagt:

    Die „Neel 45″ wird von der Firma Neel Trimarans gebaut (ist ein Serientrimeran) und Chef der Firma ist – Eric Bruneel. “…die er übrigens selbst in einer kleinen Werft in la Rochelle/Frankreich gebaut hatte…” relativiert sich damit etwas,
    Das der ziemlich genau weiß was er seinem Tri zumuten kann ist dann auch klar.
    Trotzdem – super Aktion!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 6 Daumen runter 1

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