Revier: Deutschlands größte Insel – Infos und Tipps für einen Rügen-Törn vom Insider

„Rügen gehört zu den schönsten Ecken“

Segler erwartet rund um Rügen eine Vielfalt, die es sonst kaum irgendwo im Land gibt, sagt Nils Rammin. Der Inhaber der Werft Rammin am Barther Bodden kennt das Revier wie seine eigene Westentasche, denn es ist seine Heimat.

Der Königsstuhl ist das Wahrzeichen der Insel Rügen © Sascha Lichtenstein, Unsplash

Was verbinden Sie ganz persönlich mit dem Segelrevier Rügen?
Nils Rammin: Ich bin rund um Rügen schon als Kind gesegelt – von meinem ersten Lebensjahr an mit meinen Eltern und mit eigenen Booten mittlerweile auch schon seit ungefähr 36 Jahren. Rügen war immer das Hausrevier für uns.

Was schätzen Sie am meisten daran? Und was unterscheidet Rügen von anderen deutschen Ostsee-Revieren?
Das ist immer schwer zu sagen, wenn man das alles so gut kennt. Es ist ein unglaublich vielfältiges Revier. Da sind einerseits die großen, freien Gewässer, wie zum Beispiel der Greifswalder Bodden und der Jasmunder Bodden, andererseits aber auch viele kleine Buchten, in die man hineinfahren kann. Das Revier besteht nicht bloß aus einer Küste, die man entlangsegelt. Du kannst von einem Bodden in den anderen fahren, kannst die Insel über die Ostsee umrunden oder innen segeln, hast viele Stellen, an denen du ankern kannst, geschützte Buchten, kleine Häfen, flaches Wasser und tiefes Wasser. Es ist eigentlich alles da – und zwar abwechselnd. Das ist in anderen Gegenden nicht so und auch ein Unterschied zur schleswig-holsteinischen Ostseeküste. Wer zum Beispiel den Strelasund langfährt, landet danach in einem großen Bodden, kann aber auch in kleine geschützte Gewässer, wie den Zicker See oder die Having, fahren. Die Natur ist ähnlich vielfältig. Es gibt Steiluferküsten, flache Küsten und, und, und. Landschaftlich ist es einfach richtig schön. Daher gibt es auch für Landtouren sehr viele Möglichkeiten. Immer eine Reise wert ist übrigens Hiddensee. Am besten in der Vor- oder Nachsaison, dann ist es dort nicht so überlaufen. Die Schönheit von dem Revier haben schon viele erkannt.

Haben Sie Tipps für Landausflüge?
Man kann sehr schön wandern – über das Zickersche Höft, von Sassnitz zu den Feuersteinfeldern, von Breege aus die Küste entlang oder auf Hiddensee zum Leuchtturm hoch, von dem man über die ganze Ostsee blicken kann. Eigentlich ist es überall toll. Von Baabe oder Sellin aus bietet es sich an, mal mit der Kleinbahn zu fahren. Der beste Strand in dem Revier liegt auf Hiddensee.

Für wen eignet sich das Revier? Wie anspruchsvoll ist es?
Viele Gebiete sind für große beziehungsweise tiefgehende Schiffe anspruchsvoll, weil die Fahrwasser teilweise eng sind. Aber dafür ist Rügen auch für kleine Boote wie Jollenkreuzer zu gebrauchen, weil man fast immer in geschützten Revieren fahren kann, zum Beispiel von Stralsund in Richtung Jasmunder Bodden. Auf der anderen Seite, am Greifswalder Bodden, sieht das dann schon ein wenig anders aus. Dort kann es auch sehr ruppig werden. Für große Boote eignet sich das Revier natürlich auch. Nur gibt es eben Gebiete, in denen es für größere Schiffe anspruchsvoller ist und in denen Segler aufpassen sollten, wo sie hinsegeln.

Wo zum Beispiel ist besondere Vorsicht geboten?
Wer nach Hiddensee hochfährt, nach Breege rein oder in ähnliche Gewässer, der muss sich ans Fahrwasser halten. Dort darf an vielen Stellen nicht sehr weit aus dem Fahrwasser gefahren werden. Das macht es für den einen oder anderen dann doch ein bisschen anspruchsvoller. Aber wer sich dranhält, hat auch hier keine Probleme.

Wie ist die Infrastruktur für Segler?
Es gibt einige große Marinas und viele kleine Häfen, die vom Ausbau und der Infrastruktur her alle in einem sehr guten Zustand sind. Da hat sich in den letzten Jahren viel getan.

Was sollten Segler in Sachen Naturschutzgebiete beachten?
Die meisten Naturschutzgebiete, in die Segler nicht reinfahren dürfen, sind mit größeren Schiffen sowieso nicht zu erreichen, weil die nötige Wassertiefe fehlt. Aber es gibt auch ein paar Stellen, wo man theoretisch hinfahren könnte, aber eben nicht darf wegen des Naturschutzes. Da hilft dann am besten ein Blick in die Seekarte.

Haben Sie einen Törnvorschlag für Rügen-Neulinge?
Am Wochenende fahren viele gerne nach Wiek auf Rügen. Das eignet sich gut für einen Wochenendtörn. Wer eine Woche segeln will, kann von Stralsund als Ausgangshafen in den Jasmunder Bodden reinfahren und sich im Freilufttheater in Ralswiek die Störtebeker-Festspiele angucken. Dieses Jahr geht das ja allerdings leider nicht. Von dort kann man dann wieder zurück und in den Greifswalder Bodden fahren. Die ganzen Häfen abzuklappern dauert gut eine ganze Woche.

Wie sieht es mit einem Törn rund Rügen aus?
Rund Rügen lässt sich in mehreren Etappen segeln. Das war früher anders, als die Außenhäfen fehlten. Mittlerweile gibt es auch an der Außenseite Häfen wie Lohme und Glowe, wo man einen Zwischenstopp machen kann. Der Hafen in Sassnitz ist aus meiner Sicht nicht so schön, da er sehr unruhig ist. Aber in Glowe kann man gut einen Stopp einlegen und dann von dort weiter bis Lauterbach oder Gager segeln. Das sind angenehme Etappen. Und landschaftlich ist das natürlich schick, wenn man an den Kreidefelsen vorbeikommt. Die Richtung für den Törn ist letztlich windabhängig. Bei Ostwind ist es eigentlich immer am besten, wenn man aus dem Greifswalder Bodden rausgeht und dann später einen guten Anlieger rund um die Insel hat. Dann hat man bloß ein ganz kurzes Stück gegenan. Und wenn aus West weht, halt in die entgegensetzte Richtung um die Insel. Bei Westwind hat man dann auch eigentlich immer gut Schutz hinter der Insel.

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