Sailing Conductors: Abenteuer unter Segeln kurz vor Kolumbien

Glückskinder

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Gutschieta, Strahlemann auf Klein Curacao © Sailing conductors

Glück #5 – Lässt auf sich warten

Am nächsten Tag wollen wir das volle Touristenprogramm mitmachen. Rippchen essen, Bier trinken und das bunte Treiben beobachten. Doch erst mal müssen wir die Boje wechseln, denn wir liegen an der Boje des Bootes, das Touristen und Rippchen bringt. Kaum bin ich wieder trocken und habe eine Tasse Kaffee in der Hand, kommt auf ein Mal ein Katamaran mit noch mehr Touristen an und scheucht uns von „seiner“ Boje weg. Das ist natürlich ärgerlich, und wie sich hinter herausstellt, auch noch gelogen. War gar nicht seine Boje!

An Land hat Gutschieta alle Hände voll mit dem Grill zu tun und wir werden unfreundlich von einem Crew Mitglied darauf hingewiesen, dass das hier Privatgrundstück wäre. Nach dem Motto „kein Bier vor vier“ müssen wir warten, bis die Meute wieder gen Curaçao ablegt und vertreiben uns die Zeit mit ein paar witzigen Fotos. Kaum ist der letzte an Bord kommen wir aus unserem Versteck, stürzten uns auf die Kühltruhe, Gutschieta ruft aus der Ferne „Nehmt euch ein Bier!“, da hatten wir schon jeder eins in der Hand. Kurz darauf holt er die letzten Rippchen und Bouletten, die er extra in Alufolie verpackt für uns aufbewahrt hat. Normalerweise nimmt das Boot die Reste alle wieder mit, denn Gutschieta isst selbst keine Rippchen mehr, nach zehn Jahren auf der Insel.

Wir trinken noch ein paar Bierchen mit ihm zusammen und wollen im Sonnenuntergang dann die Segel nach Kolumbien setzen. Als wir gehen wollen, holt er noch ein Sixpack für unseren Kühlschrank und ein „Wegebier“ müssen wir auch noch mitnehmen. Das trinken wir dann bei unserem Schlauchboot und beobachten aus der Entfernung das rege Treiben einer Gruppe Holländer, von etwa fünfzehn Leuten, die sich anscheinend auf ein alkohollastiges Surf-Grill-Tauch-Paddel-Wochenende vorbereiten.

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Strand mit Aussicht © sailing conductors

Als die Jungs und Mädels fertig sind mit Schleppen, kommt einer rüber und fragt ob wir uns dazugesellen wollen… tja. Los? Mitmachen? Zeitdruck? Bier? Ist doch so schön hier! Alle sind super nett und wir entscheiden uns dazu zu bleiben, holen unsere Gitarren und werden überschwänglich mit Bier versorgt.

Eine lustige Nacht, in der wir doch noch zu unserem Lagerfeuer kommen. Gegen zwei Uhr löst sich die Gemeinschaft dann langsam auf und wir machen mit unserem Dinghy paddelnder Weise rüber zur Marianne – der „neue“ alte Außenbordmotor wollte nicht anspringen (wir zwar voll, aber der Tank wohl nicht), aber egal, wir haben ja noch vier Bier!

Glück #6 – Das Gesetz drückt ein Auge zu

Während wir den Abend noch ein Mal Revue passieren lassen, steuert aus dem Dunkeln ein Boot auf uns zu. Coast Guard. Oha! Wir haben uns natürlich nicht einklariert, wollten ja erst nicht her und dann eigentlich auch schon längst wieder weg sein. Die Jungs wollen, nicht gerade vorsichtig, längsseits gehen, Benni schnauzt die Leute an, sie sollen doch bitte aufpassen, die Leute „Jaja, das ist ein Schlauchboot, keine Sorge, beruhigen Sie sich!“.

So sitzen wir bei einer leicht gereizten Stimmung, in Unterhose mit Bier in der Hand, kurz nach zwei Uhr in der Nacht, dann drei uniformierten und bewaffneten Jungs im Cockpit gegenüber. Benni schafft es aber wieder die Situation zu entschärfen, er liebt die Marianne eben und viele Leute behandeln sie nicht gut, wir hatten schon oft Probleme, die Dame ist zart (und wird auf Grund der Rostflecken ständig mit einem Stahlboot verwechselt) und nicht mehr die Jüngste, wollt ihr ein paar Chips?

Wollen sie nicht, nur die üblichen Papiere, Pässe und eine kurze Führung im Boot. Was ist das da? Er zeigt auf das einzige, exotisch aussehende Ding an Bord – zwei auf einen Stab geschraubte Kokosnüsse, ein Rhythmusinstrument aus Brasilien. Ich führe ihm, immer noch in Unterhose und reichlich angeheitert, das Ding vor. Ich schlage tok tok tik tik tok tok tok tik tik tik – und singe uh ühühüh uhuh ühühüh. Er lacht irre und die drei Jungs ziehen wieder von dannen. Das war es jetzt? Dafür fahren die hier nachts raus? Darauf erst mal noch das letzte Bier…

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Der Parasailor avencierte zum Lieblingssegel der dirigenten © sailing Conductors

Glück #7 – Glück im Unglück

Noch vierhundert Meilen bis nach Santa Marta. Wind und Strömung sind wieder auf unserer Seite, zwischenzeitlich wird es ein bisschen dünn, aber Dank unseres Parasailors kommen wir trotzdem gut voran. Der Wind ist konstant, die Selbststeuerungsanlage macht prima, wofür sie gebaut ist, selbst steuern, sodass wir den Schirm auch nachts stehen lassen können.

Am Morgen vor der Ankunft, die Sonne ist gerade aufgegangen und ich döse bei meiner Schicht im Cockpit, plötzlich ein seltsames Geräusch, dann ein Klatschen im Wasser, das Boot bleibt abrupt stehen und ich denke, wir wären irgendwo gegen gefahren. Doch beim Blick nach vorne fehlt unserem Boot etwas Entscheidendes – wir haben kein Segel mehr drauf! So ein Scheiß, das Fockfall ist gerissen und der Parasailor liegt im Wasser.

Gemeinsam ziehen wir das Ding wieder an Deck. Und nun? Wieder hoch damit!

Und so kommen wir unbeschadet, kurz nach Sonnenuntergang in Santa Marta an, schmeißen vor der Marina den Anker und klatschen ab: Morgen sind wir in Kolumbien, Land Nummer achtzehn. Alles ist gut, wir sind glücklich!

Website segelnde Dirigenten

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Nein, im Hintergrund liegt nicht “Marianne”, sondern das Wrack eines unglücklichen Franzosen, der im Suff… © sailing conductors

2 Kommentare zu „Sailing Conductors: Abenteuer unter Segeln kurz vor Kolumbien“

  1. avatar Erbsenzähler sagt:

    Sympathisch durchgeknallt die Jungs, Klasse!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 12 Daumen runter 3

  2. avatar sven sagt:

    Jungs Eure CD dudeln hier immer noch, nur mein Sailing Conductors Bier ist alle………war das nicht ein Abo ?

    Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 2

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