Sailing Conductors: Regatta vor Madagaskar, Dinghy geklaut

Langsam mit dem "Dickerchen"

Die Sailing Conductors nehmen in Madagaskar den Song Amesa Motro (Hast du Feuer) auf. Captain Ben rappt mit den Einheimischen.

Wir wussten schon immer, dass unsere „Marianne“ auf Grund ihres korpulenten Kiels nicht gerade die Schnellste ist. Doch noch nie hatten wir die Möglichkeit, unser “Dickerchen” mit anderen zu vergleichen. Normalerweise verlässt ein Weltumsegler-Boot den Ankerplatz nur für die nächste Ozeanüberquerung, doch „La Grande Regate de Nosy Be“ können wir uns einfach nicht entgehen lassen!

Benny (r.) rappt auf Deutsch mit den Eiheimischen über der Bucht wo "Marianne" schwimmt.

Benny (r.) rappt auf Deutsch mit den Eiheimischen über der Bucht wo “Marianne” schwimmt.

Um 11 Uhr am Samstag sollen sich alle Skipper der 15 teilnehmenden Boote an der Bar der Marina in Crater Bay einfinden. Ein ausgesprochen guter Treffpunkt wie sich herausstellt, denn bis tatsächlich alle eintrudeln und die Besprechung beginnen kann, entwickelt sich bei den Pünktlichen ein enormer Durst. Mit nur anderthalb Stunden Verspätung erklärt uns Marina-Chef Rudi in einem Kauderwelsch aus Französisch, Englisch und Deutsch die Strecke zur Russian Bay und am nächsten Tag wieder zurück.

Alle versuchen höchste Aufmerksamkeit vorzutäuschen und dabei so viel Schabernack wie möglich zu treiben. Es wird verständnisvoll genickt, aber ansonsten gelacht und dazwischengerufen. Wir nehmen nach der Besprechung die Klassenfahrtsatmosphäre mit aufs Boot und tuckern langsam zum Startpunkt.

Captain Ben führt "Marianne" zur Startlinie. © Sailing Conductors

Captain Ben führt “Marianne” zur Startlinie. © Sailing Conductors

Dank taktischer Weitsicht meines Captains können wir tatsächlich als einer der ersten über die Startlinie fahren, doch schon nach kurzer Zeit überholt uns noch das letzte Boot. Um der aufkommenden Schwermut entgegenzuwirken, gibt es zum Baguette ein Bier.

Etwas munterer beobachten wir dann, wie die Katamarane nicht hart am Wind fahren und direkt auf die Bucht zusteuern können, sondern etwas weiter abfallen. So müssen sie zweimal wenden. So reihen sich doch noch drei dieser schwimmenden Häuser kurz vor dem Zieleinlauf hinter uns ein. In uns keimt Hoffnung auf.

Nach dem Vorstart-Ankermanöver sieht es schlammig auf dem Vorschiff aus. © Sailing Conductors

Nach dem Vorstart-Ankermanöver sieht es schlammig auf dem Vorschiff aus. © Sailing Conductors

Regatta Vorbereitung im Number One Club

Entweder ich hatte bei der Besprechung nicht richtig zugehört oder unsere „Regatta-Vorbereitung“ bis 3 Uhr Früh im Number One Club  war extrem kontraproduktiv. Wir wurden zwar vor einem Riff östlich der Bucht gewarnt und befinden uns westlich von dieser, doch innerhalb von wenigen Sekunden wird das Wasser immer flacher. Der Tiefenmesser zeigt plötzlich nur noch 1,5 m Platz unter dem Kiel. Um nicht auf Grund zu laufen, navigieren wir mit vier Wenden aus der Untiefe. Der Umweg lässt und auf den vorletzten Platz im Ziel zurückfallen.

"Marianne" im Regatta-Trimm. © Sailing Conductors

“Marianne” im Regatta-Trimm. © Sailing Conductors

Mit großem Hunger nach den vier Stunden Fahrt setzten wir über zum Strand und freuen uns auf Kartoffelsalat, Fleischspieße und gegrillten Fisch. Es wird Bier getrunken und meilenweise Seemannsgarn gesponnen. Leider bleibt die aufgebaute Musikanlage stumm. Die Madagassen sind nicht so gute Techniker, wie Köche. Also erbarmen wir uns irgendwann und holen unsere Gitarren.

Zur Belohnung werden wir mit Bier und einem Kokosnussmilch-Rum-Gemisch versorgt. Die Kehlen bleiben feucht und so schmettern wir einen Song nach dem anderen, bis sich um 4 Uhr auch der Letzte sich in sein Dinghy setzt und zu seinem Boot fährt.

Schlauchboot geklaut

Die Madagaskar-Flotte fährt voraus. © Sailing Conductors

Die Madagaskar-Flotte fährt voraus. © Sailing Conductors

Uns tun die Finger weh und wir entscheiden uns, nicht zur Marianne zu paddeln, sondern im weichen Sand unter dem klaren Sternenhimmel am Strand zu schlafen.
Keine gute Entscheidung, wie sich später herausstellt. Am nächsten Morgen ist unser Schlauchboot weg und in der gesamten Bucht nicht mehr zu finden.

Trotzdem nehmen wir erfolgreich an den Strandspielen gegen die anderen Mannschaften teil und geben auch auf dem Rückweg zur Marina alles. Obwohl wir um ein Schlauchboot erleichtert sind, kommen wir so spät ins Ziel, dass unsere Zeit von der Jury nicht mehr gestoppt wird und wir disqualifiziert werden. Wir wussten ja, dass wir langsam sind… aber so langsam?

Die bisherige und geplante (grau) Route der Sailing Conductors auf dem Weg nach Berlin.

Die bisherige und geplante (grau) Route der Sailing Conductors auf dem Weg nach Berlin.

Dann die Überraschung. Als Trostpreis und kleines Dankeschön, dass wir den Abend mit unserer Musik gerettet haben, schenkt uns Rudi ein Dinghy. Wir können unser Glück kaum fassen und sind total aus dem Häuschen. Höhen und Tiefen liegen auf diesem Trip manchmal sehr nah beieinander.

Website der Sailing Conduktors

Spenden
http://blueocean.berlin/magicmarine-team-werden/

Ein Kommentar „Sailing Conductors: Regatta vor Madagaskar, Dinghy geklaut“

  1. avatar round the world sagt:

    Sehr cool… wird wohl für immer ein herrausragendes Erlebnis bleiben.

    Like or Dislike: Daumen hoch 1 Daumen runter 0

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