Saisonauftakt: Schweinswale zur Begrüßung auf der Ostsee

"Was am Segeln so schön ist..."

SR Leserin Birgit Grassl ist zum Saisonauftakt auf der Ostsee von Schweinswalen mit einer ausdauenden Begleitfahrt begrüßt worden. Als hätten sie auf die Segler gewartet.

Wir haben den ganzen Winter über auf den Moment gewartet, an dem “Madita” aus der Halle gefahren und ins Wasser gekrant wird. Nun tuckern wir die Trave runter, um von Lübeck an den Sommerliegeplatz in Sonderburg zu fahren.

Schweinswal

Schweinswal am Bug der “Madita”

Was will man erwarten beim Saisonstart: Der Himmel ist grau, immer wieder ziehen Regenschauer über uns hinweg und lassen uns frierend und klamm im Wind stehen. Unter Deck läuft der Gasheizer, damit es wenigstens für die Kinder dort ein bisschen gemütlicher wird.

Tapfer schiebt sich Madita auf die Ostsee hinaus Richtung Fehmarn. Der Himmel lichtet sich etwas, die Sonne lässt sich ab und zu blicken, doch trotz zwiebelschalenartiger Verkleidung bleibt es frisch. Ab Pelzerhaken kommt der Wind von vorne und wir werfen den Motor an, um auf kürzester Strecke das erste Etappenziel zu erreichen.

Erstmals seekrank

Bei dem Geschaukele von vorne werde ich dann das erste Mal in diesem Jahr seekrank. Einen ganz kurzen Moment kommt die Frage auf: Was genau ist am Segeln nochmal so schön?! Doch schließlich ist es geschafft, Orth auf Fehmarn erreicht und nach einem leckeren Essen aus dem Hafenimbiss, liegen wir früh in den Kojen.

Am nächsten Morgen haben sich die Wolken verzogen, die Sonne schafft es schon, den Dunst über der Ostsee wegzuschmelzen. Der Wind kommt genau von hinten, besser könnte es nicht sein und so wird einstimmig entschieden, dass wir uns die 55 Seemeilen direkt bis nach Sonderburg pusten lassen, auch wenn wir dafür 10-11 Stunden Fahrtdauer in Kauf nehmen müssen.

Schweinswale

Zwei Schweinswale zur Begrüßung auf der Ostsee.

Fehmarn liegt grade mal 5 Seemeilen hinter uns, da ist ein Plantschen und Pusten hinter uns zu hören. Wir trauen unseren Augen kaum, doch dicht hinter uns im Wasser tobt ein Schweinswal. Es bietet sich uns ein Schauspiel, das uns für den Rest der Reise ein Dauerlächeln auf das Gesicht zaubern wird.

Kurze Zeit später gesellt sich noch ein zweiter Schweinswal hinzu. Sie umkreisen das Schiff, tauchen unter Madita hindurch, springen neben bei, drehen die Bäuche nach oben und scheinen sich förmlich an ihren Bug schmiegen zu wollen. Wiederholt bricht sich das Sonnenlicht in den Wassertropfen ihrer Fontänen zu kleinen Regenbögen.

Toberei im Wasser

Fünfundzwanzig, dreißig Minuten dauert diese fröhliche Toberei im Wasser. Einer der beiden Schweinswale verabschiedet sich, doch der andere bleibt uns noch lange auf den Fersen. Immer wieder taucht er achtern auf, pustet uns Wasserfontänen hinterher, zieht seine Kreise und ist schließlich verschwunden.

Wir bleiben zurück und wissen wieder, was am Segeln so schön ist!

Unsere ganz grosse Liebe zu diesem kleinsten Zahnwal ist wieder lodernd entfacht. Dabei ist nicht der Gedanke führend, einer seltenen, vom Aussterben bedrohten Tierart begegnet zu sein, dessen Bestand mit 300 Tieren in der Ostsee angegeben wird.

Plötzlich durchqueren wir die Natur nicht nur, betrachten sie nicht nur von Außen. Vielmehr sind wir plötzlich mit einbezogen, werden wahrgenommen, sind ein Teil von ihr. Auch die Schönheit und Zutraulichkeit dieser niedlichen Tiere und ihr vergnügtes Spielen führt zu dem glücklichen Strahlen auf unseren Gesichtern.

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Ein Kommentar „Saisonauftakt: Schweinswale zur Begrüßung auf der Ostsee“

  1. avatar Super-Spät-Segler sagt:

    Toll!
    Da bin ich richtig ein bißchen neidisch. Schweinswale würde ich auch gerne mal sehen!

    Im Spiegel ist passenderweise heute ein Bericht über den Ostsee-Schweinswal:

    http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/wale-schweinswale-in-der-ostsee-mit-detektoren-gezaehlt-a-969099.html

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