Sauerstoffmangel: “Todeszonen” der westlichen Ostsee – Flensburger Förde, Fehmarnbelt

Sorgenkind Ostsee

Der Sauerstoffmangel in der Ostsee ist nach wie vor ein großes Problem. Eine dänische Untersuchung hat nun gezeigt, dass das Ausmaß und die Intensität der Sauerstoffverarmung im September stark zugenommen haben.  

Die rot markierten Gebiete sind von starkem Sauerstoffmangel betroffen. Die gelben weisen niedrige Sauerstoffwerte auf © DCE/Miljøstyrelsen

Jedes Jahr veröffentlicht das Nationale Zentrum für Umwelt und Energie der Universität Aarhus (DCE) mehrere Berichte über die Sauerstoffverhältnisse in dänischen und angrenzenden schwedischen sowie deutschen Teilen der Ostsee. Die jüngste Auswertung zeichnet kein allzu gutes Bild. Denn die von Sauerstoffmangel betroffene Fläche der Ostsee hatte im September besorgniserregende Ausmaße und war deutlich größer als noch im August. Verglichen mit den September-Ergebnissen anderer Jahre wurde in diesem Jahr der dritthöchste Wert seit 2008 erreicht.

Aber nicht nur das in der Ostsee betroffene Gebiet vergrößerte sich im September auch die Intensität der Sauerstoffverarmung nahm vielerorts zu. Die Karten der Forscher zeigen, dass das Problem neben Süddänemark auch viele deutsche Gebiete der Ostsee wie etwa die Flensburger Förde, den Fehmarnbelt oder die Mecklenburger/Lübecker Bucht besonders stark betrifft.

Niedrigste Sauerstoffkonzentration im Bodenwasser der Flensburger Förde im Jahr 2021 (rote Linie) im Vergleich zum Mittelwert von 1986-2019 (gestrichelte Linie) © DCE/Miljøstyrelsen

Auswirkungen auf das Ökosystem

Da der Sauerstoff im Wasser wichtig für das Überleben von Pflanzen und Tieren ist, können die Folgen des Sauerstoffschwundes für die Ökologie des Meeres gravierend sein. Laut der Untersuchung ist der Sauerstoffgehalt in vielen bodennahen Bereichen im Untersuchungszeitraum für etliche Meeresbewohner bereits als „sehr kritisch“ einzustufen.

Ist irgendwo kaum noch Leben möglich, spricht man von „Todeszonen“. Die Sauerstoffverarmung wirke sich außerdem auf chemische Kreisläufe des Meeresbodens aus, da sie beispielsweise die Fähigkeit des Meeresbodens beeinträchtigt, Nährstoffe und Schwefelwasserstoff zu binden. Laut der dänischen Studie wurde das giftige Gas im September an mehreren Stellen der Ostsee aus dem Boden freigesetzt.

Menschengemacht

Die Hauptgründe für einen anhaltenden Sauerstoffschwund, der unsere Süßwasserseen übrigens sogar noch stärker betrifft, sehen Wissenschaftler sowohl im Klimawandel als auch in der Überdüngung. Das übermäßige Einleiten von Düngemitteln in die Meere führt nämlich zu einem Überangebot an Nährstoffen und einer erhöhten Produktion von Phytoplankton. Sinkt dieses dann irgendwann auf den Grund und zersetzt sich dort, wird Sauerstoff verbraucht. Die durch den Klimawandel steigenden Temperaturen fördern die Sauerstoffverarmung zusätzlich.

Eigentlich hatten sich die Anrainer-Staaten vorgenommen, die Ostsee bis 2021 wieder in einen guten ökologischen Zustand zu bringen. 2007 hatte man sich auf ein entsprechendes Aktionsprogramm verständigt, das vor allem die Überdüngung stoppen sollte. Doch erreicht wurde dieses Ziel bisher nicht. Mitte Oktober tagen die Minister nun erneut.

 

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